
Als der SV Alberweiler vor zwei Jahren den sportlichen Neustart in der Landesliga wagte, war ungewiss, wie schnell der Weg zurück in höhere Sphären führen würde. Heute steht der Aufsteiger in der Frauen-Oberliga Baden-Württemberg auf Rang drei – und Melanie Geiselhart hat an diesem Aufschwung entscheidenden Anteil. Die 27 Jahre alte Mittelfeldspielerin verkörpert, was diesen Verein derzeit auszeichnet: spielerische Qualität, Beständigkeit und eine bemerkenswerte Bodenhaftung. Ihr Weg steht exemplarisch für Alberweilers kraftvolle Rückkehr nach oben. Mit FuPa spricht sie über die laufende Saison und wirft einen Ausblick.
Ein Aufsteiger, der sich nicht versteckt
Der Blick auf die Tabelle liest sich aus Alberweiler Sicht bemerkenswert gut. Hinter Karlsruher SC II (31 Punkte) und FSV Waldebene Stuttgart Ost (27) liegt der Aufsteiger mit 25 Zählern auf Rang drei – vor Mannschaften wie dem SV Hegnach und dem 1. FC Heidenheim. Melanie Geiselhart bewertet diese Zwischenbilanz mit spürbarer Zufriedenheit, aber ohne Übermut. „Als Aufsteiger muss man sich zu Beginn einer Saison erst einmal in der neuen Liga zurechtfinden und an das höhere Niveau gewöhnen“, sagt sie. Gerade deshalb sei der dritte Platz zur Winterpause ein starkes Zeichen. „Dass wir mit dem 3. Platz in die Winterpause gehen, zeigt, dass uns das bisher sehr gut gelungen ist.“ Stolz klingt da mit, aber auch der nüchterne Blick darauf, dass „die Rückrunde noch einmal eine große Herausforderung wird“.
Der Neustart als Fundament des Erfolgs
Dass Alberweiler heute wieder in der Oberliga spielt, ist das Ergebnis einer bemerkenswerten Entwicklung. Bis 2022/23 war der Verein noch in der Regionalliga vertreten, der dritthöchsten Klasse im Frauenfußball. Dann entschied man sich für einen Neuanfang in der Landesliga. Was wie ein Rückschritt wirkte, wurde rasch zur Basis eines neuen Anlaufs. Zwei Aufstiege in zwei Jahren folgten. Melanie Geiselhart hat diesen Durchmarsch mit mehr als 40 Torbeteiligungen in den vergangenen beiden Spielzeiten maßgeblich mitgetragen. Für sie ist das persönliche Zahlenwerk allerdings nicht der Kern der Geschichte. „Natürlich freut es mich, wenn ich mit Toren und Assists einen großen Beitrag leisten kann“, sagt sie, schiebt aber sofort das Entscheidende hinterher: „Am wichtigsten ist für mich aber immer der Erfolg der Mannschaft.“ Gerade in diesem Satz verdichtet sich viel von dem, was Alberweiler derzeit ausmacht.
Variabel, klug, gefährlich
Geiselhart ist keine Spielerin, die sich auf eine Rolle festlegen lässt. „Ich würde mich als sehr variable Spielerin beschreiben, die auf allen offensiven Positionen eingesetzt werden kann“, sagt sie selbst. Ihre Stärken verortet sie in der „Spielübersicht“, in einer „guten Ballkontrolle“ und darin, „auf dem Platz intelligente Entscheidungen zu treffen“. Das ist präzise formuliert und spiegelt ihr Spiel treffend wider. Sie kann selbst Torgefahr entwickeln, aber ebenso jene Bälle spielen, die Situationen erst scharf machen. „Dadurch kann ich sowohl selbst Torgefahr ausstrahlen als auch meine Mitspielerinnen in gute Abschlusspositionen bringen“, sagt sie. Alberweiler profitiert genau von dieser Mischung aus Offensivdrang und Übersicht.
Warum Alberweiler für sie mehr ist als nur ein Verein
Wer so konstant Leistung bringt, könnte leicht den Blick auf die nächste Stufe richten. Doch bei Melanie Geiselhart ist spürbar, wie eng sportlicher Erfolg und persönliches Umfeld für sie zusammengehören. Auf die Frage, was Alberweiler für sie ausmacht, antwortet sie nicht mit Floskeln, sondern mit einem Satz, der fast wie ein Bekenntnis klingt: „In erster Linie der Spaß und die Freude, hier Fußball spielen zu dürfen.“ Sie spricht von einer Mannschaft, die sich seit Jahren kennt, von Mitspielerinnen, die „nicht nur Mitspielerinnen, sondern auch sehr gute Freundinnen geworden“ seien. „Sowohl auf als auch neben dem Platz passt einfach alles zusammen“, sagt sie. Dazu kämen „die große Unterstützung unserer Fans und der starke Zusammenhalt im gesamten Verein“. Es ist diese gewachsene Nähe, die Alberweiler offenbar Widerstandskraft verleiht.
Anerkennung von außen, Klarheit nach innen
Dass eine Spielerin mit dieser Offensivqualität andernorts Interesse weckt, überrascht kaum. Geiselhart bestätigt denn auch, dass es „die ein oder andere Anfrage“ gegeben habe. Sie ordnet das ohne Eitelkeit ein: „Das ist ein schönes Zeichen und zeigt mir, dass meine Leistungen wahrgenommen werden.“ Doch der Nachsatz ist fast noch aufschlussreicher. „Trotzdem fühle ich mich aktuell in Alberweiler sehr wohl und konzentriere mich voll darauf, mit der Mannschaft weiterhin erfolgreich zu sein.“ Das klingt nicht nach Abwehrhaltung, sondern nach einer bewussten Entscheidung. Geiselhart weiß um ihren Wert, aber sie weiß offenbar auch, was sie an diesem Umfeld besitzt.
Mit Ehrgeiz – aber ohne die Bodenhaftung zu verlieren
Auch die Ziele für den weiteren Saisonverlauf formuliert sie so, wie Alberweiler bislang aufgetreten ist: ambitioniert, aber klar im Maß. „Unser Ziel ist es, weiterhin im oberen Drittel mitzuspielen und den Top-Mannschaften der Liga möglichst lange Konkurrenz zu machen“, sagt sie. Zugleich gehe es darum, sich „als Mannschaft weiterzuentwickeln und konstant gute Leistungen“ zu zeigen. Persönlich blickt sie ebenfalls nach vorn, ohne sich in großen Worten zu verlieren. „Mein Ziel ist es, weiterhin im höherklassigen Bereich Fußball zu spielen und mich sportlich und persönlich immer weiterzuentwickeln“, sagt sie. Noch wichtiger aber sei ihr, „verletzungsfrei zu bleiben und Spaß am Fußball zu haben“. Vielleicht ist genau das die treffendste Beschreibung dieser Spielerin: ehrgeizig, wirkungsvoll, aber fest verankert in dem, was wirklich zählt.