International im Einsatz: Karoline Wacker. F: Patten
International im Einsatz: Karoline Wacker. F: Patten

Karoline Wacker besteht internationale Feuertaufe

Fußball-Schiedsrichterin der Backnanger Gruppe hat zwei Einsätze als Assistentin in der Frauen-Champions-League hinter sich

Beim Schiedsrichter-Neulingskurs war sie 13, ihr erstes Spiel leitete sie mit 14. Damals tanzten Kinder nach ihrer Pfeife, mittlerweile tun dies auch Fußball-Nationalspielerinnen. Mit 24 Jahren ist Karoline Wacker nämlich die jüngste Unparteiische in der Frauen-Bundesliga. Nun hat sie auch ihre ersten Einsätze auf der internationalen Bühne hinter sich.

Wacker reichten also schlappe elf Jahre, um von der blutigen Anfängerin zu einem Profi in ihrem Metier zu werden. Als Spielleiterin in der Frauen-Bundesliga ist sie seit einiger Zeit das weibliche Aushängeschild der Backnanger Schiedsrichtergruppe, nun hat die aus Murrhardt stammende, für die Sportfreunde Großerlach pfeifende und in Marbach wohnende Unparteiische ihre Premiere in der Uefa-Women’s-Champions League hinter sich. Die Feuertaufe im internationalen Fußball erlebte Wacker als zweite Assistentin von FIFA-Schiedsrichterin Marija Kurtes (SG Benrath-Hassels) bei einem Hinspiel im Sechzehntelfinale. PAOK Thessaloniki empfing Örebro, die Schwedinnen gewannen in Griechenland mit 3:0. „Das Niveau des Spiels war ganz okay“, erzählt Wacker, „aber auch nicht höher als in der Bundesliga“. Nun ging es für sie aber nicht darum, eine unterhaltsame Begegnung zu erleben, sondern sich mit einer tadellosen Leistung für weitere Einsätze zu empfehlen. „Ein paar Abseitsentscheidungen waren schwierig“, erinnert sich die 24-Jährige, die vor allem eine „haarige Situation vor dem 3:0“ länger beschäftigte. „Ich habe mir die Szene sicher 20-mal angeschaut und lag richtig“, berichtet Wacker erleichtert. Also kein Abseits. Auch alle anderen heiklen Entscheidungen, mit denen sie nicht direkt etwas zu tun hatte – wie eine Rote Karte für eine Paok-Spielerin wegen Spuckens –, gingen völlig in Ordnung.

Rundumservice

„Es war eine tolle Erfahrung“, sagt die Schwäbin zu dem Trip nach Griechenland, bei dem sie auch feststellen durfte, dass es auf internationaler Bühne noch einmal einen ganz anderen Rundumservice für das Schiedsrichtergespann gibt. Ein Betreuer steht von der Ankunft bis zum Abflug zur Verfügung, um beispielsweise ein Restaurant zu empfehlen und einen Tisch zu reservieren oder eine Fahrt zu bestimmten Sehenswürdigkeiten zu organisieren. Auch der Kontakt zum Beobachter ist intensiver, doch das ganze Drumherum ist zweitrangig. In erster Linie geht es darum, den Job so gut wie möglich zu erledigen, um im Rennen für höhere Aufgaben zu bleiben. Insofern freute sich Wacker riesig, eine Woche nach dem Spiel in Thessaloniki ein weiteres Mal in der Champions League im Einsatz sein zu dürfen. An der Seite von Deutschlands bekanntester Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus fungierte sie beim Rückspiel im Sechzehntelfinale am vergangenen Mittwochabend zwischen Glasgow City und dem FC Chelsea erneut als Assistentin. Sie vertrat kurzfristig eine erkrankte Kollegin, „mein Arbeitgeber hat es ermöglicht“. Von den FIFA-Schiedsrichterinnen könne man so viel lernen, betont Wacker. Zum Beispiel den Umgang mit dem Headset, das in der Frauen-Bundesliga noch nicht zum Einsatz kommt.
Das nächste Ziel könnte demnach sein, selbst zur FIFA-Schiedsrichterin gekürt zu werden. Doch Wacker wiegelt ab: „Ich will keine großen Ziele definieren. Ich nehme mit, was kommt.“ Damit ist sie in den vergangenen elf Jahren ganz gut gefahren.

Aufrufe: 017.10.2015, 09:00 Uhr
Backnanger Kreiszeitung / Steffen GrünAutor

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