Vom Streikaufruf der IG Schiedsrichter halten die Verbände wenig.
Vom Streikaufruf der IG Schiedsrichter halten die Verbände wenig. – Foto: Thies Meyer

Verbände halten Schiedsrichter-Streik für kein zielführendes Mittel

In einer gemeinsamen Verlautbarung des DFB und seiner Landesverbände wird der Streik, zu dem die IG Schiedsrichter für kommenden Sonntag aufgerufen hatte, als nicht geeignete Maßnahme abgelehnt.

Am Sonntag hatte die IG Schiedsrichter, eine privat gegründete Gruppierung Unparteiischer, für den kommenden Sonntag zu einem Streik der Fußballschiedsrichter in Deutschland aufgerufen (wir berichteten hier). Nun gibt es zu diesem Aufruf eine Stellungnahme, die die gemeinsame Position des DFB und seiner Landesverbände zu diesem Thema abbildet.

In der Erklärung heißt es: "Mit Bedauern haben der DFB und seine Landesverbände den Aufruf einer Interessengemeinschaft zu einem bundesweiten Schiedsrichter*innen-Streik am 15. Mai zur Kenntnis genommen. Die Verbände vertreten die klare Position, dass es keine zielführende Maßnahme ist, den Amateurfußball für einen Spieltag lahm zu legen. Die Erfahrung zeigt, dass ähnliche Aktionen in der Vergangenheit zu keinen Verbesserungen geführt haben. Im Gegenteil: Sie schaden dem Fußball, speziell dem Amateurfußball. Aktuell haben wir auch keine Hinweise, die darauf hindeuten, dass die Schiedsrichter*innen bundesweit und flächendeckend dem Boykottaufruf des kommenden Spieltags folgen wollen", heißt es dort einleitend.

Kein offizieller Aufruf

Ein besonderer Wert wird in der Erklärung auch darauf gelegt, dass dieser Aufruf weder von einer offiziellen Stelle kommt, noch mit diesen abgesprochen ist. "Zu betonen ist, dass der Streikaufruf von keiner offiziellen Schiedsrichterorganisation kommt. In der Interessengemeinschaft engagieren sich sicher Menschen mit viel Herzblut für die Sache, die nur das Beste für das Schiedsrichterwesen wollen. Allerdings hat die IG kein offizielles Mandat, das sie ermächtigt, im Namen aller Schiedsrichter*innen zu sprechen." Klar betont wird aber, dass dem DFB und seinen Instanzen und Verbänden die Probleme sehr wohl bekannt seien und er davor nicht die Augen verschießt. Die rückläufigen Zahlen bei den aktiven Schiedsrichtern seien ein "alarmierendes Signal". Natürlich sei Gewalt eine Realität auf Fußballplätzen, aber bei mehr als 1,4 Millionen Spielen pro Saison dennoch eine Ausnahme. In 0,25 Prozent der Spiele seien Gewaltaktionen verzeichnet worden, das seien aber natürlich 0,25 Prozent zu viel.

"Der DFB und seine Landesverbände verurteilen jeden einzelnen Gewaltvorfall aufs Schärfste. Jede Gewalttat im Fußball ist beschämend. Vor allem die Schiedsrichter*innen müssen geschützt werden. Sie sind ein elementarer Bestandteil des Spiels, sie tragen den Fußball, genauso wie die Spieler*innen, Trainer*innen und Ehrenamtlichen. Die Schiedsrichter*innen liefern einen zentralen Beitrag für ein gesundes Fußballsystem. Darum ist es am DFB und den Landesverbänden, für Verbesserungen zu sorgen - in Zusammenarbeit mit allen Beteiligten in der Fußballfamilie. Die Betroffenen erhalten bestmögliche Unterstützung. Geschädigte Schiedsrichter*innen sind über die Landessportbünde und Verbände rechtsschutzversichert oder es gibt individuelle Lösungen. Außerdem haben alle 21 Landesverbände des DFB Anlaufstellen für Gewalt- und Diskriminierungsvorfälle eingerichtet. Niemand soll alleine gelassen werden", heißt es dort klar.

Bereits am Montagabend hatte exemplarisch der Kreisschiedrichterausschuss Mönchengladbach-Viersen eine Beteiligung an den Streikmaßnahmen kategorisch ausgeschlossen und das Mittel in seinen Konsequenzen als unkalkulierbar eingestuft.

Aufrufe: 010.5.2022, 16:00 Uhr
Sascha KöppenAutor