F: Andreas Harneit
F: Andreas Harneit

Wer waren die besten Schützen an der ZDF-Torwand?

Drei nach oben und drei nach unten. So lauten die Regeln an der berühmtesten deutschen Torwand, die fester Bestandteil des „Aktuellen Sportstudios“ im ZDF ist.

Eigentlich sind die Regeln simpel: „Nur“ sechs Bälle sind in den Löchern unterzubringen, aber das ist einfacher gesagt als geschossen. Seit dem Start der Torwand (1964) hat noch kein Studiogast sechs Schüsse in sechs Treffer verwandelt. Seit mehr als 50 Jahren warten die Sportstudio-Macher auf den ersten Sechser.

Bevor die ZDF-Torwand populär, bekannt und eingesetzt wurde, gab es ähnliche Torwände außerhalb von Fernsehsendungen. 1960 wurde schon eine Art Torwand bei einer Veranstaltung der Westdeutschen Sportpresse aufgestellt. Initiator der Wand war ein gewisser Heinrich Klein. Später wurde eine Wand mit acht Löchern, die an einem Torgestänge befestigt war, erstmals 1957 im von Rudi Michel moderierten Fußballlehrfilm „Das vernagelte Tor“ gezeigt. Der Prototyp der heutigen Torwand wurde im Übrigen bei einer Trainingseinheit des 1. FC Kaiserslautern zum ersten Mal im Fernsehen gezeigt.

Wenn es Samstagabend ist im ZDF Sportstudio, dann kommt das Torwandschiessen für die prominenten Studiogäste auf den Plan. Das Ball-Spiel erfolgt auf eine Platte mit zwei Löchern, wobei jedes Loch durchschnittlich 55 Zentimetern groß ist. Das eine Loch befindet sich rechts unten und das andere links oben in der Wand. Die ZDF-Torwand ist 1,83 Meter hoch, 2,70 Meter breit und acht Millimeter dick. Die Regeln für das Torwandschießen besagen, dass derjenige, der schießen soll, einen Abstand zur Torwand von sieben Metern einhalten muss. Jeder Spieler hat dabei sechs Versuche, wobei drei Bälle ins obere Loch und drei Bälle ins untere Loch unterzubringen sind.

Ihre Karriere machte die beliebte Torwand aber das „Aktuelle Sportstudio“. Am 18. Mai 1974 hatte Günter Netzer zum ersten Mal in der Sendung fünf Treffer, danach gelang es niemandem bis heute die Torwand mit sechs Treffern zu toppen.

Fünf Treffer
Günter Netzer am 18. Mai 1974
Rudi Völler am 30. April 1995
Rolf Fringer am 16. September 1995
Günter Hermann am 7. Mai 1988
Reinhard Saftig am 12. Oktober 1991
Matthias Becker am 26. März 1994
Frank Pagelsdorf am 21. August 1999
Frank Rost am 11. Dezember 1999
Inka Grings am 12. Oktober 2019

Vier Treffer
Rudi Völler im Oktober 2004
Franz Beckenbauer am 13. Mai 1972
Mike Krüger am 13. Oktober 1984
Andy Möller am 25. März 1989
Fredi Bobic am 10. September 1994
Olaf Thon im September 1997
Christoph Daum am 26. Februar 2000.
Felix Magath am 1. März 2008.
Rene Adler im Oktober 2008
Oliver Bierhoff im September 2009
Jerome Boateng am 20. Januar 2010
Michael Ballack am 21. April 2012
Lewis Hamilton

Keinen Treffer
Pelé
Marco van Basten
Eusebio

Die Hoffnung auf reichlich Treffer lag im Sportstudio auf den Gästen wie Top-Fußball-Weltstars wie Pelé, Marco van Basten oder Eusebio. Doch keiner traf überhaupt ein Loch. Eusebio war sogar so ehrgeizig, dass er seine vergebenen Schüsse nicht auf sich sitzen lassen wollte und es nach der Sendung immer wieder versuchte. Für einen Treffer brauchte er 36 Anläufe. Ein Klassiker ist der genervte Auftritt 1996 im Sportstudio von Mario Basler nach ein paar kritischen Fragen von Günther Jauch zu seiner Leistung in einem Länderspiel. Er reagierte sich– sichtlich genervt – an der Torwand ab und ließ es zwei Mal krachen. Der dritte Versuch prallt heftig von der Torwand ab, zerstört einen Teil der ZDF-Requisite und fragt unbeeindruckt mit einem Schulterzucken „Können wir jetzt weitermachen?“.

Wer hat's erfunden?
Der Erfinder der Wand mit den Löchern war der Bauchingenieur Heinrich Klein aus Dortmund. Sein rechtes Bein wurde im Krieg acht Mal durchgeschossen und er verlor außerdem seinen linken Unterschenkel. Er trug später eine Prothese und wurde 1954 Technischer Direktor der Dortmunder Westfalenhallen. Heinrich Klein richtete Wettbewerbe für Prominente im Rahmen der jährlich stattfindenden Westdeutschen Sportpressefests aus. Zuerst hatte Klein die Idee mit dem Abstand von elf Metern auf einen Torhüter in ein Handballtor schießen zu lassen. Diese Idee konnte nicht umgesetzt werden und wurde daher schnell wieder verworfen. Klein hatte eine neue Idee und sägte links oben und rechts unten zwei Löcher in eine Spanplatte. Dort die Spieler einen Ball hineinschießen. Wim Thoelke und Werner Schneyder waren 1964 ZDF-Sportjournalisten und auch Mitglieder der Westdeutschen Sportpresse, auf dessen Veranstaltung die beiden auf die Torwand aufmerksam wurden. Sie nahmen die Idee mit der Torwand mi zu ihrem Sender, der die Torwand zur festen Institution der Sendung „Aktuelles Sportstudio“ machte.

Aufrufe: 17.12.2019, 12:22 Uhr
FuPa NiederrheinAutor

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