
Rekord-Kulisse beim Bayernliga-Spitzenspiel - 1450 Zuschauer, zwei schwere Verletzungen, zwei lange Unterbrechungen, 164 Minuten Gesamtspielzeit
Landsberg - Es ist so gut wie geschafft! Der TSV Landsberg spielt in der kommenden Saison erstmals in der Vereinsgeschichte in der Regionalliga – zu 99,9 Prozent. Nach dem 1:1 des SV Kirchanschöring am Samstag gegen Geretsried schien zunächst alles klar, der Aufstieg perfekt. In den Sozialen Medien gab’s bereits die ersten Jubel-Posts. Doch dann rechnete Michael Höweler, der neue Kommunikationschef des TSV, noch einmal ganz genau nach und kam zu einem genauso überraschenden wie unwahrscheinlichen Ergebnis: 1860 München kann rein theoretisch noch Dritter in der 3. Liga werden – vorausgesetzt allerdings die Löwen schaffen ein „blaues Wunder“ und gewinnen die restlichen drei Saisonspiele und Cottbus und Duisburg verlieren alle drei Partien. Nur wenn die 1860-Profis dann über die Relegation in die 2. Liga aufsteigen und 1860 II Bayernliga-Meister wird (was auch noch nicht in Stein gemeißelt ist) würden den „kleinen Löwen“ anstelle von Landsberg der Sprung in die Regionalliga gelingen. Ganz schön viel Theorie… „Die Wahrscheinlichkeit liegt bei 0,01 Prozent“, so der stellvertretende Abteilungsleiter Muriz Salemovic. Er ist sicher: „Am Sonntag Nachmittag ist die Messe gelesen“. Und der größte Erfolg der Vereinsgeschichte wäre damit endlich unter Dach und Fach – auch ohne Meistertitel.
Es wäre ein verdienter Aufstieg für eine Truppe mit Herz, „die beste, die wir je in Landsberg gehabt haben“, wie TSV-Legende Salemovic sagte. Der neue Fußball-Boss Werner Seemüller: „Wir haben in den letzten vier Wochen Tag und Nacht gearbeitet“ (das ist die Zeit, in der die neue Vorstandschaft im Amt ist).
Landsberg stellt mit 71 Toren die beste Offensive der Liga, hat nur zwei Spiele verloren (1:2 in Erlbach und 0:2 bei 1860 II) – und die Turbulenzen, die nach dem Rücktritt des Ex-Fußballchefs kurzzeitig entstanden war, bestens weggesteckt. Ein Verdienst einer tollen Truppe, die immer wieder Leidenschaft und Moral bewiesen hat, das Verdienst von Trainer-Newcomer Chris Rech, aber auch von Trainer-Profi Alex Schmidt (jetzt Chemie Leipzig), der im August gehen musste - und von Seemüller und Salemovic, die in kürzester Zeit eine funktionierende Führungscrew zusammengestellt hatten.
Die Jungs vom Lech sind seit 16 Partien (und seit dem 4. Oktober 2025) ohne Niederlage, trotzten auch 1860 II am Freitag ein 1:1 ab - Traumtor von Maxi Berwein zum 1:0, Ausgleich durch Noah Klose, zwei längere Verletzungsunterbrechungen, Gesamt-Spielzeit 164 Minuten im Landsberger 3C-Sportpark. „Heute haben die beiden besten Mannschaften der Liga gegeneinander gespielt“, erkannte auch Alper Kayabunar, der Trainer des Tabellenführers und „Wahrscheinlich-Meisters“ 1860 II, nach einem "verdienten Unentschieden" vor der Rekordkulisse von 1450 Zuschauern (darunter Geschäftsführer Manfred Paula) – sogar die künftige Landsberger Landrätin Daniela Groß (Grüne) drückte die Daumen.
Die Spieler (auch Kilian Pittrich, der mit doppelt gebrochener Nase früh ausgewechselt und in die Klinik musste, genauso wie Löwe Max Jägerbauer mit schwerer Schulterverletzung) trafen sich am Samstag Abend spontan in Landsberg. „Sie haben das Go zum Feiern“, so Salemovic. Denn an ein „blaues Münchner Fußball-Wunder“ glaubt beim TSV Landsberg kein Mensch mehr.