
Die Saison 2025/26 entspricht nicht dem Anspruch des SV Kleestadt.
Nach einer insgesamt ordentlichen Hinrunde befand sich die Mannschaft im Soll. Die Ausgangslage war stabil und das Ziel, frühzeitig nichts mit dem Abstiegskampf zu tun zu haben, schien erreichbar. Umso ernüchternder verlief die Rückrunde – eine Entwicklung, die sich aus Sicht der Verantwortlichen bereits in der Wintervorbereitung angedeutet hatte.
„Wir müssen uns eingestehen, dass wir unsere eigenen Erwartungen nicht erfüllt haben. Die Hinrunde war ordentlich, die Rückrunde dagegen über weite Strecken enttäuschend“, erklärt Colja Wesp, der gemeinsam mit Marec Förster die sportliche Leitung des SV Kleestadt bildet.
Die Gründe dafür sieht die Viktoria nicht ausschließlich auf dem Platz.
„Wir haben im Laufe der Saison den Fokus verloren. Zu oft war am Ende jeder mehr mit sich selbst beschäftigt als mit dem Verein und der gemeinsamen Sache – und davon nehmen wir uns in der sportlichen Leitung ausdrücklich nicht aus“, so Wesp.
Die vergangenen Monate wurden deshalb intensiv aufgearbeitet.
„Wir haben Fehler gemacht – in Entscheidungen, in Abläufen und auch in Teilen der Kaderplanung. Diese Fehler wurden intern offen angesprochen. Die Verantwortung dafür tragen wir“, sagt Wesp.
Die sportliche Leitung habe dabei bewusst auch die eigene Arbeit hinterfragt und die Entwicklungen der vergangenen Monate kritisch analysiert.
Die Ergebnisse dieser Aufarbeitung führten schließlich zu einer sportlichen Neuausrichtung.
Nach intensiven Gesprächen innerhalb der Vereinsgremien fiel die Entscheidung, den eingeschlagenen Weg auf der Trainerposition nicht fortzuführen. Damit endet im Sommer die Zusammenarbeit mit Alexander „Sergej“ Haberkorn, obwohl bereits eine Zusage für die kommende Saison bestanden hatte. Dies wurde ihm am 18.03.2026 mitgeteilt.
„Wir haben Sergej die Entscheidung mitgeteilt, dass wir den Weg sportlich nicht weiter gemeinsam gehen wollen. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine Einigung mit Nils Herdt. Diese erfolgte erst nach der Entscheidung und dem Gespräch mit Sergej“, stellt Wesp klar.
Gleichzeitig betont der Verein, dass die Entscheidung unabhängig von einzelnen Ergebnissen getroffen wurde.
„Es ging nicht um einzelne Niederlagen oder einzelne Wochen. Am Ende stand die Frage im Mittelpunkt, welchen Weg wir als Verein künftig gehen wollen. Diese Entscheidung war das Ergebnis eines langen und ehrlichen Analyseprozesses“, erklärt Wesp.
Mit Nils Herdt präsentierte der SV Kleestadt frühzeitig seinen neuen Spielertrainer. Der 28-Jährige kehrt damit zu seinem Heimatverein zurück.
Nach seinen Anfängen beim SV Kleestadt führte ihn sein Weg über die SG Rosenhöhe in das Nachwuchsleistungszentrum von Eintracht Frankfurt. Im Seniorenbereich sammelte Herdt anschließend Erfahrungen bei Viktoria Aschaffenburg, Erlensee, Rot-Weiß Walldorf, dem SV Hummetroth sowie zuletzt bei der SG Langstadt/Babenhausen. Nun übernimmt er erstmals Verantwortung als Spielertrainer bei seinem Heimatverein.
Unterstützt wird Herdt künftig von Marius Trautmann, der als Co-Trainer zur Viktoria stößt.
„Mit Nils gewinnen wir einen Trainer mit klarer SVK-DNA. Er kennt den Verein, die Menschen und die Werte, für die der SV Kleestadt steht“, sagt Wesp.
Auch Herdt selbst blickt voller Vorfreude auf seine neue Aufgabe:
„Der SV Kleestadt ist mein Heimatverein. Deshalb musste ich nicht lange überlegen, als die Verantwortlichen auf mich zugekommen sind. Die Gespräche waren von Anfang an offen, ehrlich und sehr positiv. Die Verantwortlichen haben mir ein gutes Gefühl gegeben und ich habe schnell gemerkt, dass wir dieselben Vorstellungen davon haben, wie sich der Verein in den kommenden Jahren entwickeln soll.
