
Dabei hatte die Mannschaft von Interimstrainer Steffen Kolk kaum jemand auf dem Zettel. Während sich der Fokus im Aufstiegskampf lange auf Wacker 04 Gotha richtete, arbeiteten sich die Suhler Woche für Woche nach oben. Sechs Spiele in Folge blieb die Mannschaft zuletzt ungeschlagen, fünf davon wurden gewonnen. Schon vor einigen Wochen hatte Kolk öffentlich erklärt, dass Platz vier noch erreichbar sei. Eine Aussage, die damals durchaus mutig wirkte.
Durch die Aufstiegsverzichte zahlreicher Spitzenmannschaften hat sich die Ausgangslage inzwischen grundlegend verändert. Da die Teams aus Schweina-Gumpelstadt, Meiningen und auch Ohratal nicht für die Thüringenliga planen, reicht in dieser Saison sogar Rang vier zum Aufstieg. Aktuell belegt diesen Platz noch der FSV Wacker 03 Gotha.
Eigentlich hätten die Gothaer die Entscheidung bereits am vergangenen Wochenende herbeiführen können. Ein Sieg beim FC Barchfeld 04 hätte den Vorsprung auf die Konkurrenz entscheidend vergrößert. Doch beim Abschied von Trainer Stephan Anschütz zeigte sich Barchfeld als unbequemer Gastgeber und gewann überraschend mit 2:0. Und damit hat der SVS die historische Chance auf den Aufstieg. Vor dem letzten Spieltag trennen beide Vereine nur ein Zähler. Während Gotha im Lokalduell auf den Tabellendritten Ohratal trifft, empfängt Suhl den abstiegsgefährdeten SV Eintracht Ifta. Die Konstellation ist klar: Gewinnt der 1. Suhler SV 06 sein Heimspiel und lässt Gotha gleichzeitig Punkte liegen, würde der Traditionsverein auf den aufstiegsberechtigten vierten Platz springen.
Lange war zudem unklar, ob die Suhler einen möglichen Aufstieg überhaupt annehmen würden. Ein offizieller Verzicht wurde jedoch nie erklärt. Nach einer Vorstandssitzung am Montagabend stellte Präsident Stefan Hess nun klar: „Wir spielen am Sonntag und nehmen jedes Ergebnis sportlich so wie es kommt. Am Ende entscheiden die sportlichen Leistungen in Gotha und in Suhl. Einen Zwangsabstieg nach den Statuten wird es definitiv nicht geben.“
Damit ist klar: Sollte Suhl Platz vier erreichen, stünde einer Rückkehr in die Thüringenliga nichts im Wege. Für den Verein wäre es eine Geschichte, die vor Saisonbeginn wohl niemand erwartet hätte. Erst im vergangenen Sommer gelang der Aufstieg in die Landesklasse, nun könnte direkt der Durchmarsch folgen. Vor allem aber wäre es die Rückkehr eines traditionsreichen Fußballstandortes auf die Thüringenliga-Bühne – nach 21 langen Jahren.
Noch hat der FSV Wacker 03 Gotha die besseren Karten und den Aufstieg in der eigenen Hand. Doch plötzlich blickt ganz Fußball-Südthüringen auf den letzten Spieltag. Denn was lange unmöglich schien, ist nur noch 90 Minuten entfernt: die Rückkehr des 1. Suhler SV 06 in die Thüringenliga.