2026-02-20T12:29:42.904Z

Querpass

Olympia? Berlin hat schon Probleme mit der Regionalliga

Alle Heimspiele mit Berliner Beteiligung 2026 abgesagt – Trainingsprobleme, keine Winterlösung und eine vertane Chance

von far · Heute, 16:30 Uhr · 0 Leser
– Foto: Alexander Rabe

Fast März, kein einziges Pflichtspiel 2026: Sämtliche angesetzten Heimspiele der Berliner Regionalligisten sind bislang ausgefallen. Fehlende Rasenheizungen, unzureichende Ausweichmöglichkeiten und gravierende Trainingsprobleme verschärfen die Lage. Der Hauptstadtfußball steckt fest – strukturell, organisatorisch und sportlich

Spielbetrieb eingefroren – und das Training gleich mit

Bisher ausgefallene Heimspiele im neuen Jahr sind das sichtbare Symptom. Doch das eigentliche Problem geht tiefer. Viele Berliner Regionalligisten können nicht einmal unter regionalligatauglichen Bedingungen trainieren.

Beheizte Kunstrasenplätze, die einen professionellen Trainingsbetrieb auch bei Frost ermöglichen würden, sind in Berlin praktisch nicht vorhanden. Nur im Umfeld von Hertha BSC existieren Möglichkeiten.

Für viele Vereine bedeutet das eingeschränktes Training, improvisierte Einheiten, Ausweichen auf ungeeignete Plätze – und damit klare Wettbewerbsnachteile gegenüber der Konkurrenz aus anderen Bundesländern. Die über Drittliga-Stadien verfügen

VSG Altglienicke – Ohne Heimat und ohne Winterbasis

Altglienicke trägt seine Heimspiele außerhalb Berlins in der Fürstenwalder-Spree-Arena aus. Eine dauerhafte, wintertaugliche Spielstätte steht dem Verein nicht zur Verfügung.

Doch damit nicht genug: Auch Trainingsbedingungen auf Regionalliga-Niveau lassen sich im Winter kaum gewährleisten. Beheizte Kunstrasenplätze fehlen, während zahlreiche Konkurrenten regulär trainieren können. Sportlicher Anspruch stößt hier auf infrastrukturelle Grenzen

Ohne Eis und Schnee: Altglienicke im letzten Heimspiel gegen Lok Leipzig
Ohne Eis und Schnee: Altglienicke im letzten Heimspiel gegen Lok Leipzig – Foto: Imago Images

BFC Preussen – Aufsteiger mit doppeltem Handicap

Die Lankwitzer erhalten als Aufsteiger eine Ausnahmegenehmigung für ihre Spielstätte, obwohl zentrale Anforderungen wie eine ausgebaute Tribüne und leistungsfähiges Flutlicht nicht vollständig erfüllt sind. Eine Rasenheizung ist ebenfalls nicht vorhanden – sie ist in der Regionalliga allerdings auch nicht vorgeschrieben, sondern erst ab der 3. Liga verbindlich

Hinzu kommen eingeschränkte Trainingsmöglichkeiten. Ohne beheizten Kunstrasen ist bei Dauerfrost kein kontinuierlicher Trainingsbetrieb möglich. Für einen Aufsteiger, der sich sportlich behaupten muss, ist das ein massiver Nachteil.

Auch im Preussen Stadion geht im Winter nichts
Auch im Preussen Stadion geht im Winter nichts – Foto: Frank Arlinghaus

Hertha BSC II – Einziger Standort mit leichten Infrastrukturvorteilen

Hertha BSC II ist der einzige Berliner Regionalligist, der auf Trainingsmöglichkeiten im Profiumfeld zurückgreifen kann.

Doch selbst hier fällt der Spielbetrieb im Amateurstadion aus. Die Trainingsbedingungen sind besser als bei der Konkurrenz aus der eigenen Stadt – aber der reguläre Wettbewerb ruht trotzdem.

BFC Dynamo – Training im Improvisationsmodus

Im Sportforum Hohenschönhausen fehlt nicht nur eine Rasenheizung für den Spielbetrieb, sondern auch eine belastbare, wintertaugliche Trainingsinfrastruktur auf Regionalliga-Niveau. Von einem konkreten Stadionumbau ist derzeit nichts zu hören. Und selbst der häufig genannte Ausweichort, der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark, steht – wenn überhaupt – frühestens 2028 zur Verfügung.

Die Konsequenz: eingeschränkte Trainingssteuerung, reduzierte Intensität und fehlender Wettkampf-Rhythmus. Während Konkurrenten unter regulären Bedingungen arbeiten, wächst der strukturelle Rückstand – Woche für Woche.

Das waren noch Zeiten am 5. Dezember beim letzten Dynamo Heimspiel
Das waren noch Zeiten am 5. Dezember beim letzten Dynamo Heimspiel – Foto: Marcel Scharnow

Hertha 03 Zehlendorf – Spielstätte blockiert, Training erschwert

Hertha 03 kann das Ernst-Reuter-Sportfeld wegen formaler Auflagen nicht nutzen. Das Ausweichen ins Stadion Lichterfelde löst das Winterproblem ebenfalls nicht. Da keine Rasenheizung vorhanden.

Auch im Trainingsbereich fehlen beheizte Kunstrasenoptionen, um dauerhaft unter professionellen Bedingungen zu arbeiten. Die Folge ist ein struktureller Wettbewerbsnachteil. Mitten im Abstiegskampf.

Mommsenstadion – Die vertane Ausweichlösung

Im Charlottenburger Mommsenstadion existiert eine Rasenheizung. Doch sie ist derzeit offenbar nicht funktionsfähig.

Wäre sie einsatzbereit, hätten zahlreiche der abgesagten Heimspiele dort stattfinden können – als zentraler Ausweichplatz für mehrere Berliner Regionalligisten. Eine funktionierende Anlage hätte zumindest den Spielbetrieb sichern können.

Stattdessen bleibt eine theoretische Lösung ungenutzt. Sie steht sinnbildlich für die Berliner Fußball-Infrastruktur.

Das Mommsenstadion hätte viele Probleme lösen können, aber.....
Das Mommsenstadion hätte viele Probleme lösen können, aber..... – Foto: Alexander Rabe

Olympia-Bewerbung Berlin – Anspruch und Wirklichkeit

Während über internationale Großereignisse diskutiert wird, stehen im Berliner Regionalliga-Alltag zehn abgesagte Heimspiele, fehlende Rasenheizungen und erhebliche Trainingsdefizite.

Die fünf Regionalligisten kämpfen nicht nur gegen den Winter – sondern gegen strukturelle Defizite, die zunehmend zum Wettbewerbsnachteil werden.

Berlin verfolgt weiterhin das Konzept Berlin+ für eine mögliche deutsche Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele. Eine Entscheidung über eine nationale Kandidatur soll 2026 fallen.

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