
Fischbachtal. 60 Mann auf dem Papier – davon aber meistens gerade mal 15 im Training. Das ist die Situation bei den Fußballern des 1. FC Niedernhausen-Lichtenberg. Der Vereinsvorsitzende Wolfgang Henkel war schon länger hörbar gefrustet darüber, jetzt werden Konsequenzen gezogen. Die erste Mannschaft, derzeit Tabellenletzter in der Kreisliga A, wird im Sommer abgemeldet und tritt fortan in der C-Liga an. Dort bekommt sie personelle Unterstützung aus der zweiten Mannschaft, die in der D-Liga spielt – fortan gibt es folglich nur noch eine gemeinsame Mannschaft aus dem Fischbachtaler Ortsteil.
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Manche hören im Sommer wegen des Alters auf, manche haben gesundheitliche Probleme, wiederum andere zieht es wegen eines Studiums nach Gießen oder Mannheim. Die Gründe, warum es ab Sommer noch weniger aktive und vor allem auch willige Kicker geben wird, sind vielfältig. Trainer Tamas Toronicza will dennoch bleiben, obwohl er derzeit nach Angaben Henkels genauso gefrustet ist wie er selbst. „Er sieht ab und zu sicher wenig Sinn darin, sonntags am Spielfeldrand zu stehen.“
Dabei hatte es doch so gut ausgesehen am idyllischen Berghang in Niedernhausen. Im Sommer 2024 hatten sie den Aufstieg in die A-Liga gefeiert, viele, auch junge Fußballer meldeten sich beim FCN. „Doch wer schnell da ist, der ist ab und zu auch schnell wieder weg“, sagt Henkel im Rückblick. Denn genauso kam es, „manche hatten dann einfach keinen Bock mehr“.
So richtig kommen sehen hatte es keiner
So richtig kommen sehen hatte das alles keiner. Auch Henkel war guter Dinge, die erste Mannschaft war schließlich weitgehend unverändert. Doch dann kam einiges zusammen, auch Verletzungen spielten eine Rolle beim Niedergang. Peter Braune etwa, zweitbester Torschütze in der B-Liga im Jahr zuvor, erlitt einen Wadenbeinbruch und einen Sehnenabriss im Knie und verbrachte mal drei Wochen im Krankenhaus. Björn Speckhardt musste wegen Problemen an den Augen pausieren – und einiges mehr.
Der eigentlich extrem ehrgeizige Trainer Toronicza nahm all das hin, fast schon stoisch zog er das Programm trotz all dieser Widrigkeiten durch. „Ich hatte den Eindruck, dass er sich mit all dem einfach ein bisschen abgefunden hatte“, sagt Henkel. Der sich bis heute nicht recht erklären kann, was da so alles passiert ist in den vergangenen Monaten. „Die Mannschaft hat in der B-Liga oft elf, zwölf Tore in einem Spiel geschossen. Und jetzt gab es Partien, da haben wir sechs oder sieben bekommen. Wie kann das denn sein?“
Wer keine Lust habe, der tue sich schwer mit dem Toreschießen, vermutet der Vereinsboss. Spaß habe das alles keinem mehr gemacht, doch Versuche, sich mal so richtig auszusprechen, hatten keinen Erfolg. Es habe mal eine Sitzung mit den Aktiven gegeben, wo man genau dies ganz offen ansprechen wollte, sagt Henkel. Doch gesagt habe dabei kaum einer etwas. „Eine halbe Stunde später reden sie sich dann in der Wirtschaft wieder die Mäuler heiß“, moniert er. „Das nutzt dann aber doch nichts mehr.“
Für Wolfgang Henkel soll Ende Juni Schluss sein
Was all das mit dem Verein machen wird? Das kann Henkel noch nicht sagen. Er selbst wird Ende Juni nach dann 36 Jahren nicht mehr als Vereinsvorsitzender kandidieren, was aber „absolut nichts“ mit der sportlichen Situation zu tun habe. „Das hatte ich schon länger vor“, sagt der Macher, der zudem seit 42 Jahren den Fischbachtal-Lauf maßgeblich mit organisiert. Er habe vor einigen Jahren bereits darauf hingewiesen, dass es junge Leute brauche, um etwas zu bewegen. Das Ergebnis dieses Hinweises? Nicht messbar.
Flutlichtanlage hat nur 1.500 Euro gekostet
„Ich habe nicht mehr die Power wie vor 40 Jahren“, sagt er wenig überraschend. „Ich bin nicht mehr so fit, und neue Ideen müssen endlich auch mal her.“ Bis heute ist er so gut wie jeden Tag auf dem Sportgelände, zwei Kunstrasenplätze sind dort unter seiner Regie entstanden, „und zwar ohne Schulden zu machen“. Als Beleg für Kreativität nennt er die Flutlichtanlage, die durch viel Eigenregie, gute Kontakte und handwerkliches Geschick 1.500 statt wie prognostiziert 28.000 Euro gekostet habe.
Bis zuletzt wird er sich um „seinen“ Verein kümmern, natürlich wird er auch nach seiner Zeit als Vorsitzender immer wieder mal den Berg hoch gehen oder fahren, um dem FCN beizustehen. Bisher allerdings hat sich noch keiner gefunden, der auf ihn folgen will. Ob das dazu führen kann, dass er letztlich doch noch mal weitermacht? „Stand jetzt nicht“, antwortet Henkel nach einiger Zeit des Nachdenkens.
Womit eine kleine Hintertür zumindest geöffnet wäre.