Das Hoffen auf den schnellen Wiederbeginn

Tristesse und Hoffnung: So geht es den Amateurfußballern

Über 40 Fußballer (w/m/d) aus dem Landkreis Stade antworteten auf unsere fünf Fragen. Die meisten von ihnen haben eigentlich keinen Sonntag erlebt, an dem sie nicht 90 Minuten über den Rasen rannten und grätschten. Wie geht es den eingefleischten Fußballern in der Region? Fünf Fragen – viele Antworten. Hier folgt ein kleiner Ausschnitt, der im STADER/BUXTEHUDER/ALTLÄNDER TAGEBLATT am 6. März 2021 veröffentlicht wurde.

1. Was machst du in dieser langen fußballfreien Zeit? Wie hältst du dich fit?

Christian Wolff, Spielertrainer der AHSG Harsefeld/Apensen II: „Momentan kann man ja nicht viel machen. Ich habe aber das Glück, noch regelmäßig zur Arbeit gehen zu dürfen. Hinzu kommt, dass man versucht, soviel Zeit wie möglich mit seinen Kindern verbringen zu können. Fit zu bleiben ist wichtig, meine freie Zeit versuche ich mit joggen auszufüllen. Übrigens habe ich meinen Jungs die Pistole auf die Brust gesetzt. Wer am meisten zugelegt hat nach der Corona Pause, gibt eine Bratwurst für die komplette Mannschaft nach dem ersten Training aus."

Adrian Husmann, Defensivspieler vom TSV Buxtehude-Altkloster: „Ich gehe regelmäßig laufen und halte mich zusätzlich mit verschiedenen Workouts fit. Für die Ballbehandlung muss leider die PlayStation herhalten.“

Marten Brandt, Spieler des Deinster SV und Sprecher seines Teams: „Wenn man selber nicht gegen den Ball treten kann, muss man sich ja zwangsläufig andere Beschäftigungen suchen. Ich glaube, viele von uns verfolgen den Profifußball und andere Sportarten im Fernsehen. Außerdem wird sicherlich mal die eine oder andere Serie „durchgesuchtet“ und viele zocken Fifa. Der Fachmann nennt das „Daddeln im Speckmantel“. Damit der Speckmantel nicht zu ausladend wird, haben wir mit der gesamten Mannschaft eine Laufapp eingerichtet, über die man auch das Ranking innerhalb der Truppe einsehen kann. Besonders pikant: Wer am Ende des sportlichen Lockdowns in der unteren Hälfte der Lauftabelle steht, muss, wenn es soweit ist, der oberen Hälfte ein Essen bei Wohlers' Niedersachsenschänke in Fredenbeck ausgeben (schöne Grüße an der Stelle!). Manche können jetzt schon mal ihr Sparbuch beim Knax-Club plündern, die werden ausgenommen wie eine Weihnachtsgans!"

Norman Pehmüller, Trainer SV Dornbusch Frauen: „Nach meiner 3. schweren Knie OP im Februar 2020 nutze ich die fußballfreie Zeit, um mich wieder so richtig auf Vordermann zu bringen. Dazu zählen Krafttraining, Laufen und gesundes Essen. Das "Feuer" brennt noch lichterloh und Alter ist nur eine Zahl. Allein der Wille zählt. Da möchte ich als Trainer auch als Vorbildfunktion gesehen werden, und gehe sozusagen vorne weg. Das bezieht sich dann auch auf das Training, wenn es wieder losgeht. Mal sehen, wer mit mir dann mithalten kann"

2. Wie ist deine persönliche Gemütslage?

Oliver Winterling, Spieler SV Ottensen und ab Sommer Trainer der U15 beim TSV Apensen:

"Mir persönlich gehts soweit gut, meiner Familie auch, ich kann arbeiten und komme soweit klar. Natürlich fehlt mir der Fußball. Ich bin aber erwachsen und kann das richtig einordnen. Ich mache mir große Sorgen um unsere Jugend und befürchte, dass viele die Lust am Fußball verlieren. Ich weiß von vielen Jugendlichen, dass ihnen das soziale Miteinander fehlt, es wird rund um die Uhr vorm Computer gesessen, es wird sich schlecht ernährt, die Lust auf andere Dinge schwindet, einige fangen bereits früher als normal das Rauchen und das Trinken an - das musste ich leider am vergangenen Wochenende bei ehemaligen U14-Spielern von mir feststellen. Ich glaube, dass wir das Ausmaß der 'Kollateralschäden', die die Lockdowns nach sich ziehen, noch gar nicht einschätzen können, ich befürchte aber, dass diese immens sein werden. Das Gleiche gilt auch für die schulischen Auswirkungen - aus meiner Sicht hätte man die Zeit zwischen dem ersten und dem zweiten Lockdown nutzen können, um ein schulisches Konzept zu entwickeln, das den Kindern weiterhin ein Maß an Anwesenheit und somit sozialen Kontakten gewährt - leider hat die Politik hier aus meiner Sicht versagt. Ich bin kein Corona-Leugner o.ä., aber aus meiner Sicht wird durch die Maßnahmen sehr viel 'anderer' Schaden angerichtet, der in vielen Fällen irreparabel ist - vor allem bei den Kindern und Jugendlichen."

