2026-04-03T19:57:16.526Z

Spielbericht

Murnau trotzt Personalsorgen und ist zurck im Aufstiegsrennen

Landesliga Südost

von Andreas Mayr · Heute, 13:30 Uhr · 0 Leser
Mit viel Einsatz zum Erfolg: Die beiden Torschützen Jannis Braun (r.) und Maximilian Nebl jubeln über drei Punkte in der Fremde.
Mit viel Einsatz zum Erfolg: Die beiden Torschützen Jannis Braun (r.) und Maximilian Nebl jubeln über drei Punkte in der Fremde. – Foto: Andreas Mayr

Die Drachen siegten 2:0 auswärts. Trainer Martin Wagner gewann mit seinen taktischen Schachzügen alle Wetten gegen den Personalnotstand.

Sie haben sich ein wenig heimisch gefühlt, selbst 80 Kilometer entfernt von Zuhause. Die Freundschaft zwischen den Schwabinger und den Murnauer Fußballern breitete sich weiter aus. TSV-Stadionsprecher Josef Höcherl nahm neben seinem Münchner Kollegen Platz, durfte Aufstellung, Wechsel und Tore der Drachen ansagen. Das war an diesem Samstag ein launiger Job. Zweimal hallte Höcherls Kultspruch beim Treffer durch die Häuserschluchten, während sein Nebenmann stumm blieb. 2:0 gewannen die Drachen auswärts, und dieses Ergebnis fühlte sich am Abend noch ein bisschen wohliger an: Im Spitzenspiel der Landesliga setzte sich Wasserburg durch (2:0), krault nun als klar Führender die letzte Bahn der Saison, während Rosenheim, der Verlierer des Spieltags, auf Relegationsrang zwei plötzlich nur noch drei Punkte vom TSV entfernt liegt. „Wir sind dran“, vermeldete Trainer Martin Wagner zur Feier des Tages.

Obwohl sein Kader wie ein gerupftes Federkleid aussah, erlebte Wagner einen entspannten Nachmittag. „Wir lassen keine Ausreden zählen“, betont der Coach. Dazu kam: Auch der Gegner kämpfte massiv mit Ausfällen, unter anderem fehlte Top-Spieler Giacinto Sibilia. Die Schwabinger steckten diese Seuche deutlich schlechter weg als Murnau: Sie gerieten nach starker Hinrunde zuletzt in einen Abwärts-Kreisel und verloren vier von fünf Partien nach dem Winter. Es ist erstaunlich, wie solch eine Ergebniskrise ein ganzes Team durchdringt. Oft klappten einfachste Aktionen nicht, Bälle aus kürzester Distanz landeten im Aus. „Wir haben es am Ende besser hingebracht“, analysiert Wagner.

Selbstverständlich war das nicht, wo doch seine Abwehr zum ersten Mal in dieser Konstellation auflief und den beiden Innenverteidigern Phillip Mühlbauer und Fabian Heiland einige Zentimeter und Kilos Manövriermasse im Luftkampf abgingen. Am Tag davor hatte er Mühlbauer angerufen, ob er denn schon einmal im Defensivzentrum aufgelaufen war. Nachdem dieser bejahte, war die Aufstellung gebongt. „Ich hatte schon vor dem Spiel ein gutes Gefühl“, sagt der Coach. Um seine klein-gebauten Innenverteidiger zu beschützen, ließ er bei Anspielen ins Zentrum konsequent doppeln sowie Flanken mit aller Macht verhindern. Diese Taktik ging so gut auf, dass sogar das eigene Führungstor darauf zurückzuführen war. Felix Lautenbacher erzwang den Ballgewinn, Jannis Braun verwandelte am anderen Ende aus 18 Metern – und zwar genauso, wie sie’s davor skizziert hatten. Auf dem Rasen, der gerade aus dem Winterschlaf geholt worden war, hatte Wagner flache Schüsse angeordnet.

Auch seine zweite große, personelle Wette gewann der Coach. Auf Rechtsaußen hatte er Sanel Dacic (kleinere Handverletzung) zu ersetzen, entschied sich schließlich für Maximilian Nebl, obwohl der kein klassischer Flügelflitzer ist. Zufällig stellte Schwabing auf dieser Abwehrseite seinen ehemaligen Regionalliga-Kicker Philipp Schuck als Strategen im Aufbau auf, der bei Kämpfer Nebl bestens aufgehoben war. „Hat gut gepasst“, lobt Wagner. Nach Anlaufschwierigkeiten fand Nebl zu seiner Rolle und belohnte sich mit dem 2:0, weil er deutlich gieriger dem eigenen Abschluss hinterherging als sein Gegenspieler. „Das ist eine seiner Stärken: Er hat einen Instinkt dafür“, betont der Trainer. Weil sich der Rest ihm anschloss und in Sachen Einsatz eine tadellose Vorstellung bot, musste Wagner zu keiner Zeit um den Sieg bangen. „Es war Gold wert, dass wir kämpferisch an die 100 Prozent hingekommen sind.“