
Nach etwa 300 Toren für Münchner Vereine im Herrenbereich verlässt ein Torjäger die Bühne. Robert Söltl hört auf, wird dem Fußball aber erhalten bleiben.
Harthof – 18. Juli 2006: Da spielten sie groß auf. Die Bayern. Roy Makaay, Roque Santa Cruz und Mehmet Scholl – und zerlegten den FC Aschheim mit 12:1. Makaay traf viermal, Santa Cruz zweimal, Scholl keinmal, aber dafür Robert Söltl.
Direkt nach der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland besuchte der FC Bayern den FC Aschheim. Freundschaftsspiel zum 50-jährigen Jubiläum. Eins der größten Highlights für Aschheim und Söltl, der selbst an der Münchner Fußballgeschichte mitschrieb. 2025 endet diese Ära – zumindest als Spieler.
Söltl machte in Aschheim nicht nur gegen den FC Bayern auf sich aufmerksam: Er wagte 2008 den Sprung zum FC Ismaning in die Oberliga Bayern (damals 4. Liga), kehrte zurück, spielte in Nord München-Lerchenau, in der Regionalliga beim FC Unterföhring, wieder in Aschheim, ehe er 2022 in Harthof ein Zuhause fand. Und am Ende fast 300 Tore auf dem Konto stehen hat.
Beim FSV wurde Söltl Trainer, inzwischen für die Bambinis, zuvor für die Herren, und setzte den Grundstein für eine Pokalmannschaft, die ihresgleichen sucht. 2023 und 2024 gewann Harthof erst als Kreisklassist und dann als Kreisligist den Münchner Kreispokal. Die Belohnung? Zwei absolute Highlightspiele: 2024 unterlag Harthof erst im Elfmeterschießen dem Regionalliga-Absteiger Schalding-Heining. Vor wenigen Wochen gab es die knappe 1:2-Pleite gegen den FC Ingolstadt.
Und auch mit 39 Jahren fällt Söltl gegen ein Team aus der 3. Liga auf: Handgezählte null Ballverluste, fast jede Offensivaktion läuft über ihn und einen permanenten Antrieb mit oder gegen den Ball. „Robert Söltl war schon immer gut“, schwärmte auch Harthof-Trainer Gasda. „Er wollte unbedingt spielen und ist einfach überragend für sein Alter.“
Seine Klasse zeigte der inzwischen 39-Jährige besonders in einer Szene: Einen etwas zu kurz geratenen Ball in die Mitte nahm Söltl in der eigenen Hälfte auf. Er brachte seinen Körper perfekt zwischen sich und einen Ingolstädter Verteidiger und spielte ihn per Außenrist in den Lauf des 19 Jahre jüngeren Shayan Sabha, der den Ball nach starker Einzelleistung zum 1:1 vollendete.
„Das war natürlich ein cooler Moment für unseren Neuzugang, aber auch für mich. Eine Vorlage gegen einen Drittligisten – das ist nicht ohne“, sagte Söltl, für den das Pokalspiel das perfekte Ende seiner Karriere ist. „Das war ein cooles Gefühl und es hat Spaß gemacht, wie uns die Leute draußen gefeiert haben.“
Ein Assist zum Abschluss für Söltl, der bereits vor dem Spiel sein Karriereende im Herrenfußball erklärt hatte. Wehmut gibt es keine. „Ich bin froh, dass es vorbei ist mit dem ganzen Training und Spielen.“ Wenn er gebraucht wird, lässt er sich aber sicher überreden. Ganz ohne Fußball geht es für Söltl nicht. Eines seiner Kinder spielt jetzt unter ihm bei den Bambinis, und als Stürmer will er weiter bei den Alten Herren für Furore sorgen. (btfm)