
An der Materborner Allee ging am Samstag ein langes Kapitel kommunaler Baupolitik zu Ende. Mit der Schlüsselübergabe ist das Sportzentrum Oberstadt nun offiziell fertiggestellt. Und das, obwohl auf den Rasenplätzen bereits seit Jahren wieder Fußball gespielt wird. Der Grund: Das Multifunktionsgebäude befand sich seit dem ersten Spatenstich im März 2024 noch in Bau. Der Neubau ist nun aber nicht nur vollendet, sondern bereits bezogen worden.
Im Inneren des Gebäudes befinden sich neben Umkleiden auch Räume zum Beisammensein und eine Küche. Besonders die nachhaltige Holzbauweise sticht dabei hervor. Auf dem begrünten Dach befindet sich eine Photovoltaik-Anlage. Geplant und entworfen wurde das Bauwerk vom Planungsbüro Geo3 aus Bedburg-Hau und den Bochumer Architekten Kremer und Partner. Mit dem Sportzentrum sind die beiden Fußballclubs SV Siegfried Materborn und der SSV Reichswalde jetzt unter einem Dach vereint. Während der Siegfried-Drachen in der Kreisliga A um Punkte kämpft, tritt der Verein aus dem Köhlerdorf in der Kreisliga C an.
„Das ist für beide Vereine trotz aller Rivalität ein Schritt in die richtige Richtung“, sagte Gerd Scholten, erster Vorsitzender des SSV Reichswalde. „Nun liegt es an uns, das neue Sportzentrum mit Leben zu füllen“, ergänzte sein Materborner Pendant Stephan Siebers. Nach Überlegungen und Gesprächen im Jahre 2015 wurden im ersten Bauabschnitt die Kunstrasenplätze ausgebaut und ein Parkplatz errichtet. Gerade bei den Parkplätzen war Geduld gefragt. Lange konnten die Stellplätze wegen einer fehlenden Abbiegespur nicht freigegeben werden. Auch die Verkehrsinsel ist ein Produkt aus Geduld und hartem Ringen. Im zweiten Bauabschnitt kamen dann ein Naturrasenspielfeld und ein Trainingshügel hinzu. Die Erhebung wurde schnell „Felix-Magath-Hügel“ getauft. Der erfolgreiche Fußballtrainer ist wegen seiner harten Trainingsmethoden bekannt und hat daher den Spitznamen Quälix bekommen.
Das neue Multifunktionsgebäude war der letzte Bauabschnitt des Sportzentrums und ist zugleich das dritte Platzhaus an der ehemaligen Siegfried-Kampfbahn. Kleves Bürgermeister Markus Dahmen zeigte sich bei der Schlüsselübergabe zufrieden mit der Fertigstellung. Er übergebe den Vereinen „einen Ort voller Möglichkeiten“, sagte Dahmen. Das neue Sportzentrum sei ein „Herzstück“ für die Oberstadt und den Sport in Kleve. Er wies außerdem mit Anerkennung und Dank auf die Rolle seines anwesenden Vorgängers Wolfgang Gebing während des Bauprozesses hin.
Der Kreis Klever Bundestagsabgeordnete Stefan Rouenhoff hob im Gespräch die Fördergelder aus dem Bundesprogramm zur Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur hervor. „Es ist eine große Freude, dass man sieht, wohin die Mittel geflossen sind“, sagte Rouenhoff. 2,6 Millionen Euro seien aus dem Programm investiert worden, was einem Anteil von 40 Prozent an den Gesamtkosten entspricht. „Hier ist Ehrenamt Realität geworden. Denn Geld ist die eine Seite, das ehrenamtliche Engagement ist die andere“, so der Parlamentarische Staatssekretär.
Dem Landtagsabgeordneten Volkhard Wille gefiel bei der Architektur des Neubaus die Verarbeitung von Holz, wie er im Gespräch erklärte. „Hier dient die öffentliche Hand als Vorbild“, sagte der Grünen-Politiker. Dass das Multifunktionsgebäude nun genutzt werden kann und die Baumaßnahmen am Sportzentrum abgeschlossen sind, freue ihn. „Es ist ein Leuchtturm der Sporteinrichtungen innerhalb der Stadt und des Kreises“, sagte Wille. Nach einer kirchlichen Einsegnung bot sich die Möglichkeit, das neue Gebäude und die Anlage selbst in Augenschein zu nehmen. Der Wunsch nach Erneuerung der lokalen Sportanlagen und die Bereitschaft zur Investition sind gemeinsam umgesetzt worden. Ein neues Kapitel wird derweil bereits aufgeschlagen – die Fertigstellung der Tribüne am Bresserberg steht noch aus.