Ein Ball auf dem Rasen.
Ein Ball auf dem Rasen. – Foto: Marwin Wolf

Tripp: „Wir müssen die Sportler weiter schützen“

Interview mit Holger Tripp: Das Mitglied der Kommission Spielbetrieb im Fußball-Verband Niederrhein spricht über die alte und neue Saison.

Nach dem Abbruch der beiden Spielzeiten zuvor hat Corona den Amateurfußball in der Saison 2021/22 nicht gestoppt. Die Spielzeit ging überraschend reibungslos über die Bühne. Holger Tripp, Vorsitzender des Fußballausschusses im Kreis Kleve/Geldern, Mitglied der Kommission Spielbetrieb im Verband Niederrhein und Staffelleiter, blickt im Interview mit der Rheinischen Post auf die Spielzeit zurück und schaut voraus auf die bald beginnende neue Saison.

Der Fußball hat die erste komplette Saison in der Corona-Krise absolviert. Hätten Sie gedacht, dass dies so relativ reibungslos klappen würde?
Holger Tripp Wir hatten es gehofft und waren optimistisch, dass wir mit den Regeln, die wir getroffen haben, ganz gut durch die Saison kommen würden. Das hat geklappt. Und das ist sicherlich eine positive Überraschung für uns und die Vereine. Aber man darf bei allem nicht vergessen, dass wegen der Pandemie nicht alle Dinge planbar sind, man flexibel bleiben muss. Wir hatten immerhin noch eine ordentliche dreistellige Zahl von Spielen, die verlegt werden mussten, weil es Corona-Fälle in Mannschaften gab. Bekanntlich konnten Partien ja abgesetzt werden, wenn drei Spieler eines Teams einen positiven Test vorweisen konnten.

Gab es irgendwann einmal eine Situation, wo Sie befürchtet haben, dass die Saison erneut nicht beendet werden kann?
Tripp Nein. Denn wir hatten ja schon früh in vielen Ligen die Gewissheit, dass die Saison 2021/22 gewertet werden kann, weil schon fünfzig Prozent der Spiele ausgetragen worden waren. Nach der Winterpause gab es dann eine Phase mit vielen Spielausfällen wegen Corona. Doch es bestand zu keinem Zeitpunkt die Gefahr, dass wir die Saison erneut unterbrechen oder sogar vorzeitig beenden mussten.

Der Nachbar-Verband Westfalen hat während der Saison die Regel, dass bei drei Corona-Fällen im Team ein Spiel abgesagt werden kann, ausgesetzt. Der Verband Niederrhein nicht. Warum?
Tripp Auch wenn wir uns jetzt darüber freuen, dass die Saison in allen Ligen komplett über die Bühne gebracht werden konnte, dürfen wir nicht vergessen: Corona ist noch nicht vorbei. Es ist weiter Vorsicht geboten, wir müssen die Sportler schützen, so weit es möglich ist. Es existieren derzeit wieder neue Virusvarianten, es gibt viele Großveranstaltungen, bei denen sich viele Besucher infizieren. Und es ist schon von einer Sommerwelle die Rede. Ich bin kein Freund davon, mich wegen Corona zu Hause einzuschließen. Aber wir müssen dem Virus weiter mit dem nötigen Respekt begegnen, zumal es auch jetzt viele Fälle mit heftigem Verlauf gibt.

Corona wird also auch in der neuen Saison ein großes Thema bleiben?
Tripp Das schließe ich nicht aus. Wir stellen uns auf eine weitere Saison ein, die durch die Pandemie eingeschränkt werden kann. Ich glaube, dass jeder gemerkt hat, dass für den Verband die Gesundheit der Spieler, Trainer und Funktionäre an erster Stelle steht.

Glauben Sie, dass es wegen der Pandemie auch noch einmal zu einem Saisonabbruch kommen könnte?
Tripp Wir haben jetzt eine Saison sehr gut durchgespielt. Ob das auch in der kommenden Spielzeit der Fall sein wird, das hängt von vielen Faktoren ab. Ich will es jedenfalls nicht hoffen, dass wir noch einmal eine Saison abbrechen müssen, möchte es aber auch nicht grundsätzlich ausschließen. Wir haben aber aufgrund der Impf- und Genesenquote auch andere Verhältnisse als vor zwei Jahren. Wir müssen bei der Planung weiter mit allem rechnen. Wichtig ist, dass dann Dinge mit den Vereinen besprochen und die richtigen Entscheidungen getroffen werden.

Zum Beispiel?
Tripp Wir haben bei uns im Fußball-Kreis Kleve/Geldern etwa bewusst darauf verzichtet, den Kreispokal-Wettbewerb bis zum Ende auszuspielen. Denn was bringt es, wenn man einen Final-Tag ansetzt und die Spiele dann wegen Corona-Fällen in den Mannschaften kurzfristig abgesetzt werden müssen? Wir müssen da weiter flexibel agieren und Entscheidungen abhängig von der Corona-Lage treffen. Wenn wir irgendwann dann sehen, dass wir ganz problemlos durch die Saison kommen, kann man auch daran denken, den Kreispokalsieger in einem Endspiel zu ermitteln.

Zur neuen Saison: In der Oberliga könnte es erneut einen Modus mit Einfachrunde und folgender Auf- und Abstiegsrunde geben.
Tripp Der Verband wird in den nächsten Tagen mit den Vereinen darüber sprechen, welchen Modus sie favorisieren. In der Oberliga treten in der kommenden Saison 21 Teams an, was ein großes Programm mit 42 Spieltagen bedeuten würde, wenn mit Hin- und Rückrunde gespielt wird. Das würde zur Folge haben, dass die Winterpause nur sehr kurz ist und Nachholspiele wegen des straffen Programms nur unter der Woche stattfinden könnten. Wir werden uns die Argumente der Vereine anhören und dann entscheiden, welcher Modus angewandt wird.

In der Landesliga soll es bei drei Gruppen mit 14 Mannschaften bleiben?
Tripp Das ist so vorgesehen. Ich weiß, dass dies nicht optimal ist, aber das wären zwei große Gruppen mit je 21 Mannschaften auch nicht – siehe Oberliga. Das Ziel ist es aber, dass es bald wieder nur zwei Landesliga-Gruppen gibt. Doch es ist nicht so leicht, dahin zu kommen, weil ja auch nicht unheimlich viele Mannschaften absteigen sollen. Bislang haben wir bis auf zwei Ausnahmen von den Vereinen aus der Landesliga auch nicht gehört, dass sie gegen drei kleinere Gruppen sind.

Wie sieht es in der Bezirksliga aus?
Tripp Da werden wir mit nur noch sieben statt acht Gruppen mit dann jeweils 16 Mannschaften in die Saison gehen.

Aufrufe: 028.6.2022, 14:00 Uhr
RP / Joachim SchwenkAutor