Beeindruckende Erfolgsgeschichte

MTV Wohnste feiert ein halbes Jahrhundert Frauenfußball – Damen holen im Laufe der Jahre eine Menge Titel

Wohnste. 50 Jahre Frauen-Fußball. Das Jubiläum feiert auch der MTV Wohnste, der zu den Gründervereinen zählt. Dabei war es Trainer-Legende Günter Meyer, der mit seinen Spielerinnen eine beeindruckende Erfolgsgeschichte schrieb und den Börde-Klub nicht nur im Norden der Republik bekannt werden ließ.

„Beim MTV Wohnste wird der Mädchen- und Frauenfußball seit vielen Jahren großartig und mit sehr viel Engagement gefördert. Für mich waren die Derbys zwischen dem MTV Wohnste und dem TuS Westerholz immer etwas ganz Besonderes. Wir kannten uns alle untereinander, es waren umkämpfte Spiele, und es ging immer auch darum, wer die Nummer eins im Kreis ist“, sagte die gebürtige Elsdorferin Doris Fitschen, ehemalige Nationalspielerin und frühere Managerin der deutschen Frauen-National-Mannschaft.

Dass in Wohnste der Frauen-Fußball-Einzug halten würde, wurde vor gut 50 Jahren von vielen Kennern der Szene eher als „Schnapsidee“ angesehen. Doch weit gefehlt, die Mädels trotzten den Pessimisten. „Wir standen mit unserer Clique an der Theke in Behrmanns Kneipe und diskutierten darüber, mit einer Mannschaft am Spielbetrieb teilzunehmen. Dann trafen wir uns am Silvester-Nachmittag mit 12 Mädchen in unserer Halle und haben den Ball hin und her geschoben“, sagte Gisela Hauschild. In der Folgezeit ging man ins Detail und ein Austausch mit Hannes Klindworth fand statt. Der Bürgermeister und MTV-Vereinsvorsitzende zeigte sich eher skeptisch, bot aber seine Unterstützung an. Nach einer Vorstandssitzung erhielt das Meyer-Team die Erlaubnis, sich für den Spielbetrieb anzumelden. „Hannes meinte, dass Frauen-Fußball doch nur eine Modesache und nach zwei Jahren vorbei sei“, erinnert sich Hauschild, die als Spielerin zur engen Verbündeten von Coach Meyer wurde.

Danach ging es in die Vollen, das erste Testspiel fand während der Ostertage 1971 gegen die SG Rotenburg/Scheeßel statt. Die Ankündigung in der Presse sorgte für ein großes Interesse, zum Spiel kamen 1600 Leute und sahen eine 0:2-Niederlage.

„Es waren viele Neugierige unter den Zuschauern. Das erste was wir hörten war, wie schaut es denn mit einem Trikottausch aus“, so Gisela Hauschild mit einem Augenzwinkern. Dass fußballerisch nicht viel zusammenlief, war zu erwarten. „Wir waren uns nach dem Spiel einig, dass es viele Defizite gab, die durch ein intensives Training abgestellt werden mussten. Sehr auffällig war, dass dort, wo der Ball war, sich viele Spielerinnen tummelten“, so die Spielführerin, die mit einer stark motivierten Truppe 1971/1972 in die erste Saison startete.

Und auch Günter Meyer betrat mit jungen 30 Jahren als Trainer völliges neues Terrain, sorgte jedoch mit überschaubaren Übungsinhalten für eine kontinuierliche Entwicklung. Das Ergebnis am Saisonende konnte sich sehen lassen. In der 12er-Staffel wurde hinter dem VfL Sittensen die Vizemeisterschaft geholt. „Die Aufgabe von Günter war schon herausfordernd und Vieles Neuland für ihn. Doch er hat durch seinen unbändigen Willen, sein großes Engagement und einem großen organisatorischem Können alles super hinbekommen“, lobte Hauschild.

