2026-04-14T12:48:59.332Z

Allgemeines

Nach Held-Rücktritten: Ende der Landsberger Aufstiegsträume?

Vize Salemovic: "Haben jetzt ganz andere Baustellen"

von Thomas Ernstberger · 06.03.2026, 17:47 Uhr · 0 Leser
So geht Landsberger Jubel: Ünal Tosun (r.) und Fares Ibrahim
So geht Landsberger Jubel: Ünal Tosun (r.) und Fares Ibrahim – Foto: Thomas Ernstberger

Das Thema Regionalliga ist beim Tabellenzweiten nach den Vorkommnissen der letzten Tage in weite Ferne gerückt. Neuzugang Ünal Tosun verspricht trotzdem Vollgas beim Gastspiel bei Türkspor Augsburg. Fares Ibrahim kehrt an alte Wirkungsstätte zurück.

Landsberg – Allen Turbulenzen nach den Rücktritten von Abteilungsleiter und Finanzvorstand Nico Held (26) zum Trotz heißt die Devise für die Spieler des Bayernliga-Tabellenzweiten TSV Landsberg am Samstag (14 Uhr): Vollgas bei Türkspor Augsburg. „Hinfahren und gewinnen“, gibt Ünal Tosun (33) als Devise fürs zweite Spiel nach der Wintrpause aus.

Tosun war zuletzt nicht gerade von Erfolgen verwöhnt: Gerade mal zwei Siege konnte der Winter-Neuzugang der Lechstädter in der Vorrunde in zwölf Einsätzen mit Bayernliga-Schlusslicht Türkgücü München feiern. Kein Wunder, dass sich er sich über seinen Debüt-Erfolg am Lech ganz besonders freute: Sein Jubel nach dem 4:2 gegen Deisenhofen war (verständlicherweise) besonders groß: „Auch, weil ich weiß, wie wichtig nach so einer Vorbereitung ein guter Start ist.“ Der Routinier (u.a. 188 Spiele für Türkgücü, 42 davon in Liga 3, außerdem 54 Bayernliga-Einsätze für Pipinsried und 58 für Jahn Regensburg II) trug als Chef im defensiven Mittelfeld seinen Teil zum gelungenen Auftakt bei. An seiner Seite „Kampfschwein“ Lukas Bettrich (23) – das passt schon wunderbar.
Tosun, gebürtige Münchner mit türkischen Wurzeln, der mit Ehefrau Nadine und seinen drei Töchtern Aleyna (7), Leyla (5) und Alya (3) in Grünwald lebt, hat schnell gezeigt, dass er die Verstärkung ist, die Landsberg im Kampf um die Meisterschaft weiterhelfen kann. Auch als Takt- und Ratgeber auf dem Platz, schließlich war er bei Türkgücü (da spielte er schon zusammen mit Chris Rech, Benny Auburger, Maxi Berwein und Tino Reich) nicht nur Kapitän, sondern auch Co-Trainer und zuletzt Spielertrainer. Coach Rech, sein langjähriger Weggefährte („es gibt keinen, mit dem ich so viele Spiele zusammen gemacht habe“), gab auch den Ausschlag für seinen Wechsel nach Landsberg.
Auffällig: Tosun läuft mit der ungewöhnlichen Rückennummer 61 auf - das ist keine übliche Fußballer-Zahl. Kann auch kein Geburtsdatum sein (das wäre die 92) oder die Altersangabe (das wäre die 33). Warum also 61? Der Neu-Landsberger löst das Rätsel: „In der Türkei hat jede Stadt eine Nummer. Die 61 ist die Nummer von Trabzon, der Stadt, aus der meine Eltern kommen und der wir sehr verbunden sind.“
Mit dieser Nummer soll am Samstag (Anpfiff: 14 Uhr) die Erfolgsserie fortgesetzt werden – bei Kellerkind Türkspor Augsburg, das im Hinspiel mit einem 1:1 einen von bislang erst zwölf Punkten holte. „Wir wissen, dass wir da bestimmt wieder auf einem schlechten Platz spielen werden. Aber egal: Wir fahren nach Augsburg, um zu gewinnen. Denn danach kommen die Wochen der Wahrheit.“
Die Partie am Samstag ist ein besonderes Spiel für zwei Stürmer mit Türkspor-Vergangenheit. Jeton Abazi (25) kam Anfang 2025, Fares Ibrahim (20) im September. Ibrahim, der die deutsche und ägyptische Staatsbürgerschaft hat und Sportwissenschaft studiert (Fernstudium in Würzburg), lief in der Saison 2024/25 26 Mal für die Augsburger in der Bayernliga auf, suchte danach eine neue sportliche Herausforderung (Probetrainings bei den U23-Teams vom FCA und in Paderborn) – und fand sie in Landsberg. „Ein Top-Verein. Ich gebe immer 100 Prozent. Wenn eine Chance bekomme, versuche ich, sie zu nutzen.“ Was ihm gegen Deisenhofen in seinem erst fünften Spiel für den TSV schon mal eindrucksvoll gelang. Gerade mal zwölf Minuten auf dem Platz, setzte der 1.96 Meter große Angreifer mit seinem ersten Scorerpunkt gleich ein dickes Ausrufezeichen. Einfach Klasse, wie cool und überlegt er Luca Dollingers wichtiges 3:2 vorbereitete – eine Co-Produktion von zwei eingewechselten Spielern, wie schon das Daniele Sgodzajs 2:1. Die Reservisten als Erfolgsgeheimnis - das nötigt auch Tosun jede Menge Respekt ab: „Ich hab‘ ja schon viel erlebt, aber ich habe selten gesehen, dass eine Bank so mitgeht. Wir haben das Spiel über die Bank gewonnen.“
Ob dieser (und ein nächster) Sieg die Landsberger im Aufstiegsrennen hält, ist allerdings fraglich. Nachdem Held sowohl als Finanzvorstand des Hauptvereins als jetzt auch als Abteilungsleiter hingeworfen (übrigens, ohne die Mannschaft persönlich zu informieren) und kollektive Verunsicherung hinterlassen hat, ist das Thema Regionalliga am Lech in weite Ferne gerückt. Der stellvertretende Abteilungsleiter Muriz Salemovic gegenüber dem Landberger Tagblatt: „Ich denke, der Aufstieg ist erst mal vom Tisch. Wir haben jetzt ganz andere Baustellen…“ Spätestens in drei Wochen, am Freitag, 27. März (12 Uhr) müssten die Unterlagen für das "Zulassungsverfahren" beim BFV eingereicht sein.