
Über den Abschied von Hertha BSC Berlin und Emotionen bei seiner Rückkehr zu 1860 München spricht Florian Niederlechner im großen Interview.
Dass er einer der Publikumslieblinge sein wird, war bereits beim Trainingsauftakt der Münchner Löwen offensichtlich. Mit großem Hallo wurde Stürmer Florian „Flo“ Niederlechner von den Fans des Drittligisten TSV 1860 begrüßt, musste geduldig viele Hände schütteln, abklatschen, für Selfies parat stehen und Autogramme schreiben. Der Profi aus Hohenlinden (34) ist im Sommer nach seinem Vertragsende von Zweitligist Hertha BSC Berlin zu seinen fußballerischen Wurzeln zurückgekehrt und hat einen Vertrag beim ambitionierten Traditionsverein unterschrieben.
„Jetzt ist es nach einer geilen Zeit bei Hertha genauso gekommen, wie ich es mir gewünscht hatte.“
Florian Niederlechner, Stürmer des TSV 1860, über seinen Wechsel zu den Löwen.
Der gebürtige Ebersberger spielte einst vier Jahre (2002-2006) im Nachwuchs der Blauen und hatte beim Auftakt auf Giesings Höhen bekannt: „Ich bin einfach nur unfassbar stolz, endlich den Löwen auf der Brust tragen zu dürfen.“ Als Fan stand er früher auf der Tribüne. „Es gibt nichts Schöneres, als für den Club zu spielen, den du liebst.“ Der heute 34-jährige Familienvater (zwei Buben) will „voll angreifen“ und berichtete im Gespräch mit der Ebersberger Zeitung über seine Zeit in Berlin und den emotionalen Wechsel zurück in die Heimat.
Wann fiel die Entscheidung pro 1860?
Florian Niederlechner: Das war schon sehr früh. Nach dem ersten Gespräch war für mich alles klar. Da musste ich nicht wirklich aufs Angebot warten (lacht).
Gab es keine weiteren Angebote aus der 1. oder 2. Bundesliga?
Aus der ersten Liga nicht, nur aus der zweiten waren Anfragen da. Aber die Vereine hatten keine Chance gegen Sechzig.
Also sind die Löwen wirklich eine Herzensangelegenheit?
Ja, natürlich. Für mich gibt‘s keinen schöneren Abschluss der Karriere. Ich hatte hier eine gute Zeit in der Jugend und wollte unbedingt noch mal für Sechzig spielen und dem Verein helfen, seine Ziele zu erreichen. Jetzt ist es nach einer geilen Zeit bei Hertha genauso gekommen, wie ich es mir gewünscht hatte. Und ich kann jetzt wieder zuhause schlafen (lacht).
„Ich musste schon mit den Tränen kämpfen. Aber ich habe nicht losgeheult, war nur dicht dran.“
1860-Stürmer Florian Niederlechner über seinen Abschied von Hertha BSC Berlin.
Wie waren die Reaktionen aus Ihrem Umfeld und aus der Heimat?
Das Handy hat ordentlich gerappelt. Es gab viele Glückwünsche von Freunden und Mitspielern. Aber nur Positives.
Und die Familie in Hohenlinden?
Die ist bekanntlich tiefblau und hat sich riesig gefreut. Ich habe viele Fotos und Videos erhalten. Meine Mutter hat es ganz extrem erlebt, beim Einkaufen beim Metzger oder Bäcker ist sie bestimmt 20 mal auf den Wechsel angesprochen worden.
Der Abschied bei Hertha war aber trotzdem hochemotional? Sie wurden extra in der Fankurve gefeiert.
Ja, das stimmt. Es war unglaublich. Ich durfte in die Ostkurve und wurde dort speziell verabschiedet, mit Sprechchören und dem Berliner Auswärtslied. Da musste ich schon mit den Tränen kämpfen. Aber ich habe nicht losgeheult, war nur dicht dran (lacht).
Wie fällt denn Ihr Fazit nach den 2,5 Jahren in der Hauptstadt aus?
Das war extrem und erlebnisreich. Ich bin ja damals noch zu einem Bundesligisten gewechselt, dann kam der Abstieg und die 2. Liga. Es war spielerisch wohl nicht meine beste Zeit, in Freiburg und Augsburg hatte ich deutlich mehr Erfolg. Aber es war schön mitzuerleben, wie groß ein Verein wie die Hertha ist und welche riesige Unterstützung die Fans einem geben. Und privat war es auch geil. Wir als Familie haben uns dort wirklich wohlgefühlt.
„Beim Auftakt war es der Wahnsinn, vor über 900 Fans zu trainieren. Ich hatte Gänsehaut. Die Vorfreude auf die Saison ist enorm.“
Florian Niederlechner über das Auftakttraining bei 1860 München.
Was bleibt aus der Zeit bei Hertha sportlich besonders hängen? Das Fallrückzieher-Tor in Kaiserslautern?
Das auch (lacht), aber besonders der Dreierpack gegen Elversberg. Das war mein erster Hattrick als Profi. Und überhaupt jedes Spiel im Olympiastadion, ein unglaubliches Stadion mit unglaublichen Fans.