Mir ist bewusst, dass viel Arbeit vor uns liegt. Die vergangene Saison hat gezeigt, dass wir einige Dinge verändern und neu aufbauen müssen. Genau darauf freue ich mich aber. Mir ist wichtig, dass wir wieder eine Mannschaft werden, die füreinander einsteht, sich mit dem Verein identifiziert und gemeinsam an einem Strang zieht. Wenn uns das gelingt, werden wir auch sportlich wieder erfolgreich sein“, erklärt Herdt.
Der personelle Umbruch ist bereits in vollem Gange.
Aktuell stehen bereits acht Neuzugänge für die kommende Saison fest. Hinzu kommt mit Ryan Hennigs ein Spieler, der aufgrund seiner langen Verletzungspause in der Rückrunde kaum zum Einsatz kam und deshalb nahezu wie ein weiterer Neuzugang betrachtet werden kann.
Mit Nils Herdt (SG Langstadt/Babenhausen), Florian Stöckel (FC Viktoria Schaafheim), Fabian Mahr (SV Münster), Nigel Owen Freund (TSV Harreshausen), Maurice Carneiro (SV Heubach), Carlos Eck (SG Langstadt/Babenhausen) und Ryan Hennigs (JSK Rodgau) konnte die Viktoria bereits wichtige Bausteine für die Zukunft gewinnen. Darüber hinaus sind weitere Verpflichtungen bereits fixiert und werden in den kommenden Wochen vorgestellt.
„Wir haben frühzeitig reagiert und unsere Hausaufgaben gemacht. Uns war wichtig, Spieler zu gewinnen, die sportlich Qualität mitbringen und sich gleichzeitig mit dem Verein identifizieren“, erklärt Wesp.
Gleichzeitig muss die Viktoria mehrere Abgänge verkraften. Besonders schwer wiegt dabei der Verlust von Anil Yegin, dem besten Scorer der vergangenen Saison.
„Natürlich verlieren wir mit Anil einen Spieler, der für uns sportlich enorm wichtig war. Gleichzeitig macht uns sein Weg auch stolz. Er wechselt in die Gruppenliga und zeigt damit, dass sich Spieler beim SV Kleestadt entwickeln und für höhere Aufgaben empfehlen können“, sagt Wesp.
Für die Verantwortlichen ist dies gleichzeitig eine Bestätigung des eingeschlagenen Weges.
Für die kommende Saison formuliert der Verein seine Ziele bewusst realistisch. Sowohl die erste als auch die zweite Mannschaft sollen frühzeitig den Klassenerhalt sichern. Gleichzeitig soll die Grundlage geschaffen werden, die Viktoria langfristig sportlich, strukturell und menschlich weiterzuentwickeln.
„Unser Ziel ist es, dass der SV Kleestadt wieder über Zusammenhalt, Einsatzbereitschaft und Identifikation wahrgenommen wird. Wir wollen, dass jeder, der für die Viktoria aufläuft, Verantwortung übernimmt, den Verein mit Stolz vertritt und versteht, was es bedeutet, dieses Trikot zu tragen. Wenn uns das gelingt, werden die sportlichen Ergebnisse folgen“, betont Wesp abschließend.
Dabei ist den Verantwortlichen bewusst, unter welchen Rahmenbedingungen sich der Verein bewegt.
„Ohne große finanzielle Mittel braucht es in der heutigen Kreisoberliga Überzeugung, Zusammenhalt und manchmal auch ein Stück Fantasie, um dauerhaft konkurrenzfähig zu sein. Genau deshalb müssen wir als Verein enger zusammenrücken und unsere Stärken wieder auf den Platz bringen“, so Wesp.
Nach vielen erfolgreichen Jahren befindet sich die Viktoria in einer Phase des Wandels. Diesen Wandel will der Verein aktiv gestalten und als Chance begreifen.
Der Blick richtet sich deshalb nicht zurück, sondern nach vorne. Mit klaren Entscheidungen, ehrlicher Selbstkritik und der Überzeugung, dass der eingeschlagene Weg den Verein langfristig stärken wird.
Die Viktoria möchte wieder näher an die Werte heranrücken, die den Verein über Jahre ausgezeichnet haben: Zusammenhalt, Identifikation, Leidenschaft und Gemeinschaft. Die kommende Saison wird dabei kein Selbstläufer. Die Verantwortlichen sind jedoch überzeugt, die notwendigen Entscheidungen getroffen zu haben, um den Verein nachhaltig für die Zukunft aufzustellen.
Der erste Schritt auf diesem Weg ist gemacht. Weitere werden folgen. Mit klaren Strukturen, einer gemeinsamen Richtung und der Bereitschaft, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen, soll die Viktoria wieder das verkörpern, wofür sie über viele Jahre gestanden hat.