
Da ist zum einen der Fußballspieler Christian Pinker, der durch sein Können in den vergangenen Jahren regelmäßig auf sich aufmerksam gemacht hat. "Seine Technik und sein Spielverständnis sind überragend", arbeitet Marco Wetscheck, Trainer des SV Röhrnbach, die auffälligsten Qualitäten seiner Nummer 11 heraus. Der 29-Jährige ist aber weit mehr als „nur“ ein Straßenfußballer alter Schule. "Unser Partyprinz ist überall beliebt", weiß SV-Boss Otto Freund, der Pinker schon von Kindesbeinen an kennt.
Es ist eine Geschichte über einen Charakterkopf, über einen Typen und somit über eine aussterbende Gattung selbst auf Kreisebene. Es ist aber auch eine Geschichte über einen Unvollendeten und gewissermaßen über ein verlorenes Talent. Denn dass da beim SV Röhrnbach einer spielt, der deutlich mehr drin hat als Kreisklasse, wurde schon früh deutlich. Pinker gehört zu einer Goldenen Generation der Marktgemeinde, die ihre Leistungsfähigkeit in der Jugend als Bezirksoberligist eindrucksvoll nachgewiesen – mit dem Eintritt in den Herrenbereich aber irgendwie den Faden verloren hat.
Viele Mitglieder dieser hoffnungsvollen Truppe wie Dominik Altendorfer, Simon Schröger oder Manuel Dietrich mussten verletzungsbedingt früh ihre Karriere beenden, sodass mit Tobias Philipp, Andreas Pangratz und eben Christian Pinker nur wenige Leistungsträger von damals übrig geblieben sind. Diese bilden zwar die Korsettstangen der aktuellen Kreisklassen-Truppe, bleiben aber stets hinter ihren (eigenen) Erwartungen zurück. Das bestätigt auch Pinker selbst: "Kreisklasse ist zu wenig für den SVR. Oft machen wir uns selber zu viel Druck, das ist wohl der Hauptgrund dafür, dass wir nicht höher spielen."
Es sind nachdenkliche Worte des 29-Jährigen, der nach Jahren als Bankkaufmann nun eine Ausbildung zum Polizisten in Angriff genommen hat. Seine sachlich-reflektierte Aussage zeigt, dass die "jungen wilden Jahre" vorbei sind. Der "Partyprinz" ist ruhiger geworden. "Es ist ja kein Geheimnis, dass ich gerne Party machen", gibt der Röhrnbacher ohne Umschweife zu. "Ich weiß inzwischen, dass sich Fußball und Party irgendwie beißt."

Man wird eben erwachsen. Das soll aber nicht heißen, dass die Frohnatur nun kein Bazi mehr ist, der "auf und neben dem Platz alle mitreißt" (Otto Freund). Pinker ist weiterhin der, der den Ton angibt – wenn der Ball im Spiel ist, aber auch was die abendliche Gestaltung betrifft. "Er sorgt schon immer für Stimmung", weiß der SVR-Vereinschef aus jahrelanger Erfahrung. "Er ist aber auch immer für den Verein da – ohne Wenn und Aber. Beispielsweise haben wir ihn noch nie fragen müssen, ob er auch in der jeweils nächsten Saison bleibt. Denn das ist selbstverständlich."
Der angehende Polizeibeamte bestätigt, dass es für ihn nur den SV Röhrnbach gibt. Zahlreiche Angebote hat er deshalb bereits ausgeschlagen. Der Sportplatz neben der B12 ist seine Wohlfühloase, in der er sich es zu bequem gemacht hat? "Ich kann mich quälen", antwortet er auf diese Frage, ehe er schmunzelnd ergänzt: "Aber nur, wenn es sein muss." Er weiß, dass er auch in höheren Ligen bestehen könnte. Er weiß, dass er nicht am Limit spielt. Und er weiß, dass er auch so im SVR-Spiel eine der zentralen Figuren ist. "Ihm kann halt einfach niemand böse sein", sagt Otto Freund dazu und lacht.

Weil auch jeder weiß, dass sich Pinker unterordnet, nicht den Star heraushängen lässt. "Er ist extrem mannschaftsdienlich", berichtet Trainer Marco Wetscheck. So ist sich der 29-Jährige trotz seiner exponierten Stellung nicht zu schade, selbst Wasserträger-Jobs zu übernehmen. Und er ist auch kein "Jammerer", wie er betont. Dass er regelmäßig aufgrund seiner Klasse in Manndeckung genommen wird, liebt er inzwischen sogar. "Da kann ich mich dann richtig reinarbeiten. Und keine Sorge: Ich kann mich wehren."
Christian Pinker ist eben mehr als nur ein guter Fußballer. Er ist auch ein hervorragender Mitspieler, Teamkollege und Freund. Und er ist ein Typ, ein Charakterkopf. Dass er auf einem schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn wandelt, gehört da irgendwie dazu...
