2025-12-03T05:51:34.672Z

Spielbericht
Der PSV Neuss III hat für einen ungewöhnlichen Spielabbruch gesorgt.
Der PSV Neuss III hat für einen ungewöhnlichen Spielabbruch gesorgt. – Foto: Michael Zöllner

Neuss: Attackierter Schiedsrichter macht weiter

Aus den drei von Gewaltausbrüchen überschatteten Fußballspielen der Kreisliga C stach das in Hoeningen heraus, weil dort der Schiedsrichter massiv von einem Spieler des PSV Neuss angegangen wurde. Wie es dem Unparteiischen geht.

Das Urteil von Daniela Dohmen zu dem schwarzen Wochenende im heimischen Amateurfußball fiel eindeutig aus. Das Amt der Vorsitzenden des Kreisfußballausschusses hat sie zwar erst seit ein paar Monaten inne, doch davor war sie schon viele Jahre als Staffelleiterin im Fußballkreis Grevenbroich/Neuss unterwegs. So etwas habe es noch nicht gegeben, seit sie dabei sei, meinte sie mit Blick auf gleich drei Partien in der Kreisliga C, zu denen die Polizei mit massivem Aufgebot ausrücken musste.

Die Spiele DJK Hoeningen gegen PSV Neuss III (Gruppe 1) und SVG Neuss-Weissenberg III gegen SG Kaarst II wurden wegen Gewaltausbrüchen vorzeitig abgebrochen, beim Match SG Frimmersdorf/Neurath gegen den SVG Grevenbroich II (Gruppe 1) ging es hinterher zwischen Spielern und einigen Anhängern zur Sache. Besonders hervor stachen die Ereignisse in Hoeningen, weil es dort zu einem massiven Angriff gegen den jungen Schiedsrichter Robin Nilgen (19) kam. Verbale Attacken gehören für Unparteiische schon lange zum Alltag auf den Fußballplätzen der Republik, körperlich Attacken zum Glück noch nicht. „Der letzte Vorfall dieser Art ist sieben Jahre her“, berichtete Daniela Dohmen bereits am Tag nach den drei Gewaltausbrüchen.

Nach dem Angriff ins Krankenhaus

Robin Nilgen hatte direkt nach der abgebrochenen Partie in Hoeningen, in der er von einem PSV-Spieler zunächst angesprungen und dann an den Hinterkopf geschlagen wurde, über massive Kopfschmerzen geklagt und war von einem Krankenwagen ins Krankenhaus gebracht geworden. Die erste Diagnose lautete Schleudertrauma. Am Dienstag erfolgte die Entlassung, am Mittwoch brachte ihn sein Vater Roland Teppler, der sich am Montag bei unserer Redaktion gemeldet hatte, zur Weiterbehandlung beim Hausarzt. „Er klagt immer noch über starke Kopfschmerzen, die Medikamente haben bisher nicht angeschlagen“, sagte Teppler.

Sein Sohn denkt allerdings angesichts des gravierenden Vorfalls nicht daran, den Schiedsrichterjob an den Nagel zu hängen. „Robin hat schon gesagt, dass er weitermacht. Er will sich sein Hobby nicht kaputtmachen lassen. Er hat dort viele Freunde gefunden“, erklärte sein Vater. Gleichwohl macht sich Robin Nilgen Gedanken darüber, ob er rechtlich gegen den Angreifer vorgeht. „Nächste Woche will er sich mit einem Anwalt zusammensetzen, um zu gucken, was man machen kann“, so Teppler. Bis Mittwochvormittag hatten sich weder der gewalttätige PSV-Spieler noch sein Verein bei Nilgen gemeldet, etwa um sich zu entschuldigen oder ihr Bedauern zum Ausdruck zu bringen.

PSV gibt Stellungnahme ab

Das erfolgte dann vonseiten des PSV-Vorstandes am Mittag in Form einer schriftlichen Stellungnahme. Darin heißt es unter anderem, dass sich die Vereinsmitglieder sowie der Vorstand des PSV ausdrücklich von jeglicher Form der Gewalt distanzieren, sei sie verbal oder körperlich. Es wird betont, dass Gewalt weder auf noch außerhalb des Spielfeldes bei uns einen Platz hat. Und weiter: „Wir nehmen den Vorfall sehr ernst, werden ihn gemeinsam mit allen Beteiligten umfassend aufarbeiten und unsere klare Haltung auch durch interne Maßnahmen und Sanktionen konsequent zum Ausdruck bringen. Dem betroffenen Schiedsrichter sprechen wir unser tiefes Bedauern aus und wünschen ihm im Namen des PSV eine schnelle Genesung.“

Große Anteilnahme erfährt der betroffene Schiedsrichter auf von der DJK Hoeningen, auf deren Anlage sich der Vorfall ereignete. „Wir machen uns natürlich Gedanken darüber, wie es dem Jungen ergeht. Wir sind im Austausch und unterstützen ihn, wo es geht. Schließlich sind wir alle auf einer Seite“, sagt DJK-Vorsitzender Christoph Leufgen, der in dieser Hinsicht auch den PSV einbezieht. Denn der Rest der Mannschaft habe sich hinterher friedlich verhalten, auch in der Vergangenheit habe es keine Probleme mit der auf der Bezirkssportanlage Stadtwald beheimateten Truppe gegeben.

Insgesamt betrachtet Leufgen die Entwicklung auf den heimischen Fußballplätzen aber mit Sorge. 2023 waren die Hoeninger im Spiel gegen den VfR Neuss schon mal das Opfer eines körperlichen Angriffs, am Dienstag gab es eine Spruchkammersitzung, bei der ein Kopfstoß gegen einen DJK-Spieler verhandelt wurde. „Es kann doch nicht sein, dass wir jede Woche zur Spruchkammer müssen, obwohl wir nur ein bisschen Fußball spielen wollen“, so Leufgen zugespitzt. Als Zeugen mit dabei sind einige Hoeninger auch, wenn bei der Spruchkammersitzung am Mittwoch, 26. November, in Norf über die Attacke gegen den Schiedsrichter verhandelt wird.

Aufrufe: 014.11.2025, 17:00 Uhr
RP / David BeinekeAutor