
Es ist eine Nachricht, die die Fußball-Sachsenliga in Erstaunen versetzt und die mühsam aufgebaute Kontinuität beim SSV Markranstädt jäh unterbricht. Wie der Verein bekannt gab, sind Cheftrainer Olaf Brosius (62) und sein Assistent André Bittner (47) mit sofortiger Wirkung von ihren Ämtern zurückgetreten. Dieser Schritt erfolgt unmittelbar nach der 1:2-Heimniederlage gegen den FC Oberlausitz Neugersdorf – der dritten Pleite in Folge –, die den Verein in der Tabelle gefährlich nah an die Abstiegszone rücken ließ.
Die Nachricht kommt vor allem deshalb überraschend, weil der Verein erst am 15. April die langfristige Verlängerung der Verträge mit dem Trainergespann bis zum Sommer 2027 verkündet hatte. Damals betonte man noch die Vorfreude auf die achte gemeinsame Saison und die „entspannten Gespräche per Handschlag“. Dass diese Planung nun innerhalb weniger Wochen hinfällig wurde, verdeutlicht die dramatische Zuspitzung der sportlichen Lage.
In einer offiziellen Mitteilung des Vereins heißt es, das Duo habe sich im Sinne des Clubs zu diesem Schritt entschlossen, um der Mannschaft in den verbleibenden sechs Saisonspielen noch einmal einen „neuen Impuls“ geben zu können. Damit endet eine Ära, die im Sommer 2019 begann, als Brosius und Bittner die Mannschaft in der Landesklasse übernahmen und bereits im ersten Jahr zurück in die Landesliga führten. Besonders für Olaf Brosius, der seit 1973 im Verein verwurzelt ist und über Jahrzehnte als Spieler und Funktionär das Gesicht des SSV prägte, markiert dieser Rückzug eine Zäsur.
Die sportliche Bilanz der letzten Wochen hatte den Druck auf das Trainerteam stetig erhöht. Nach dem Erfolg gegen Tapfer Leipzig folgten Niederlagen gegen Taucha, Reichenbach und Neugersdorf, die den Vorsprung auf die Relegationsplätze auf ein Minimum schrumpfen ließen. Die personelle Notlage, die Brosius zuletzt als „zusammengebasteltes Aufgebot“ beschrieb, scheint nun auch zu einem Punkt geführt zu haben, an dem die sportliche Leitung keinen Ausweg mehr sah, als den Weg für eine personelle Neuausrichtung frei zu machen.
Vorerst übernimmt eine interne Lösung das Zepter am Bad: Torwarttrainer Martin Werner leitete gemeinsam mit Mannschaftskapitän Marcel Nüchtern die erste Trainingseinheit nach dem Rücktritt. Das Präsidium des SSV Markranstädt prüft nun verschiedene Optionen für eine Nachfolge, um in den anstehenden „Schicksalsspielen“ gegen den VfL Pirna-Copitz und Fortuna Chemnitz den Klassenerhalt zu sichern. Der Verein dankte dem scheidenden Duo ausdrücklich für die „erfolgreiche Zeit“ – doch die Sorgenfalten am Bad dürften nach diesem personellen Beben kaum kleiner geworden sein.