2026-01-20T07:14:11.657Z

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Zu seiner Wahl als neuem Obmann der BFV-Schiedsrichtergruppe Chiem gratulierten (vorne) Ronny Schmidt dessen Vorgänger und neuer Stellvertreter (hi. v.li.) Sepp Kurzmeier, Sebastian Busch (Lehrwart) und Christian Böckl (Beisitzer).
Zu seiner Wahl als neuem Obmann der BFV-Schiedsrichtergruppe Chiem gratulierten (vorne) Ronny Schmidt dessen Vorgänger und neuer Stellvertreter (hi. v.li.) Sepp Kurzmeier, Sebastian Busch (Lehrwart) und Christian Böckl (Beisitzer). – Foto: Privat/bfv

Neuer Chiem-Schiedsrichter-Obmann Schmidt: „Der Ton erfordert ein dickes Fell“

Fokus auf junge Talente

Als neuer Obmann der SRG Chiem setzt Schmidt auf Digitalisierung und ein Patensystem zum besseren Schutz junger Schiedsrichter.

Ronny Schmidt folgt auf eine Legende. Auf der jüngsten Versammlung wurde der 38-Jährige zum Nachfolger von Sepp Kurzmeier als Obmann der BFV-Schiedsrichtergruppe Chiem gewählt.

Kurzmeier, der nach 15 Jahren an vorderster Front Schmidt künftig als Stellvertreter unterstützen wird, lobt seinen Nachfolger in höchsten Tönen: „Mit Ronny Schmidt vom TSV Emmering stellte sich ein deutlich jüngerer Kamerad zur Wahl als künftiger Obmann unserer Schiedsrichtergruppe. Dieser Rollentausch ist folgerichtig und vor allem zukunftsorientiert. Er ist ein junger, dynamischer, aber zugleich erfahrener und sehr engagierter Schiedsrichter, der die Leitung unserer Gruppe übernimmt“.

Im Interview mit der Ebersberger Zeitung spricht Schmidt über seine neuen Aufgaben, seine Ziele und die Entwicklung des Schiedsrichterwesens auf unseren Fußballplätzen.

