
Schon seit einer Weile wurde rund um Türkiyemspor Mönchengladbach das eine oder andere gemunkelt, in einem Punkt gibt es jetzt Gewissheit. Onur Fethi Canbolat, der seit neun Jahren Vorsitzender bei Türkiyemspor ist, wird sein Amt im kommenden Juni niederlegen. Das teilte er der Redaktion von FuPa Niederrhein nun mit. Geht man von dem Punkt aus, an dem er den Verein übernommen hat, so kann man mit Fug und Recht von einer deutlichen Entwicklung sprechen, was den Schritt für ihn nun nicht weniger emotional macht - und für seinen Nachfolger sicherlich auch eine Hypothek ist.
"Als ich im Mai 2017 gemeinsam mit einem siebenköpfigen Vorstandsteam – bestehend aus engen Freunden und Wegbegleitern – die Verantwortung übernahm, war die Ausgangslage klar: Der Verein sollte neu aufgebaut, strukturiert und wieder stärker im regionalen Fußball positioniert werden. Wir wollten mehr als nur Fußball spielen – wir wollten etwas Nachhaltiges aufbauen“, erklärt er rückblickend. "Der sportliche Aufschwung ließ nicht lange auf sich warten. Bereits in der ersten Saison gelang der Aufstieg der Ersten Mannschaft von der Kreisliga B in die Kreisliga A. Ein Jahr später zog die Zweite Mannschaft nach und stieg von der Kreisliga C in die Kreisliga B auf. Auch strukturell wurde früh gedacht: In der Saison 2018/19 wurde eine Dritte Mannschaft ins Leben gerufen, um weiteren Spielern eine Perspektive zu bieten und den Verein breiter aufzustellen. Dieses Projekt entwickelte sich zunächst sehr positiv, musste jedoch im Zuge der Auswirkungen der Corona-Pandemie sowie organisatorischer Veränderungen im Spielbetrieb später wieder eingestellt werden."
Besonders ist ihm auch die Saison 2022/23 nachhaltig in Erinnerung geblieben. "Nach 27 Jahren gelang es uns, wieder in die Bezirksliga aufzusteigen. Das entscheidende Spiel gegen Odenkirchen fand auswärts vor knapp 2.000 Zuschauern statt – eine außergewöhnliche Kulisse für den Amateurfußball und ein historischer Moment für den gesamten Verein. Damit wurde damit ein Ziel erreicht, das über Jahrzehnte unerreicht geblieben war."
Auch in einer schwierigen Phase danach, als es schon einmal hieß, dass dem Verein ein Auseinanderbrechen drohe, blieb Canbolat seiner Linie treu und führte den Verein noch einmal in die Bezirksliga, wo er gerade wieder gegen den Abstieg kämpft. Auch bei der Hallenstadtmeisterschaft ist der Verein seit 2017 ein fester Bestandteil der Endrunde, und auch atmosphärisch eine Bereicherung.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil war das soziale Engagement: Der Verein organisierte Spendenaktionen für krebskranke Kinder, unterstützte Grundschulen, half nach Erdbebenkatastrophen und veranstaltete regelmäßig Benefizspiele und Turniere. Trotz aller positiven Entwicklungen gab es auch Herausforderungen. Fehlende infrastrukturelle Möglichkeiten wie ein Clubhaus oder ausreichende Trainingskapazitäten erschwerten insbesondere den Aufbau einer Jugendabteilung. Dennoch sieht Canbolat hier weiterhin großes Potenzial für die Zukunft.
Emotional ist der Rücktritt für ihn durchaus belastend: "Türkiyemspor ist für mich mehr als nur ein Verein." Besonders gilt das auch im familiären Bereich. Sein Sohn Batu ist praktisch in der Kabine groß geworden, kennt die Spieler, das Umfeld und den Verein in- und auswendig. Im Team wird er liebevoll „Junior Präsi“ genannt – ein Zeichen dafür, wie eng die Verbindung zur Mannschaft ist. Doch die berufliche Belastung lässt es für den Vorsitzenden einfach nicht mehr zu, die Aufgabe in dieser Form weiter auszuführen.
Ganz loslassen wird Canbolat dennoch nicht. Er wird dem Verein weiterhin eng verbunden bleiben – als Unterstützer, Berater und Sponsor. „Ich werde die Tür nicht schließen. Ich werde weiterhin im Hintergrund helfen und alles dafür tun, dass der Verein seinen Weg erfolgreich weitergeht und sportlich die Klasse hält.“ Über die Jahre hinweg gehörte er dabei auch finanziell zu den tragenden Säulen des Vereins und möchte dieses Engagement fortsetzen. Zudem gibt es im Hintergrund auch Gruppen, die Interesse bekundet haben, im Verein mehr Verantwortung übernehmen zu wollen. Auch mit der Mannschaft wird bereits an der Zukunft gearbeitet. "Bei möglichen Nachfolgekandidaten sprchen wir von Personen, die schon seit der Gründung des Vereins hier eine Rolle spielen", betont Canbolat.
Zu möglichen neuen Aufgaben äußert er sich klar: „Ich habe Angebote von anderen Vereinen für Vorstandspositionen erhalten. Das zeigt mir, dass meine Arbeit anerkannt wird, und darauf bin ich stolz.“ Gleichzeitig stellt er klar: „Ich werde diese Angebote aktuell nicht annehmen. Ich möchte mich jetzt bewusst zurücknehmen und neu sortieren. Was die Zukunft bringt, wird sich zeigen.“
Vielen Menschen, die ihm über die Jahre über den Weg gelaufen sind, möchte er auf diesem Weg auch danken. "Neben vielen Mitgliedern, Sponsoren, Trainer, Spielern und Funktionären sind das besonders Thomas Klingen, Dieter Kauertz, René Donné, Tim Stettner und die Verantwortlichen des Sportamtes. Nicht zu vergessen ist aber auch die Familie, seine Frau und die Eltern, Schwager Gökhan Karakoc sowie Thomas Tümmers, dabei wird er besonders emotional: "Ein ganz besonderes Dankeschön gilt meiner Frau. Hinter jedem starken Mann steht eine starke Frau – und genau das hat sich in all den Jahren bei uns bestätigt. Sie hat mich unglaublich unterstützt und sehr viel mitgetragen. Es ist nicht selbstverständlich, dass man seinen Partner so oft entbehren muss – sei es durch Spiele am Wochenende, Trainingseinheiten unter der Woche, Gespräche, Termine oder Turniere. Es gab viele Tage, an denen ich morgens aus dem Haus gegangen bin und erst spät abends zurückkam. Umso dankbarer bin ich, dass sie immer hinter mir stand und mir den Rücken freigehalten hat. Ich möchte mich auch bei meiner Mutter und meinem Vater bedanken. Auch wenn ich selbst nicht als Spieler aktiv war, haben sie den Verein immer unterstützt, waren bei Spielen dabei und haben meinen Weg jederzeit mitgetragen."
Und auch die anderen Vereine in der Stadt vergisst er nicht. "Wir hatten über die Jahre hinweg viele gute und faire Beziehungen. Dafür bin ich sehr dankbar." Und auch dem kommenden Vorstand wünscht er natürlich alles Gute.