
Die SpVgg Kammerberg hat eine gute erste Saisonhälfte gespielt. Nun hat der Verein auf dem Transfermarkt zugeschlagen – und eine große Baustelle geschlossen.
Kammerberg – Ein Schleudersitz ist der Trainerstuhl bei der SpVgg Kammerberg nicht. Der Fußball-Bezirksligist setzt auf Kontinuität. Aber alle paar Jahre steht eben doch ein Wechsel auf der wichtigen Position an. Dann wird es spannend – so, wie vor dieser Saison. Dass der Punkteschnitt unter Coach Victor Medeleanu gegenüber der vergangenen Rückrunde leicht anstieg, dürfen die Kammerberger daher als Erfolg werten.
Der Trainerwechsel im Sommer von Matthias Koston zu Medeleanu hätte das gut laufende System der Spielvereinigung ins Wanken bringen können. Denn nach einer schwachen Rückrunde 2023/24 (nur drei Mannschaften holten weniger Punkte) gab es den größten Umbruch seit Jahren. Koston, der in seinen vier Spielzeiten als SpVgg-Coach viel Herzblut investiert hatte, wechselte zu seinem Heimatverein ASV Dachau. Ihm folgten fünf Spieler. Obwohl alles sauber abgelaufen und das Verhältnis weiter gut ist, hatten die Kammerberger ein Problem: Sie brauchten Spieler – und zwar schnell.
Medeleanu durfte zum Trainingsstart mehrere Neuzugänge begrüßen, die entpuppten sich aber nicht alle als Volltreffer. Ganz im Gegenteil, es gab Reibereien. So verließ Alem Besirevic den Club nach wenigen Spielen aufgrund eines Vorfalls im Training mit Mario Dipalo. Immerhin konnte der Trainer mit einer konsequenten Linie größere Schäden verhindern. Der 49-jährige rumänische Ex-Profi scheint mit seiner Erfahrung der richtige Mann für die Kammerberger zu sein. Er profitiert außerdem davon, dass einige Akteure große Leistungssprünge gemacht haben.
Domenik Kaiser und Lukas Fladung sind in dieser Runde so richtig durchgestartet. Die beiden Offensivleute können auf dem Flügel und zentral spielen. „Lukas ist technisch stark, schnell und hat eine gute Übersicht“, sagt Medeleanu über Fladung, der seit 2019 in Kammerberg kickt, aber hauptsächlich in der Zweiten Mannschaft geglänzt hat. Nun steht er bereits bei vier Saisontoren. Dreimal häufiger eingenetzt hat Kaiser, den Medeleanu gerne als hängende Spitze oder „falschen Neuner“ einsetzt. „Domi hat ein sehr gutes Gespür. Er ist ein feiner Kicker“, so der Coach. Nur ein Spieler toppt die sieben Saisontore Kaisers.
Ob Martin Schön oder Robin Streit: Gute Torjäger haben in Kammerberg seit dem Aufstieg in die Bezirksliga Tradition. Beide spielen schon lange nicht mehr für die SpVgg, doch Mitte der Hinrunde schien ein Nachfolger gefunden zu sein: Neuzugang Mario Dipalo erzielte im August in vier Partien acht Tore, legte später einen weiteren Treffer nach und grüßte zwischenzeitlich von der Spitze der Torjägerliste.
Wenn der beste Torschütze einer Mannschaft nicht einmal die Hälfte der möglichen Spielminuten absolviert, obwohl er einsatzbereit wäre, spricht dies Bände. Dipalo präsentierte sich weder als Trainingsweltmeister noch als einfacher Typ. Er eckte an. „Mario hat Qualität, aber er war nicht so oft für die Mannschaft da“, erklärt Medeleanu. Auch da blieb der Trainer konsequent. Andere spielten. Auch deshalb endete das Kapitel Dipalo bei der Spielvereinigung in der Winterpause.
Die Kammerberger brauchten Spieler. Diejenigen, die den Laden zusammenhalten. Das macht seit Jahren Maximilian Schaar. Das Sonderlob geht in dieser Saison jedoch an Stefan Fängewisch, der zu den besten Torhütern der Liga gehört. Medeleanu lobt seinen Rettungsanker aber nicht deshalb: „Wir hatten in der Hinrunde keinen Ersatztorwart. Ohne Fänge hätten wir keinen Torhüter im Training gehabt. Er war immer da, wenn es ging.“ Als Fängewisch Anfang November in der Ligapartie gegen den ASV Dachau die Rote Karte sah, hatten die Kammerberger ein echtes Problem. Haris Cehic, eigentlich Stürmer, opferte sich. Der 21-Jährige stand sowohl die restliche Spielzeit gegen Dachau als auch im letzten Spiel vor der Winterpause bei Fatih Ingolstadt zwischen den Pfosten.
Damit Cehic wieder stürmen kann und die Kammerberger in der Rückrunde zwei Keeper haben, wurde mit Robin Anselment (SV Olympiadorf München) ein Torhüter verpflichtet. Zudem kamen mit Marko Zec (SC Oberweikertshofen) sowie Luciano Grünwald (zuletzt FC Bosna) zwei landesligaerfahrene Mittelfeldspieler. Dafür haben Josue Kabeya und Can Cetinkaya den Club verlassen. Damit die SpVgg erfolgreich sein kann, braucht sie eine funktionierende Einheit. Die muss Medeleanu formen. Moritz Stalter