
Der SV Planegg-Krailling steigt in die Fußball-Landesliga auf, doch sechs Stammspieler verlassen den Verein. Aus Kanada feilt Trainer Pero Vidak derzeit am Kader.
Es hat eine Weile gedauert, bis Pero Vidak den Film in seinem Kopf abgestellt bekommen hat. Mehr als zwei Wochen ist der Erfolg in der Relegation und damit der zweite Aufstieg in die Landesliga in der Vereinsgeschichte des SV Planegg-Krailling inzwischen her. Noch Tage später spielten sich beim Cheftrainer immer wieder Szenen vor dem inneren Auge ab. Da befand sich Vidak bereits im Heimaturlaub in Kroatien.
Mitten in der Nacht nach dem dramatischen 2:1-Triumph nach Verlängerung im Rückspiel der entscheidenden zweiten Relegationsrunde gegen den FC Aschheim war Vidak mit seiner Lebensgefährtin nach Kroatien aufgebrochen. „Aber du kannst nicht davonfahren. Das fährt mit“, sagt der Planegger Coach über die lang anhaltende Gefühlsparade.
Weglaufen wollte der frisch 59 Jahre alt gewordene Erfolgscoach ohnehin nicht. Schließlich sei er zwar müde und ausgelaugt gewesen, aber glücklich. Es waren positive Bilder und Emotionen, die ihn lange nicht losließen. Vidak mag sich gar nicht vorstellen, wie es in den ersten Tagen nach der Entscheidung etwa in den Aschheimern ausgesehen haben musste. Nach diesen immensen Anstrengungen, physisch wie mental, ohne Ertrag nach Hause zu gehen, sei extrem hart.
Am Ende waren wir dann in der Verlängerung von der Verlängerung der Saison, da hat jeder nur noch funktioniert.
Pero Vidak, Trainer des SV Planegg-Krailling
„Dieser Modus der Relegation geht richtig an die Substanz. Am Ende waren wir dann in der Verlängerung von der Verlängerung der Saison, da hat jeder nur noch funktioniert“, berichtet der SVP-Trainer. Durchgedrungen sei er in dieser Phase zu niemandem mehr so richtig – und niemand zu ihm. „Die Jungs wollten in den Pausen einfach wieder rauf aufs Feld. Jeder wollte für jeden alles geben, da waren wir wie eine Familie“, sagt Vidak. Das habe dann auch einige Problematiken aus der Saison weggewischt. Auch Spieler, die beispielsweise zuvor nicht zufrieden mit ihren Einsatzzeiten gewesen seien, hätten sich komplett eingebracht.
Das perfekte Ende einer Traumsaison bedeutete aber zugleich den Beginn einer Reise ins Ungewisse. Zum einen sorgt ein Aufstieg immer für gewisse Unwägbarkeiten in der höheren Liga, zum anderen muss der SVP auch noch mit einem personellen Aderlass umgehen. Wie berichtet, beendet Vereinslegende Martin Bauer mit 36 Jahren seine Spielerkarriere.
Und neben dem Anführer verlassen fünf weitere Leistungsträger den SVP zur neuen Saison: Defensivallrounder und Vizekapitän Andrej Skoro, Mittelfeldstratege Mario Simic, Flügelflitzer Fabijan Podunavac, Stoßstürmer Valentino Gavric sowie Außenspieler Aldin Ahmetovic. Finanziell könne es der Verein sonst nicht mehr stemmen, sagt Vidak, ohne ins Detail zu gehen. „Es wird ein großer Umbruch.“
Zuversichtlich ist der Coach, dass der Landesliga-Aufsteiger aus dem Würmtal Torhüter Marijan Krasnic (33) sowie Toptorjäger Aleksandar Demonjic (30) halten kann. Rund um den Kapitän im Kasten und den Ex-Profi im Sturm sowie weitere Ankerspieler wie Innenverteidiger Momko Kojic oder Sechser Ante Kraljevic soll ein neues Gerüst gebaut werden.
Einige Neuzugänge haben die Planegger bereits im Blick, spruchreif sei aber noch nichts, so Vidak. Er selbst ist in die Kaderplanung freilich involviert – wenngleich derzeit nur telefonisch aus knapp 8000 Kilometern Entfernung. Denn an eine Woche in Kroatien hängt Vidak noch drei Wochen in Kanada an. Sein Bruder wohnt in Calgary. WM-Spiele wird sich Planeggs Trainer aber wohl nicht live ansehen, auch wenn das ursprünglich mal angedacht gewesen war. Aber die horrenden Ticketpreise sorgten für ein Umdenken beim 59-Jährigen.
Den Trainingsauftakt in der Vorbereitung am kommenden Montag verpasst der Chefcoach noch, stößt erst Ende jener Woche wieder zum Team. Die Einheiten vorher leitet der bisherige spielende Co-Trainer Bauer.
Für mich ist er der Mister SV Planegg. Der Verein muss so jemanden unbedingt halten.
Pero Vidak, Trainer des SV Planegg-Krailling, über Vereinsurgestein Martin Bauer
Inwiefern er Vidak oder dem Verein auch auf Dauer erhalten bleiben wird, sei noch nicht final geklärt, sagt der Aufstiegscoach. „Es gibt Optionen, bei denen er uns erhalten bleibt. Und es würde mich freuen, wenn es so kommt“, sagt Vidak und betont: „Für mich ist er der Mister SV Planegg. Der Verein muss so jemanden unbedingt halten.“
Vidak hat in jedem Fall an der Hofmarkstraße eine Heimat gefunden. Mit Planegg feierte der langjährige Erfolgstrainer des TSV Grünwald seine ersten Aufstiege als Coach. „Es ist eine Konstellation, die sich gesucht und gefunden hat“, sagt Vidak. „Planegg wollte aufsteigen und ich mir beweisen, dass ich es kann.“ Mit Grünwald war er zweimal in der Landesliga-Relegation gescheitert. Mit dem SVP klappte es auf Anhieb.
Nach zwei Aufstiegen in drei erfolgreichen Saisons könnte es für Pero Vidak in seinem vierten Jahr im Würmtal aber erstmals ungemütlicher werden. Die Abgänge der sechs Leistungsträger dürften ihren Teil dazu beitragen, dass es in der Landesliga erst mal nur gegen den Abstieg geht. mg