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Vereinstreue

Vom Spaßkicker zur Schaltzentrale: Lukas Zepter vom 1. FC Willy Wacker

Serie: Der Kreisliga-Alltag wird beim Hechtsheimer C-Klassisten zur Bühne – Zepter erfindet mit Herzblut und unbändiger Kreativität seine Liebe neu +++ Flutlicht aus, Last Christmas und Gänsehaut pur +++ Zuschauerrekord als Ziel

von Max Schäfer · 10.07.2025, 06:00 Uhr · 0 Leser
Lukas Zepter ist das Rückgrat eines ganz besonderen Fußballvereins in Hechtsheim, bei dem er sein Organisationstalent unter anderem in Form von Aktionstagen und einer spektakulären Choreografie bereits mehrfach unter Beweis gestellt hat.
Lukas Zepter ist das Rückgrat eines ganz besonderen Fußballvereins in Hechtsheim, bei dem er sein Organisationstalent unter anderem in Form von Aktionstagen und einer spektakulären Choreografie bereits mehrfach unter Beweis gestellt hat. – Foto: kazy-stock.adobe / L.Zepter

Mainz-Hechtsheim. Ehrenamt lebt von Herzblut, Idealismus und dem Wunsch, etwas zu bewegen. Kaum jemand verkörpert diese Prinzipien so leidenschaftlich wie Lukas Zepter, 29 Jahre jung, Trainer der ersten Mannschaft – und seit April 2025 Präsident des 1. FC Willy Wacker Hechtsheim. Was er seit seiner Rückkehr ins Vereinsleben 2022 auf die Beine gestellt hat, lässt sich mit einem Wort beschreiben: außergewöhnlich.

„Lukas Zepter brennt seit seiner Rückkehr für diesen Verein wie kein Zweiter. Willy Wacker hat seither einen unglaublichen Aufschwung bekommen – und das ist vor allem auf Lukas (Zepter, d. Red.) zurückzuführen“, sagt Maik Mokwinski, Spieler der ersten Mannschaft und Schriftführer im Vorstand.

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Dabei war Zepters Weg alles andere als geradlinig. 2013 kam er „über einen Kumpel“ erstmals zu Willy Wacker, nachdem er die Lust am Fußball verloren hatte. Statt Leistungsdruck als A-Jugendlicher suchte er Spaß – und fand ihn in der dritten Mannschaft, mit der er in seiner Premierensaison direkt den Kult-Wettbewerb „Die Mutter aller Niederlagen“ gewann. Begleitet von Radio-Interviews auf "Antenne Mainz" wurde aus Jux eine Gaudi – und Zepters Liebe zum Fußball kehrte zurück. Auch weil sich die Mannschaft geschlossen bei der Frage ihres damaligen Trainers Herbert Cambeis: „Wollt ihr gewinnen oder Spaß haben?“, nicht für den sportlichen Fokus entschieden hatte.

Zepter blieb bis 2017 bei Willy Wacker, dann ging er zur Bundeswehr und wurde im Schwarzwald stationiert. 2019 kehrte er für ein kurzes Intermezzo auf den Fußballplatz nach Hechtsheim zurück – und riss sich bei seinem Comeback-Einsatz nach Einwechslung kurz vor Spielende so gut wie alles im Knie. Fußballerisch war das ein herber Rückschlag, doch es öffnete eine neue Tür: die Trainerbank.

Vom Co-Trainer zum Macher

Zepter wurde in selbem Jahr Co-Trainer der zweiten Mannschaft, hatte danach während der Corona-Pandemie eine kurze Zwischenstation in seiner pfälzischen Heimat, bei der TSG Zellertal, wo er „sensationell aufgenommen wurde“. Auch wenn er die Gemeinschaft in Zellertal als „unfassbar gut und mit hohem Wohlfühlfaktor" beschreibt, habe er den Mainzer Stadtteil-Verein vermisst. „Willy Wacker hat mir gefehlt – dieses ganz, ganz krasse Miteinander. Es ist schwer zu beschreiben, aber wer es erlebt, weiß, was ich meine", erklärt Zepter stolz.

2022 übernahm Zepter dann die sportlich darbende erste Herrenmannschaft, die zuvor für gewöhnlich Übungseinheiten mit vier bis maximal sechs Mann absolvierte, als Haupttrainer – mit drastischen Mitteln. Statt Starallüren setzte er auf Trainingsbeteiligung, Struktur und Emotion. Die Anzahl der Trainingsteilnehmer schnellte hoch, das Gemeinschaftsgefühl explodierte. „Ich könnte Seiten füllen mit den Aktionen, die er innerhalb kürzester Zeit auf die Beine gestellt hat“, sagt Mokwinski über Zepters besonderes Engagement.

