
Im Halbfinale des Mecklenburg-Vorpommern-Pokals hat der F.C. Hansa Rostock heute nach einer wahren Geduldsprobe das Endspiel erreicht. Gegen den wehrhaften Regionalligisten Greifswalder FC quälte sich der Drittligist über weite Strecken der Partie, ehe der eingewechselte Andreas Voglsammer in der Nachspielzeit (90.+1) den erlösenden 1:0-Siegtreffer per Kopf erzielte. Nach dem zuletzt misslungenen Ligaalltag präsentierte sich die Mannschaft von Trainer Daniel Brinkmann zwar von Beginn an mit viel Ballbesitz, ließ im Offensivspiel gegen kompakt verteidigende Hausherren jedoch lange jegliche Durchschlagskraft vermissen. Erst in der absoluten Schlussphase bewahrte der Favorit seine Hoffnungen auf den wichtigen Einzug in den DFB-Pokal und vermied eine drohende Verlängerung. Im anstehenden Endspiel wartet nun entweder der Sechstligist SV Pastow oder der Fünftligist FC Anker Wismar.
Zäher Beginn ohne Durchschlagskraft
Nach dem misslungenen Auftritt in der 3. Liga musste die Mannschaft von Trainer Daniel Brinkmann eine Reaktion zeigen. Gegen den Vertreter aus der Regionalliga Nordost startete das Team verhalten, aber mit viel Ballbesitz in die Partie. Nennenswerte Torchancen kamen in der Anfangsphase jedoch nicht zustande, da man sich im Spiel nach vorn trotz haushoher Favoritenrolle sichtlich schwertat.
Erst in der 29. Minute näherte sich die Kogge dem Tor an, als Kenan Fatkic einen Freistoß aus halbrechter Position direkt auf das Gehäuse zog. Der Greifswalder Schlussmann Jakub Jakubov war jedoch aufmerksam und lenkte den Ball ohne große Probleme über die Latte. Ansonsten mangelte es dem Favoriten im Offensivspiel deutlich an der nötigen Durchschlagskraft. Da auch die Gastgeber keine nennenswerten Chancen verzeichneten, ging es torlos in die Pause.
Greifswald wehrt sich mutig
Aus der Kabine kam die Heimmannschaft deutlich besser: Kurz nach dem Seitenwechsel drangen sie mehrfach gefährlich über die Abwehrseite von Rostocks Viktor Bergh in den Strafraum ein und gestalteten das Spiel zielstrebiger.
Ein Abschluss von Soufian Benyamina geriet jedoch zu schwach und stellte Hansa-Torwart Benjamin Uphoff vor keine großen Probleme (52.). Auf der Gegenseite versuchte es Kenan Fatkic wenig später aus der zweiten Reihe, schoss jedoch über den Kasten (62.). Es entwickelte sich ein zähes Spiel, das von kompakten Abwehrreihen und wenigen Torraumszenen geprägt war.
Späte Erlösung durch den Stürmer
Als bereits alles nach einer Verlängerung aussah, sorgte Andreas Voglsammer doch noch für die Entscheidung. Nachdem Edgar Kaizer in der 88. Minute noch im letzten Moment vor ihm zur Ecke klären konnte, schlug die Kogge tief in der Nachspielzeit zu.
Maximilian Krauß dribbelte sich auf der rechten Seite frei und flankte den Ball maßgenau auf Andreas Voglsammer, der die Kugel aus kürzester Distanz in die lange Ecke einköpfte (90.+1).
In den Interviews nach dem Spiel zeigte sich der Torschütze erleichtert, übte aber auch Selbstkritik: „Ganz, ganz, ganz schwieriges Spiel. Erwartet schwer. Wir haben uns keine Chancen herausgespielt. Das kann gut aussehen, wenn man den Ball hat, aber wenn man sich keine Chancen herausspielt, dann wird es schwer, ein Tor zu schießen. Das haben wir zu wenig gemacht, das müssen wir uns ankreiden.“
Geduld als Schlüssel zum Erfolg
Die Rostocker hatten sich über weite Strecken der 90 Minuten regelrecht abgemüht und gegen tiefstehende Hausherren nach Lücken gesucht. Auch Mittelfeldspieler Jonas Dirkner ordnete die Partie realistisch ein: „Es war von vornherein klar, dass es heute ein zähes Spiel wird. Greifswald hat ja auch seine Qualität. Dazu hatten wir einen anspruchsvollen Platz. Es war nicht einfach.“
Trotz der Schwierigkeiten hob er die mentale Stärke der Mannschaft hervor: „Wir haben, glaube ich, versucht, die Ruhe zu bewahren und wussten, dass wir zu den Chancen kommen. Dass das kurz vor Schluss geklappt hat, ist natürlich schön.“
Auch Andreas Voglsammer lobte die eigene Abwehrarbeit: „Tief stehen wollten sie, das haben sie gemacht. Sie haben versucht umzuschalten, das haben wir eigentlich ganz ordentlich verteidigt, das muss man sagen. Wir haben, glaube ich, nichts Großes zugelassen.“
Trotzdem fügte er an: „eigentlich müssen wir dominanter sein, müssen wir mehr Torchancen herausspielen. Das haben wir nicht geschafft und trotzdem ist es eine Pflichtaufgabe gewesen. Die haben wir erfüllt.“
Voller Fokus auf den Ligaalltag
Am Ende zählte für den F.C. Hansa Rostock nur das Erreichen des Endspiels, wo als Gegner der Sechstligist SV Pastow oder der Fünftligist FC Anker Wismar warten. Der Sieg war immens wichtig, da der Verein als aktueller Tabellenfünfter den Pokalsieg benötigt, um sich für den DFB-Pokal in der kommenden Saison zu qualifizieren.
Andreas Voglsammer betonte diese Bedeutung: „Vorbereitet haben wir uns auf Aachen jetzt noch nicht, weil heute eine Aufgabe anstand, die genauso wichtig ist für das nächste Jahr mit dem DFB-Pokal. Deswegen galt die volle Konzentration heute.“
Er resümierte pragmatisch: „Da sind wir überglücklich drüber und mehr ist es am Ende des Tages nicht. Mund abputzen, weiter, Sieg mitgenommen.“
Nun richtet sich der Blick auf den 36. Spieltag, an dem das Spiel gegen Alemannia Aachen ansteht. Das Team der Stunde pflügt aktuell durch die Liga und belegt Platz zwei der Rückrundentabelle.
„Jetzt gilt es, sich gut zu regenerieren und ab morgen dann den Fokus voll auf Aachen zu legen, damit wir da die drei Punkte mitnehmen. Nur da müssen wir schon auch noch ordentliche Schippen drauflegen“, forderte der Stürmer abschließend.