
Die sportliche Zeitrechnung des VfB Fortuna Chemnitz nähert sich in dieser Sachsenliga-Saison unaufhaltsam dem Nullpunkt. Wenn am kommenden Samstag um 14:00 Uhr die Partie beim SSV Markranstädt angepfiffen wird, steht die Fortuna vor einer besonderen Herausforderung – nicht nur tabellarisch, sondern auch personell an der Seitenlinie.
Cheftrainer Rocco Dittrich wird beim Gastspiel im Stadion am Bad fehlen. „Ich bin diese Woche privat verhindert, deshalb hat Florian Butter das Sagen“, erklärte Dittrich die interimistische Übergabe der Verantwortung an seinen Stellvertreter. Die Mission für Butter ist so klar wie schwierig: Er hat die „Aufgabe, den ersten Dreier 2026 einzufahren“. Dass dieses Unterfangen nach der herben 2:6-Heimpleite gegen den SV Tapfer Leipzig und angesichts von nur 13 Punkten auf dem Konto einer Herkulesaufgabe gleicht, ist allen Beteiligten bewusst. Dennoch gibt sich Dittrich trotzig: „Wir spielen Fußball, um zu gewinnen, auch wenn es aktuell schwer fällt.“
Auf der Gegenseite bereitet sich der SSV Markranstädt mit einer Mischung aus Respekt und Revanchegelüsten vor. Trainer Ronny Kujat hat das Hinspiel, das die Chemnitzer überraschend mit 3:1 für sich entscheiden konnten, nicht vergessen. „Wir haben auch noch was gut zu machen. Wir haben in Chemnitz das Hinspiel verloren“, so Kujat vor dem Abschlusstraining. Trotz der tabellarischen Diskrepanz – Markranstädt rangiert mit 27 Punkten auf dem rettenden zehnten Platz, exakt jener Position, die für die Fortuna in unerreichbare Ferne gerückt ist – warnt Kujat vor Überheblichkeit. „In der Landesliga ist kein Spiel einfach. Da kann eigentlich jeder jeden schlagen. Es ist egal, ob die jetzt Vorletzter oder Fünfter sind“, ordnet der SSV-Coach die Leistungsdichte der Liga ein.
Markranstädt geht mit dem Selbstbewusstsein eines 3:1-Erfolgs gegen Pirna-Copitz in die Partie und plant, von Beginn an die Initiative zu übernehmen. Kujat kündigte an, „schön aktiv“ arbeiten zu wollen und nicht abzuwarten. Personell kann er dabei fast aus dem Vollen schöpfen und spricht von der „Qual der Wahl“.
Für Fortuna Chemnitz hingegen ist die Partie eine der letzten Gelegenheiten, das Unvermeidliche zumindest mathematisch noch hinauszuzögern. Der Rückstand auf den kommenden Gegner Markranstädt beträgt 14 Punkte bei nur noch fünf ausstehenden Spielen. Ein Sieg wäre nicht nur der erste Erfolg im Kalenderjahr 2026, sondern auch ein Akt der sportlichen Selbstachtung. Ob Florian Butter den „Effekt des neuen Besens“ nutzen kann, wird maßgeblich davon abhängen, ob die Defensive die Stabilität findet, die sie im Hinspiel auszeichnete, als Tore von Starke, Meier und Fröhlich für einen der wenigen Saisonhöhepunkt sorgten. In Markranstädt wird sich zeigen, ob die Fortuna in der Lage ist, die Worte ihres abwesenden Cheftrainers in Taten umzusetzen.