
Beim TuS Geretsried verabschiedete sich der einstige Mittelfeldspieler und aktuelle Co-Trainer Benjamin Finster nach 25 Jahren.
Geretsried – Beim TuS Geretsried ist eine Ära zu Ende gegangen: Still und leise, so wie es immer seine Art war, verabschiedete sich Benjamin Fister – nach 25 Jahren ist für den einstigen Mittelfeldspieler und aktuellen Co-Trainer der Bayernligamannschaft Schluss. „Benni und TuS, das gibt’s nicht allein“, stellte Spielführer Sebastian Schrills fest, als er seinen langjährigen Mitstreiter nach dem 4:1-Sieg gegen den TSV Nördlingen verabschiedete. „Es gab in den vergangenen 25 Jahren viele Umbrüche – aber einer war immer dabei“, klang in seinen Worten an, was dem Klub verloren geht. Mit der umgedichteten Rudi-Völler-Hymne „Es gibt nur ein‘ Benni Fister“ feierten Mitspieler und Fans den 42-Jährigen, der sich nach den Lobreden und -gesängen für einen Moment in die Stille der Katakomben zurückzog.
„25 Jahre fallen nicht einfach so ab. Ich bin viermal in der Woche hier ein- und ausgegangen. Aber irgendwann ist der Punkt, wo es vorbei ist“, erklärte er, als er dort unten im Gespräch ein Vierteljahrhundert Revue passieren ließ. Seit er mit knapp 17 Jahren im B-Jugendalter von Baiernrain nach Geretsried gewechselt war, kickte der großgewachsene Bursche bis heute beim Turn- und Sportverein – abgesehen von einem „ganz komischen Ausflug“ (so Kapitän Sebastian Schrills) zum SV Bad Tölz. Mit dem trat Fister von Sommer 2012 bis Sommer 2015 in der Bezirksliga in Konkurrenz zum TuS. „Es war eine schöne Zeit“, erinnert sich der Baiernrainer an die Tölz-Phase, in der er unter Ex-Profi Norman Klein und Daniel Heidemann trainierte und spielte. Am Ende seiner dreijährigen Zeit in der Kurstadt stieg Geretsried wieder in die Landesliga auf. Dessen damaliger Trainer Florian Beham lotste den Mittelfeldstrategen ins Isaraustadion zurück. „Ich bin dem Flo sehr dankbar, dass er mich zurückgeholt und mir die Chance gegeben hat, Landesliga zu spielen“, sagt Fister.
In 25 Jahren erlebte die Geretsrieder „Vereinslegende“ einige Höhen und Tiefen. Zwei Abstiege aus der Landesliga bis hinunter in die Kreisliga stehen ebenso in seiner Vita, wie die Aufstiege unter Trainer Ralf Zahn bis in die Bezirksoberliga. In diese Zeit fällt auch die größte Enttäuschung seiner aktiven Ära. Am letzten Spieltag der Saison 2007/08 konnte Fister mit seinem TuS Geretsried im Derby gegen den SC Gaißach den Aufstieg in die Bezirksoberliga fix machen – aber die Gastgeber unterlagen vor mehr als 1000 Zuschauern im Isaraustadion mit 0:2. Während Gaißach ein Isarwinkler Sommermärchen feierte, verlor der TuS wenige Tage später auch das Entscheidungsspiel um Platz zwei gegen den FC Deisenhofen.
Auf der sportlichen Habenseite steht der Bayernliga-Aufstieg im vorigen Sommer natürlich ganz oben. „Ich habe lange überlegt, ob ich das als Co-Trainer machen soll“, erinnert sich Fister. Im Nachhinein sei jedoch auch diese „die richtige Entscheidung“ gewesen. Dass er diese Erfahrung habe machen dürfen, dafür sei er Daniel Dittmann unendlich dankbar, betont Fister. Man habe sich im Team zusammen mit Matthias Herberth gut ergänzt. „Wir waren ein super Trio. Ich glaube, ich konnte ihm Erfahrung mitgeben, die Daniel nicht hatte.“ Der Geretsrieder Chefcoach war bekanntlich 22 Jahre jung, als er die Mannschaft, in der Fister damals noch als Spieler nominiert war, übernahm.
In der kommenden Saison bringt er seine Erfahrung in seinem Heimatverein ein, der seit einigen Jahren zur SG Baiernrain/Dietramszell fusioniert ist. Als spielender Co-Trainer und zunächst mal für eine Spielzeit. Eine Verlängerung beim TuS, die als Option bestanden habe, hat er nach reiflicher Überlegung ausgeschlagen. „Auch als Co-Trainer musst Du immer da sein. Aber die Energie ist nicht mehr so da“, begründet Benjamin Fister seine Entscheidung. „Sowas muss ich mit 100 Prozent machen, anders kann ich es nicht.“
Und was kommt für ihn nach dem Fußball? „Keine Ahnung“, lautet die Antwort. Nur eins sei gewiss. Den Cheftrainer Benjamin Fister werde es nicht geben. „Ständig Ansprachen halten, immer die richtigen Worte finden – das ist nicht meins“, stellt die scheidende TuS-Vereinslegende klar. „Ich bin nicht der Typ, der ständig seine Emotionen nach außen tragen muss.“ Deshalb hielt er auch keine große Abschiedsrede, sondern genoss auf seine Art, still und schmunzelnd, die Fangesänge, die durchs Vereinsheim wehten. „Es gibt nur ein‘ Benni Fister – ein Benni Fiiiiister.“