
Mehr als 20 Vereine haben sich zusammengeschlossen und protestieren gegen Sparmaßnamen der Stadt München. Nun liegt OB Dieter Reiter eine Anfrage vor.
Seit dieser Woche findet bei der SpVgg Thalkirchen wieder vereinzelt Trainingsbetrieb statt. Einige Einheiten sind möglich, der Ball rollt zumindest punktuell. Doch Entwarnung bedeutet das nicht. Der Ärger über die Kürzung der Platzwarte auf den städtischen Bezirkssportanlagen in München ist ungebrochen – und hat inzwischen eine neue Dimension erreicht.
Rund 20 Münchner Breitensportvereine haben eine Petition gestartet, die sich gegen das neue Platzwart-Modell der Stadt richtet. Binnen kurzer Zeit kamen bereits mehrere tausend Unterschriften zusammen. Der Titel ist bewusst drastisch gewählt: „Rettet den (Vereins-)Sport auf den Münchner Bezirkssportanlagen“.
In der Petition kritisieren die Initiatoren, dass die Landeshauptstadt wegen der angespannten Haushaltslage 13,3 Vollzeitstellen bei den Platzwarten gestrichen und ein Tandem-Schichtmodell eingeführt habe. Die Folge: Viele Anlagen könnten nicht mehr verlässlich betreut werden. Vereine müssten immer häufiger selbst das Hausrecht übernehmen – inklusive Verantwortung für Öffnung, Schließdienst und Verkehrssicherungspflichten. Gerade im Winter führe das dazu, dass Plätze aus Haftungsgründen gesperrt bleiben.
„Eine verlässliche und fachlich qualifizierte Präsenz professioneller Platzwarte ist unerlässlich“, heißt es im Petitionstext. Ohne diese Unterstützung sei weder die Sicherheit der Sporttreibenden noch ein geregelter Sportbetrieb zu gewährleisten. Ehrenamtlich organisierte Vereine könnten diese Aufgaben dauerhaft nicht auffangen.
Auch bei der SpVgg Thalkirchen bestätigt sich dieses Bild. Zwar ist punktuelles Training wieder möglich, von einem stabilen Regelbetrieb kann jedoch keine Rede sein. „Das klingt in der Theorie alles machbar“, sagt Vereinsvertreter Sepp Schall. „In der Praxis hängt es an einzelnen Tagen, an einzelnen Personen – und am Ende an Ehrenamtlichen, die ohnehin am Limit sind.“
„Wenn du an der Basis sparst, sparst du an der Zukunft.“
Sepp Schall, Organisator der Petition und Vorstand in Thalkirchen.
Der Protest bleibt nicht auf Vereinsebene. Nach der Berichterstattung unserer Zeitung hat inzwischen auch die CSU/Freie-Wähler-Fraktion im Münchner Stadtrat reagiert und eine offizielle Anfrage an Oberbürgermeister Dieter Reiter gestellt. Darin wird unter anderem nach den Ursachen für die Probleme des neuen Modells, nach Zuständigkeiten bei der Schichtplanung sowie nach dem Umgang mit kurzfristigen Ausfällen gefragt.
Das Referat für Bildung und Sport hatte zuletzt betont, der Trainingsbetrieb sei unter der Woche weiterhin gewährleistet, und verwies auf Anpassungen im Dialog mit den Vereinen. Eine Rückkehr zum alten Platzwart-System stellt die Stadt bislang jedoch nicht in Aussicht.
Für viele Vereine ist das zu wenig. Die Petition läuft weiter, der Druck wächst. Oder, wie es Schall formuliert: „Wenn du an der Basis sparst, sparst du an der Zukunft.“