Ihr habt auch eine gute Seele im Verein, die wir unbedingt mal vorstellen sollten? Schreibt eine Mail an fupa@vrm.de !

Heute hat Willy Wacker insgesamt 86 aktive Spieler in den ersten beiden Aktiventeams, daran hat Zepter seinen großen Anteil. Doch seine Aufgabenliste geht weit über die Spielerakquise hinaus: Organisation von Aktionstagen, Weihnachtsfeiern, Erste-Hilfe-Kursen und Mannschaftsausflügen. „Es ist keine One-Man-Show bei Willy Wacker von mir!", betont Zepter. „Ich mache viel, aber ohne meine Frau, die mich in jeder Hinsicht unterstützt und unser motiviertes Team im Hintergrund wäre das alles nicht möglich."

Einer, der Teil dieses Teams im Hintergrund ist und die Gemeinschaft täglich lebt, ist Christoph Licht, der sportliche Leiter von Willy Wacker. Licht wird von Zepter sowie von allen anderem Vereinsverbündeten herzlich „Onkel Christoph“ genannt. „Er würde sein letztes Hemd für jeden einzelnen im Verein geben, ist sich für nichts zu schade, macht Verbandsarbeit, fährt zu Sitzungen, und, und, und... – einfach ein pures Goldstück für uns alle. Er ist die, im positiven Sinne, bekloppteste und treueste Figur, die wir hier haben", sagt Zepter über Vorstandskollege Licht.

Ein Derby für die Ewigkeit und die Geschichtsbücher

Der absolute Höhepunkt in all den Jahren bei Willy Wacker war für Zepter bisher „ganz eindeutig das Derby der ersten Mannschaft gegen die TSG Hechtsheim II im Oktober 2024." Hierfür bastelte der Projektmanager eines Telekommunikationsunternehmens gemeinsam mit Spielern der zweiten Mannschaft, dem Damen-Team und Ultras des Vereins knapp 200 Stunden lang an seinem bislang größtem Projekt - einer riesigen Choreografie, bestehend aus Planen, Bannern und einigen Papier-Wurfgeschossen. „Wir haben die Planen über anderthalb Wochen jede Nacht geklebt, um den Rahmen eines unvergesslichen Fußballabends zu zaubern", offenbart Zepter.

An jenem Spieltag verwandelten 240 Zuschauer die Anlage in ein Fußballfest. „Der Stromausfall und das Singen von Weihnachtsliedern in einer perfekten Situationskomik waren dann die Kirsche auf der Sahne", erzählt Zepter lachend. Zum Hintergrund: „In der 91. Minute – beim Stand von 0:0 – ging das Flutlicht automatisch wegen der Zeitschaltuhr aus. Der ballführende Spieler dachte im Moment der Dunkelheit, er sei bewusstlos geworden. Die Fans starteten Last Christmas-Gesänge mit Taschenlampen Ende Oktober, das Licht ging trotz vieler Versuche dann auch nicht mehr an. Wir haben auf die restlichen drei Minuten Nachspielzeit verzichtet und uns auf ein Unentschieden geeinigt.“

Die zahlreichen Arbeitsstunden von Schöpfer Lukas Zepter haben sich gelohnt - ein großes Stück Kreisligaromantik ist geschaffen: die tolle Choreografie von Willy Wacker im Oktober 2024 beim Derby gegen die TSG Hechtsheim II.
Die zahlreichen Arbeitsstunden von Schöpfer Lukas Zepter haben sich gelohnt - ein großes Stück Kreisligaromantik ist geschaffen: die tolle Choreografie von Willy Wacker im Oktober 2024 beim Derby gegen die TSG Hechtsheim II. – Foto: z.V.g. von Lukas Zepter

„Die Begeisterung in den Blicken der Spieler, als sie den Platz betreten haben, werde ich niemals vergessen und ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke", erinnert sich Zepter gerne an das Hechtsheimer Derby zurück.

