2024-07-17T10:40:36.325Z

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Kehr’n sie noch zsam? Vize Hans Sitzberger, dessen Firma mit diesem Slogan beim TSV 1860 wirbt.
Kehr’n sie noch zsam? Vize Hans Sitzberger, dessen Firma mit diesem Slogan beim TSV 1860 wirbt. – Foto: IMAGO/Mladen Lackovic

„Öffentliche Diffamierung“: Sitzberger-Streit eskaliert und überschattet Sandhausen-Spiel

1860 kommt nicht zur Ruhe

Das Sportliche gerät beim TSV 1860 München einmal mehr in den Hintergrund. Politischer Ärger überschattet das Sandhausen-Spiel.

München – Sportlich hat der TSV 1860 München im neuen Jahr zwei Gesichter gezeigt. Ein frisches, das ankommt bei den Fans – Resultat war der beschwingte 4:1-Sieg gegen Duisburg zum Trainereinstand von Argirios Giannikis. Drei Tage später wirkte der Patient aus Giesing dann wieder wie frisch aus dem Bett: verschlafen, träge, wacklig auf den Beinen. Das Gesicht beim 1:1 in Lübeck war das aus der Hinrunde, das wenig vorzeigbare. Nicht nur die Fans fragen sich: Und wie präsentiert sich der Tabellen-15. am Sonntag?

Gegner im zweiten Heimspiel der Rückrunde ist der SV Sandhausen (16.30 Uhr). Zweitliga-Absteiger, in der neuen sportlichen Heimat spät in Schwung gekommen, doch nun scheint es zu passen, defensiv wie offensiv. Dem 1:0-Coup in Dresden folgte ein ebenso minimalistischer Heimsieg über Aue. Sind die Löwen schon bereit für so einen Gegner? Am Freitag sagte Giannikis: „Ich bin kein Freund von Quervergleichen. Jeder Gegner der 3. Liga ist schwierig. Wir fühlen uns gut vorbereitet für Sonntag. Es wird spannend zu sehen, wie wir das hinkriegen gegen einen Gegner, der Ambitionen auf den Aufstieg hat – mit entsprechenden Investitionen.“ Gut für ihn: „Alle Mann sind gesund.“ Bis auf Rekonvaleszent Joel Zwarts.

Politischer Ärger beim TSV 1860 München überschattet Sandhausen-Spiel

Überschattet wird die Partie von neuem politischem Ärger. Im Zentrum: Vizepräsident Hans Sitzberger. Der Verwaltungsrat bezichtigt den treuen Fan und Sponsor der Herausgabe „vertraulicher Inhalte“, drängte ihn zum Rücktritt (vergeblich) und entzog ihm offiziell das Vertrauen (wir berichteten). Sitzbergers Reaktion: Erst schwieg er, sammelte sich – nun keilte er zurück, über das Medium Facebook.

Nachdem Sitzberger (70) an seinen Rund-um-die-Uhr-Einsatz für den Verein erinnert hatte, wurde er deutlich. Der Verwaltungsrat habe angeboten, „mich in Ehren gehen zu lassen, wenn ich meinen sofortigen Rücktritt erkläre“. Gleichzeitig sei „mit öffentlicher Diffamierung“ gedroht worden – was wiederum das Kontrollgremium bestreitet. Die Räte nannten in einem neuen Homepage-Post belastende Details und empfahlen die Abwahl des langjährigen Vizes – trotz dessen „Lebensleistung“. Eine außerordentliche Mitgliederversammlung werde in Kürze einberufen.

Wie reagieren die Fans des TSV 1860 München?

Sitzberger stritt derweil alles ab: „Ich habe zu keinem Zeitpunkt Interna (...) an die Öffentlichkeit gegeben, weder an die Presse noch an den Mitgesellschafter, an niemanden.“ Der Vize angriffslustig: Die Anschuldigungen seien „aus der Luft gegriffen“. Er fühle sich als „Bauernopfer“.

Man darf gespannt sein, auf welche Seite sich die Fans am Sonntag mit ihren Plakat-Botschaften stellen. Teile der Ultras folgen bedingungslos dem Verwaltungsrat und Präsident Robert Reisinger. Doch auf Sitzberger, die treue Seele, konnten sich meistens alle einigen. Ein Termin mit dem Bündnis für 1860, lange vorher ausgemacht und für Freitagabend bei Hauptsponsor „Die Bayerische“ angesetzt, sollte einige der Protagonisten an einen Tisch bringen. Ergebnis: offen. Fest steht nur: Das wichtige Sandhausen-Duell ist in den Hintergrund gerückt – die Bühne gehört den Funktionärsgesichtern, wie so oft bei 1860. (Uli Kellner)

Aufrufe: 028.1.2024, 12:38 Uhr
Uli KellnerAutor