In der zweiten Saison gewann das Team um das Torjägerinnen-Duo Hertha Burfeind und Irene Meibohm souverän den Titel, verstärkte sich anschließend mit erfahrenen Spielerinnen vom Buxtehuder SV und holte in den weiteren Spielzeiten 20 Mal den Titel in Folge. „Dass ich von Buxtehude nach Wohnste gewechselt bin, war eine tausendprozentige Punktlandung. Und es war meine allerbeste Zeit in menschlicher und sportlicher Hinsicht. Das Team samt Trainer suchte seines Gleichen und passte zu der Zeit. Die vielen Mannschaftsfahrten bleiben unvergessen. Noch heute trifft sich der damalige harte Kern regelmäßig in der Apensener Kultkneipe Fofftein“, sagte Gisela Schliecker. Und die wird von der ehemaligen Mitspielerin Marlies Hauschild betrieben.

Nach der Bezirksliga-Meisterschaft 1977 (35:1 Punkte/100:4 Tore) stieg die Meyer-Elf in die Verbandsliga auf. Doch das stellte sich als eine finanzielle Mega-Herausforderung dar. „Die immensen Kosten hätten wir nicht allein stemmen können. Doch glücklicherweise gab es im Verein viele gute Freunde, die sich bereit erklärten, uns zu den Spielen zu fahren. Eine echte Goldrandlösung. Der Auswärtsspieltag war schon zeitaufwendig. Es ging morgens um neun Uhr los, und nicht selten kamen wir gegen 21 Uhr zurück“, sagte Meyer, der unter anderem gegen namhafte Klubs wie Wolfsburg, Braunschweig oder Salzgitter antreten musste. Nach zwei guten Saisons war die Luft raus und es ging freiwillig runter in die Landesliga.

Motivation ungebrochen
Doch die Motivation blieb weiter ungebrochen und viele Highlights, wie ein Spiel gegen eine Norwegische National-Mannschaft (0:9), gingen in die MTV-Analen ein. Da reihte sich auch das Pokalhalbfinale 1986 gegen den VfL Wolfsburg ein. „Wir haben uns einen tollen Fight geliefert, doch knapp mit 1:3 verloren“, erinnert sich Libera Gisela Hauschild, die 1996 als Spielerin ihren Abschied nahm, dDoch dem Team weiterhin als Betreuerin und gute Seele erhalten blieb. Und auch nach ihrem Abschied 2011 erfährt die Sittenserin immer noch eine große Wertschätzung im Verein. „Gisela hat gemeinsam mit Günter viel für den Verein getan, den Frauen-Fußball von der Pike auf entwickelt. Und auch heute noch hilft und unterstützt sie gerne“, sagte Carmen Krause, stellvertretende MTV-Vorsitzende und Spielerin.

Mit dem Aufstieg in die Landesliga (2020) nehmen die Kickerinnen von Trainer Thomas Löhn wieder erfolgreiche Fahrt auf. „Wir hatten schon eine schwierige Zeit zu überstehen. Doch mit der Integration eines sehr guten Nachwuchsjahrganges den Sprung von der 1. Kreisklasse in die Landesliga geschafft“, so Obmann Andreas Schmidt.

Und auf Nachfrage zollt Hannes Klindworth der Gruppe um Trainer-Legende Meyer großes Lob. „Dass sich der Frauenfußball so entwickeln würde, hätte ich nicht erwartet. Da hat Günter einen großen persönlichen Einsatz und viel Engagement gezeigt“, so der ehemalige Vorsitzende.

Zum Erfolgsteam von Güner Meyer gehörten: Lisa Stöver, (†), Roswitha Gerken, Hilde Obudzinski, Silke Duden, Hertha Burfeind, Gisela Schliecker, Hannelore Meyer, Ingrid Mandel, Marion Rehsinger, Karin Fohrmann (†), Manuela Nebelsiek, Christine Cordes, Maria Bendig, Gisela Hauschild, Günter Meyer, Irene Meibohm, Hans Klindworth (Schiedsrichter/†).

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Aufrufe: 09.1.2021, 08:30 Uhr
Zevener Zeitung / Manfred KrauseAutor

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