Fußball geht für Zepter unter die Haut

Doch Zepter denkt größer. Seit 2022 betreut er auch den Instagram-Account des Vereins. Mit selbstironischem Kreisliga-Content, Spieleraktionen und Storytelling hat sich Willy Wacker zum Social-Media-Magneten entwickelt. Rund 25 bis 30 neue Spieler kamen vergangene Saison durch den Kanal zum Verein. Darüber hinaus hat Willy Wacker viele Fan-Nachrichten aus der ganzen Welt bekommen, beispielsweise aus Brasilien oder Paraguay. Das erste Reel? Die Übergabe einer echten roten Laterne an den Gegner TSV Uelversheim II – das war der Sprung auf den vorletzten Tabellenrang und zugleich als Trainer der ersten Mannschaft Zepters erster Sieg, den er sich mit Datum und Ergebnis (4:0) auf dem Unterarm als Tattoo hat verewigen lassen.

Zepter rief außerdem den Vereinspodcast „Inside WWH“ ins Leben. Ziel: Einblicke geben, Menschen für das Ehrenamt im Amateurfußball begeistern. Die Idee kam ihm nachts im Bett – wie so viele.

Jüngster Vorstand der Region

Willy Wacker ist heute nicht nur sportlich gewachsen, sondern auch strukturell. „Wir haben den jüngsten Vorstand im Kreis Mainz-Bingen, vielleicht sogar darüber hinaus", meint Zepter. Mit 13 Vorstandsmitgliedern – fast alle zwischen Mitte 20 und Anfang 30 – ist Willy Wacker ein Leuchtturm für moderne Vereinsführung. „Ich kam damals als 25-Jähriger mit Ideen – und der Verein hat sie umgesetzt. Die führenden Personen waren schon zu dieser Zeit Ermöglicher, so etwas gibt es bei kaum einem anderen Verein", ist sich Zepter sicher.

Zepter ist heute selbst Vereinspräsident, jedoch weitaus mehr als dieser. Er ist Herz, Hirn und Humor des 1. FC Willy Wacker Hechtsheim. Ein Gestalter, ein Kümmerer, ein Möglichmacher. In einer Zeit, in der Ehrenamt oft als Last wahrgenommen wird, lebt er es als Leidenschaft – und zeigt, wie Kreisliga weit mehr sein kann als nur ein bisschen Fußball.

Abschließende Fragerunde:

1. Mich motiviert es, im Verein ehrenamtlich tätig zu sein, weil …

„es viel mehr ehrenamtliche Helfer benötigt. Von klein auf liebe ich das Vereinsleben, das Miteinander und kam in den Genuss bei tollen Vereinen eine super Zeit zu verbringen. Jetzt bin ich erwachsen und sehe es als meine Pflicht, dafür zu sorgen, dass künftige Generationen eine mindestens genauso schöne Zeit genießen dürfen.“

⁠2. Diese Schlagzeile würde ich gerne über meinen Verein lesen: ...

„Willy Wacker stellt den C-Klassen-Zuschauerrekord von 12.481 ein (Lok Leipzig hat den Rekord, in der BRITA-Arena in Wiesbaden wäre das möglich, denn dort passen 12.500 Leute rein).“

3. Das schätze ich an meinem Verein: ...

„Der sportliche Erfolg war bei uns schon immer zweitrangig und wird es auch immer bleiben. Das Vereinsleben, das Wir-Gefühl und die Erlebnisse auf/abseits des Platzes mit dem Team stehen immer an erster Stelle. Bei uns treffen sich Freunde fürs Leben und das wird auch immer so bleiben. Natürlich ist auch sportlicher Ehrgeiz schön, so wie bei unserer ersten Mannschaft in der abgelaufenen Saison. Aber ich wäre lieber ein Leben lang Tabellenletzter mit meinen Jungs, als Meister mit einem Team, das sich auf dem Platz anmeckert und abseits davon kein Bier zusammen trinken möchte.“

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Zur Serie: Es gibt in nahezu jedem Fußballverein mindestens eine davon: Die Rede ist von einer engagierten Person, die größtenteils im Hintergrund agiert, sich akribisch einbringt und den Verein am Laufen hält. Ohne die vieles bei dem heimischen Sportverein nicht so funktionieren würde, wie es der Fall ist. In unserer Serie „Die gute Seele im Verein" rücken wir diese oft unsichtbaren Ehrenamtlichen ins Rampenlicht und würdigen ihren unverzichtbaren Einsatz.

Ihr habt einen Vorschlag für eine "gute Seele" aus eurem Verein, die wir unbedingt mal vorstellen sollten? Dann schreibt uns kurz eine Mail mit ein paar kurzen Informationen zur Person und idealerweise den Kontaktdaten.

  • Dein Kontakt (per E-Mail) zur FuPa-Redaktion: fupa@vrm.de

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Übersicht aller bisher veröffentlichten Berichte der Serie „Die gute Seele im Verein":