Sie sind einstimmig zum Obmann der Schiedsrichtergruppe Chiem gewählt worden. Welche Aufgaben haben Sie künftig genau?
Ronny Schmidt: Nachdem ich ein sehr motiviertes und gut besetztes Arbeitsteam habe, kann ich mich auf die Führung und Vertretung der Gruppe nach außen, den regelmäßigen Kontakt zu den Vereinen und Netzwerkarbeit zum BFV konzentrieren. Allein das bindet erfahrungsgemäß viel Zeit, ist aber sehr wichtig.
Wie wird man auf so ein Amt vorbereitet?
Ich konnte in den vergangenen acht Jahren als Stellvertreter von Sepp Kurzmeier viel lernen und Erfahrung sammeln. Wir haben häufig täglich, teils sogar mehrfach, telefoniert und viele Dinge besprochen, sodass ich meiner Meinung nach gut vorbereitet bin.
Sind Sie weiterhin aktiv auf dem Platz oder jetzt überwiegend administrativ tätig?
Da werde ich mich tatsächlich etwas bremsen und mit einem weinenden Auge weniger auf dem Platz stehen müssen. Ja, die administrative Ebene erfordert einiges an Zeit. Zumal ich auch noch Schiedsrichtercoach in der Landesliga bin und natürlich meine Frau mit unserer kleinen Tochter nicht zu kurz kommen darf. Aber wie schon erwähnt, ich habe da ein sehr gutes Team im Rücken.
Was sind Ihre Ziele in Ihrer neuen Rolle?
Grundsätzlich möchte ich unsere Schiedsrichtergruppe in einem ruhigen Fahrwasser gut weiterführen. Aber natürlich auch frischen Wind reinbringen, zum Beispiel bei der Umgestaltung unserer Pflichtlehrabende, einer schnelleren und zielgerichteteren Förderung von Talenten und dem Implementieren von mehr Digitalisierung. Aber zur Wahrheit gehört auch, dass wir in den letzten Jahren einige Spitzenschiedsrichter aus Regional-, Bayern- und Landesliga aufgrund von Abstieg, erreichter Altersgrenze und frühem Karriereende verloren haben, da haben wir Nachholbedarf.
Besonders in den untersten Klassen besteht ein eklatanter Schiedsrichtermangel. Wie sehen Sie die Zukunft des Schiedsrichterwesens?
Sowohl in der SRG Chiem, als auch im Kreis Inn/Salzach konnten wir in den letzten Jahren die Zahl der Schiedsrichter steigern. Im Vergleich zum Jahr 2021 haben wir uns in unserer Gruppe um gut 20 Prozent gesteigert, das ist eine gute Basis für die Zukunft. Aber die andere Seite der Medaille ist, dass der Ton und die Umgangsformen ein dickes Fell erfordern, die Pfeife nicht sofort wieder an den Nagel zu hängen. Zudem werden auch wir in den kommenden Jahren vom demografischen Wandel nicht verschont bleiben.
Sind die Auswirkungen der erhöhten Aufwandspauschale schon bemerkbar?
Ja, das sind sie definitiv. Da es zum 01. Juli 2024 mit der damaligen neuen Spesenordnung teilweise Erhöhungen um mehr als 100 Prozent gab, war das sicher für den ein oder anderen ein Anreiz den Schirischein zu machen oder nicht aufzuhören. Aber Geld ist, wie so häufig, nicht alles, und somit ist ein gutes Miteinander auf und neben dem Platz nicht weniger Wert, als die Entlohnung.
Bei jungen Fußballern erkennt man oft das Talent sehr schnell. Was muss ein junger Schiedsrichter mitbringen?
Ein gewisser Fußballverstand sollte schon vorhanden sein, mindestens aber das Interesse am Fußball und natürlich an den Regeln und deren Umsetzung. Ich denke Durchhaltevermögen, auch wenn es mal nicht so läuft, ist sehr wichtig. Denn bis zur Kreisliga ist man Einzelkämpfer auf dem Platz, somit muss man sich durchsetzen können. Wenn es weitergehen soll, dann ab der Kreisliga Verfügbarkeit und einen Fokus für das Schiedsrichteramt, denn der Zeitaufwand für Reise und Spiel wird mit jeder Liga größer. Unabhängig von der Liga aber auch ein dickes Fell, denn leider gehören teils derbe Sprüche dem Schiedsrichter gegenüber zur Tagesordnung.
Ende Oktober machte in Erding ein Fall negative Schlagzeilen, als ein bei einem D-Jugendspiel ein Spieler dem 12-jährigen Schiedsrichter mit dem Tode gedroht hat. Wie blicken Sie auf so eine Verrohung und wie kann der Schiedsrichter in Zukunft noch besser geschützt werden?
Eigentlich macht mich dieser Fall aus unserer Nachbargruppe nur sprach- und fassungslos. Gerade auch deswegen setzen wir in unserer Gruppe auf das sogenannte Patensystem, bei dem wir vor allem die sehr jungen Schiedsrichter zu den Spielen begleiten. Hier soll dann auch der Pate (präventiv) einschreiten, seither haben wir nur positive Erfahrungen damit gemacht und auch die Vereine geben uns gute Rückmeldungen.
Wie werden neue Schiedsrichter gefunden und motiviert?
Der nächste Neulingskurs findet in Präsenz vom 27. Februar bis 1. März 2026 im kompakten Format statt, bei dem man an einem Wochenende den Schiedsrichter-Schein erwerben kann. Bei Interesse kann man mir jederzeit gerne per E-Mail (ronny.schmidt@outlook.com) schreiben. In letzter Zeit konnten wir mit Aufrufen an die Vereine und via Social-Media immer viele Neulinge finden. Motivieren können wir über unsere eigenen Veranstaltungen neben dem Platz, zum Beispiel dem Schiedsrichter-Ausflug, unserem Sommerfest, dem Herbstfest- oder Eishockeybesuch in Rosenheim, und den freien Eintritt zu allen Fußballspielen inklusive Bundesliga. Aber natürlich auch mit der Perspektive, sich selbst mal in die Bundesliga hocharbeiten zu können.

Aufrufe: 019.11.2025, 09:51 Uhr
Johannes HainAutor