2026-03-13T07:45:35.464Z

Im Nachfassen

Neue Fußstapfen im Städtischen Stadion

Als der Ball am 8. März in der dritten Minute der Nachspielzeit über die Torlinie rollte, war es für Nino-Noel Bernschneider ein ganz besonderer Moment in seiner noch jungen Fußballer-Laufbahn.

von André Hofmann · Gestern, 22:00 Uhr · 0 Leser
Wie der Vater so der Sohn oder doch nicht? Zumindest im "Lieblingsfuß" unterscheiden sich Thomas (links) und Nino Noel Bernschneider (rechts).
Wie der Vater so der Sohn oder doch nicht? Zumindest im "Lieblingsfuß" unterscheiden sich Thomas (links) und Nino Noel Bernschneider (rechts). – Foto: © privat

Der 19-jährige Mittelfeldspieler des 1. FC Sonneberg gab in Ifta sein Startelf-Debüt in der Landesklasse. Es war sein drittes Spiel nach der Winterrückkehr vom FC Coburg – und ein ganz besonderes. Beim 3:0-Auswärtssieg krönte Nino diese persönliche Premiere gleich mit einem Tor. Ein Moment, der nicht nur für ihn selbst Bedeutung hatte, sondern auch für einen Mann am Spielfeldrand. Sein Vater: Thomas Bernschneider.

Die Rückkehr in die Spielzeugstadt

Nach seiner Zeit beim FC Coburg führte Ninos Weg in der Winterpause zurück in die Spielzeugstadt. Eine Entscheidung, die sich schnell richtig anfühlte. „Mir geht es super. Seit meiner Rückkehr nach Sonneberg habe ich mich schnell wieder eingelebt, auch weil mich die Mannschaft sehr gut aufgenommen hat“, erzählt Nino. Aus Coburg nahm er einiges mit – vor allem fußballerisch. Doch fehlende Spielzeit ließ den Wunsch wachsen, wieder dort zu spielen, wo er sich entwickeln kann. „Ich hatte das Gefühl, dass ich mich dort nicht mehr wirklich weiterentwickeln kann.“ Sonneberg wurde wieder zu dem Ort, an dem er spielen, lernen – und vielleicht auch Geschichte schreiben kann.

Das Startelfdebüt in Ifta wird Nino so schnell nicht vergessen. „Über mein erstes Spiel von Beginn an habe ich mich natürlich sehr gefreut, weil ich lange darauf gewartet habe. Aus meiner Sicht lief es auch sehr gut – besser hätte es kaum laufen können: drei Punkte für die Mannschaft und ein Tor für mich.“ Das Tor selbst war unspektakulär – und gerade deshalb perfekt. „Louis Göhring hat mir den Ball quergelegt und ich musste ihn nur noch ins Tor einschieben.“ Doch manchmal sind es genau diese einfachen Momente, die große Geschichten schreiben.

Thomas Bernschneider ist Vater, Fan und Rathgeber für seinen Nino.
Thomas Bernschneider ist Vater, Fan und Rathgeber für seinen Nino. – Foto: © 1. FC Sonneberg 2004

Ein Name mit Geschichte

Der Name Bernschneider ist im Sonneberger Fußball kein unbekannter. Thomas Bernschneider, heute 49 Jahre alt, stand selbst viele Jahre auf den Plätzen der Region. Mehr als 180 Spiele absolvierte er in der Thüringenliga und Landesklasse für den 1. FC Sonneberg und den SV 08 Steinach. Ein Spieler, der vor allem für eines bekannt war: Mentalität. „Als Spieler war ich immer hoch motiviert und wollte unbedingt gewinnen. Diese Mentalität kann ich auch bei Nino erkennen“, sagt Thomas.

Doch trotz des gleichen Namens sind Vater und Sohn auf dem Platz unterschiedlich. Thomas war Rechtsfuß und eher defensiv orientiert. Nino ist Linksfuß und offensiv ausgerichtet. Während der Vater einst vor allem Bälle eroberte, will der Sohn sie nach vorne tragen. Neue Fußstapfen also – im wahrsten Sinne des Wortes.

Vom Vater zum Trainer zum Ratgeber

Die fußballerische Verbindung zwischen den beiden geht jedoch noch viel weiter. Thomas war nicht nur Spieler – sondern auch Trainer. Viele Jahre arbeitete er im Nachwuchsbereich der Spielzeugstädter, unter anderem gemeinsam mit Roberto Benn, dem heutigen Trainer der ersten Mannschaft in Sonneberg. Dort trainierte er auch seinen eigenen Sohn. Und das über eine lange Zeit: Zwölf Jahre; seit Ninos fünften Lebensjahr. Eine Zeit, die den jungen Mittelfeldspieler geprägt hat. „Nino spielt gerne Fußball. Die Zeit im Nachwuchsbereich als Landesligaspieler hat ihm die nötigen Fähigkeiten gebracht, sich weiterzuentwickeln. Dort gab es starke Gegner – Jena, Erfurt und andere. Das hilft ihm jetzt im Männerbereich, schnell und gute Entscheidungen zu treffen.“

Nino Noel spielte beim 1. FC Sonneberg im Nachwuchs auf Landesebene - Trainer war sein Papa Thomas gemeinsam mit dem heutigen Sonneberg-Coach Roberto Benn.
Nino Noel spielte beim 1. FC Sonneberg im Nachwuchs auf Landesebene - Trainer war sein Papa Thomas gemeinsam mit dem heutigen Sonneberg-Coach Roberto Benn. – Foto: © Reimar Tiesler

Der Vater kennt natürlich auch die Stärken seines Sohnes genau. „Er ist sehr schnell, macht nach vorne gute Laufwege und ist torgefährlich.“ Und wie jeder Trainer sieht er auch Entwicklungspotenzial. „An seiner Ballbehandlung und am Kopfballspiel hat er noch Luft nach oben.“ Obwohl sie unterschiedliche Spielertypen sind, verbindet Vater und Sohn etwas Entscheidendes. Der Ehrgeiz. „Ich würde sagen, dass wir auf jeden Fall den Ehrgeiz gemeinsam haben, im Spiel immer alles zu geben“, sagt Nino. Viel mehr Parallelen sieht er selbst gar nicht. „Ansonsten sind wir zwei ziemlich unterschiedliche Spielertypen.“

Vielleicht liegt gerade darin das Besondere dieser Geschichte: Der Sohn kopiert den Vater nicht – er entwickelt seinen eigenen Weg. Heute steht Thomas nicht mehr auf dem Platz. Stattdessen steht er daneben. Als Zuschauer. Als Ratgeber. Und vor allem als Vater. „Mein Vater unterstützt mich sehr. Er ist bei jedem Spiel dabei und schaut mir zu. Er motiviert mich und gibt mir Tipps als erfahrener Spieler, was ich noch besser machen kann.“ Und auch im Alltag bleibt der Fußball präsent. Denn Nino wohnt noch zu Hause. Der Fußball endet also nicht mit dem Abpfiff.