
Der TSV Grafing bricht im Münchener Kreispokal einen Torrekord seit Datenerfassung. Wohl gemerkt zur Pause, denn der Gegner gibt nach 45 Minuten auf.
Wenn es jemals eines Beweises bedurft hätte, dass Pokalspiele ihre eigenen Gesetze haben, dann war das Zweitrundenduell im Toto-Pokal Kreis München (Gr. Ost) zwischen dem TSV Grafing und FC Wölfe München wohl das beste Beispiel. „So etwas habe ich noch nie erlebt.“ Diesen Spruch dürfte wohl jeder von sich gegeben haben, der die Partie auf dem Grafinger Trainingsplatz am Dienstagabend miterlebt hat. Ein einmaliges Erlebnis.
Ein Spiel zwischen einem ambitionierten Kreisklassisten und einem Gast, der nicht nur erst seit kurzem existiert; dessen Akteure, die seit dieser Saison in der C-Klasse 5 (München) gelistet sind, auch spielerisch weit weg von dem sind, was Fußball ausmacht. Lauf- und Passspiel, Einsatz, Zweikampfverhalten, Technik und Taktik sowie Organisation sind bei den Wölfen erst im Ansatz zu registrieren.
Kein Wunder, dass die Partie mit Verspätung begann. „Einige Münchner stehen noch im Stau“, hieß es. Böse Zungen munkelten, die Wölfe hätten sich die Mietkosten für ihren Heimspielplatz sparen wollen und deshalb den Tausch des Heimrechts vorgeschlagen. Dass es überhaupt zu diesem Vergleich im Rahmen des Toto-Pokals kam, war dem Erstrundenverzicht des Wölfe-Gegners Putzbrunn geschuldet.
Letztgenannten blieb erspart, was Grafing ewig in Erinnerung behalten dürfte: Ein Spiel, nach dem „Klassenunterschied“ neu definiert werden muss. Im trüb-gelblichen Schimmer des Flutlichts waren die Wölfe – beschönigt formuliert – hoffnungslos unterlegen. Wenige Minuten nach dem Anpfiff von Schiedsrichter Patrick Cuka („in diesem Ausmaß habe ich noch kein Spiel erlebt“), knallte Quirin Kreitmaier den Ball an die Latte, um wenig später das Scheibenschießen zu eröffnen (2.).
Von da an ging es Schlag auf Schlag nach dem fast permanent gleichen Muster: Anstoß FC, Balleroberung TSV, Offensivaktion über wenige Stationen, Abschluss, Tor. Nur anfangs tat dem neutralen Zuschauer der (unbewegliche) Wölfe-Keeper noch leid. Bemerkenswert war eigentlich nur, wenn ein Schuss sein Ziel verfehlte. Wer sich Notizen über die Torfolge machte, ging bald dazu über, statt Torschütze, Minute und Entstehung des Treffers eine Strichliste anzulegen.
Die Prognose eines Zuschauers, „wenn die so weitermachen, kassieren sie 50 Stück“, war nicht von der Hand zu weisen. Zumal sich einige Wölfe immer wieder ein Päuschen neben dem Spielfeld gönnten. Bisweilen waren es nur sieben Akteure, die sich dem sportlichen Untergang stellten. Zur Pause stand es 26:0. Exakt das bisherige Rekordergebnis im Toto-Pokal seit der elektronischen Datenerfassung, das der TSV Ottobrunn erst letzte Woche bei Maccabi München erzielte – allerdings nach 90 Minuten.
Die Wölfe hatten genug, zumal einige von ihnen Richtung Dusche marschierten. Dass es nun für alle Beteiligten sinnlos war, diese Farce fortzusetzen, sah letztlich auch der Rest der FC-Truppe ein: Abbruch. Womit der Weg für die Grafinger Kicker frei war, ein ernsthaftes Training zu beginnen.
TSV Grafing: Kiermeier, Hertlein, Rüger, Kreitmaier, Faßrainer, Esterl, Bauer, Kitzberger, Lu. Oswald, Geissler, Brauchmann – Ja. Oswald, Saißreiner, Hilger, Münch. Torschützen: Quirin Kreitmaier 4, Florian Faßrainer 8, Tim Geissler 1, Matthias Esterl 5, Manuel Bauer 6, Ludwig Oswald 1 (Elfmeter), Maximilian Braukmann 1.