Die Zeichen stehen beim DFB auf Neuanfang. Auch BFV Präsident Rainer Koch, welcher zeitgleich der Vize-DFB Präsident ist, hat sich in die Schusslinie manövriert.
Die Zeichen stehen beim DFB auf Neuanfang. Auch BFV Präsident Rainer Koch, welcher zeitgleich der Vize-DFB Präsident ist, hat sich in die Schusslinie manövriert. – Foto: imago images/Sven Simon

Zeichen beim DFB stehen auf kompletten Neuanfang - auch Koch in Schusslinie 

BFV-Präsident ebenfalls angezählt 

DFB-Krise: Curtius und Osnabrügge wollen wohl zurücktreten – Neben Keller wackelt auch Koch, der den Profifußballern ein Dorn im Auge ist.

Frankfurt/Main – Die demütigende Vorführung als „Angeklagter“ bleibt Fritz Keller immerhin erspart. Obwohl sich erstmals ein Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) vor dem Sportgericht des Verbandes verantworten muss, braucht Keller den von ihm ausgelösten Nazi-Eklat nicht vor den Augen der Öffentlichkeit zu erläutern. Der DFB hat ein „nicht öffentliches“ Verfahren für seinen Noch-Boss angesetzt. Doch auch wenn Keller von neugierigen Blicken verschont bleibt, rückt sein unausweichlich scheinendes Aus wie das weiter Teile der Verbandsführung immer näher.

Neustart soll ohne die belasteten Spitzenfunktionäre stattfinden

Spätestens seit der Einlassung von Generalsekretär Friedrich Curtius stehen die Zeichen auf einen Neuanfang ohne die belasteten Spitzenfunktionäre, zu denen auch Vizepräsident Rainer Koch und Schatzmeister Stephan Osnabrügge gehören. Die von Curtius signalisierte Gesprächsbereitschaft hinsichtlich seiner Position scheint der Beginn der von vielen Kritikern längst geforderten Tabula rasa an der heillos zerstrittenen DFB-Spitze zu sein.

Schließlich will auch Osnabrügge sein Amt bald räumen. Nach SID-Informationen wird sich der 50-Jährige beim nächsten DFB-Bundestag nicht mehr zur Wiederwahl stellen. Dies kündigte Osnabrügge im Rahmen der Konferenz der Regional- und Landesverbände am vergangenen Wochenende an.

Auch eine Amtsenthebung Kellers ist noch eine verfügbare Option

Wie das Verfahren gegen Keller vor der Ethikkammer des Sportgerichts im Detail aussehen wird, ist zunächst offen. Der Vorsitzende Hans E. Lorenz sagte, dass noch keine Entscheidung darüber gefallen sei, ob es ein schriftliches Verfahren oder eine mündliche Verhandlung geben werde. Sicher ist jedoch, dass der Prozess „nicht öffentlich“ sein wird. Mit einem Urteil rechnet Lorenz „in der zweiten Maihälfte“.

Sollte Keller auch in der Folge eine Demission ablehnen, könnte das Thema „Amtsenthebung“ im DFB-Vorstand landen. Wie dort die Mehrheitsverhältnisse aussehen, ist unklar. Denn obwohl die Vertreter des Profifußballs zum Lager Kellers gezählt werden dürfen, erscheint es unwahrscheinlich, dass sie den Präsidenten angesichts seines Nazi-Vergleichs weiter stützen.

Robert Koch ist unter den Profifußballern bereits angezählt

Ganz sicher nicht unterstützen werden die Profis Koch, der ihnen seit jeher ein Dorn im Auge ist. Die Lage Kochs, der nach SID-Informationen nicht an einen Rückzug denkt, ist aber kompliziert. Die Profivertreter wollen einerseits sicher nicht, dass der Vizepräsident den DFB zum dritten Mal in Folge nach einem Präsidenten-Rücktritt interimsmäßig führt. Auf der anderen Seite wurde Koch, hinter dem nach wie vor weite Teile des Amateurlagers stehen, gerade erst in das Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union (UEFA) gewählt. Sollte der Chef des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) aus der DFB-Chefetage vertrieben werden, stünde der Verband auch ohne seinen internationalen Vertreter da.

„In den vergangenen Jahren gab es zu viele Verfehlungen“

Dieselbe Problematik begleitet auch den anderen Vizepräsidenten Peter Peters. Wie Koch bei den Profis ist Peters bei den Amateuren nicht sonderlich beliebt – beide stehen sinnbildlich für den seit langem anhaltenden Kampf zwischen beiden Lagern. Doch auch der viel kritisierte Peters hat seine Position durch die zurückliegende Wahl ins FIFA-Council gestärkt. Den zurückgewonnen Einfluss im wichtigsten Gremium des Weltverbands will der DFB ebenfalls nicht verlieren.

Nach Ansicht von Dagmar Freitag sollte der Verband darauf aber keine Rücksicht nehmen. Die Sportausschuss-Vorsitzende des Deutschen Bundestages präferiert deshalb wie viele andere einen radikalen Kurswechsel: „In den vergangenen Jahren haben sich zu viele Verfehlungen aneinandergereiht, die in der Summe wahrlich genügend Gründe für einen kompletten Neuanfang fernab von alten Seilschaften bieten.“

(sid)

Aufrufe: 5.5.2021, 10:15 Uhr
Münchner Merkur / tz / SID Sport-Informations-DienAutor

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