Torben Hildebrandt, Co-Spielertrainer VSV Hedendorf/Neukloster III:

"Natürlich vermisse ich den Fußball, das Beisammensein, das Fachsimpeln auf und neben dem Platz und natürlich unsere VSV Supersonntage. Allerdings sehe ich die getroffenen Maßnahmen auch als sehr sinnvoll und absolut notwendig an. Die Situation muss zunächst unter Kontrolle kommen, bevor wir wieder auf den Platz können. Der Amateursport muss hier ganz klar hinten anstehen."

Sven Letsch, Spieler beim Schwinger SC in der 1. Kreisklasse:

"Natürlich ist derzeit alles schwierig und angespannt, aber dennoch kann ich durch die Arbeit noch mit vielen anderen Leuten sprechen, wobei auch mal etwas zum Lachen dabei ist. Das sollte in dieser Zeit auch das Wichtigste sein, dass wir alle unseren Humor nicht verlieren."

Celina Stock, Spielführerin SV Drochtersen/Assel Frauen:

"Ich schätze, ich würde lügen, wenn ich sage, dass es mir gut geht. Mir macht es aber eher weniger zu schaffen, was ich durch diese Pandemie gerade durchmache, denn ich bin in einer weitaus besseren Situation, als manch andere Menschen auf dieser Welt. Mich stimmt es eher traurig, was gerade ganz viele andere Menschen erleben müssen. Väter in Kurzarbeit, die ihre Familie unterhalten müssen. Alleinerziehende Mütter, die versuchen müssen, ihre Kinder irgendwo unter zu bringen, damit sie ihrer Arbeit nachgehen können. Menschen, die im Krankenhaus oder im Heim keinen Besuch empfangen dürfen. Selbstständige, die Angst um ihre Existenz haben. Die Liste ist lang und ich könnte ewig so weiter machen. Ganz zu schweigen von all dem anderen Leid auf dieser Welt, welches es schon vor der Pandemie gab. Aber das ist es, was mich oft traurig macht und ich wünsche jedem ganz viel Kraft und Durchhaltevermögen in dieser schweren Zeit. Hoffen wir, dass diese ganz bald zu Ende ist."

Silke Koslowski, Spielerin der Ü30-Frauen des TSV Großenwörden und Betreuerin der Frauen des SuSV Heinbockel:

"So lala. Ich bin gesund und auch meiner Familie geht es gut.
Mir fehlen aber natürlich die normalen Dinge des Lebens. Vereinsleben, Friseur, Shoppen. Und Kinder in der Schule und nicht mit Mama beim Homeschooling."

3. Wie sieht euer Teamzusammenhalt ohne persönliche Kontakte aus?

Noah Krämer, Spielertrainer der 3. Herren des TuS Harsefeld und beim JFV A/O/B/H/H: „Am Anfang des 2. Lockdowns lief es noch sehr gut. Ich habe ihnen Aufgaben gegeben, sie haben sie erledigt. Wir waren alle in Kontakt, aber irgendwann lässt nun mal auch die Motivation nach, weil einfach keiner weiß, wann es endlich wieder losgeht. Von daher schwächt es immer weiter ab. Ich sehe die Gefahr, dass es einige Leute geben wird, erst recht im Breitensport-Kinderbereich, die mit Fußball aufhören werden aufgrund dieser langen Pause, da sie das Computerspielen oder sonstiges mehr für sich entdeckt haben."

Frank Sandmann-Litfin, Schiedsrichter und Jugendtrainer, Deinster SV:

„Als Schiedsrichter tauschen wir uns viel virtuell aus, der Kreis-Schiedsrichter-Ausschuss hat hier ein online Schulungskonzept etabliert. In virtuellen Lehrabenden wird neben Schulungsinhalten auch als Quizform zum Regelwerk und Rund um den Fußball dass Wissen vertieft und abgefragt. Aber das ersetzt leider bei aller Liebe zum Sport nicht den persönlichen Kontakt auf dem Platz mit den Teams oder als Trainer mit den Mädels und Jungs und deren Eltern. Gerade in der Jugend besteht die Gefahr, dass der oder die eine oder andere nach der Corona-Pause keine Lust mehr zum Sport hat. Das wäre schade, quasi der Super Gau"

Thore Baumgarten, Spieler beim MTV Himmelpforten: „Der Teamzusammenhalt ist echt Wahnsinn bei uns, so einen Zusammenhalt habe ich bei mir in der Jugendzeit oder kurzen Herrenzeit noch nicht erlebt. Wir treffen uns auch so zwischendurch über Zoom, um einfach mal dummes Zeug zu quatschen und das eine oder andere Weizengetränk zu uns zu nehmen."

Michel Junge, Spieler bei der Spielvereinigung Drochtersen/Assel IV: „Unser Team ist sowieso eine sehr geile Einheit, auch abseits des Feldes. Die Entwicklung in der Hinrunde war einfach überragend und übertraf die Erwartungen. Ich bin mir sicher, dass wir, wenn wir endlich wieder gegen den Ball treten können, noch mehr Zusammenhalt haben. Da gibt man automatisch noch ein paar Prozent mehr."

4. Hast du nach dieser langen Zeit eigentlich noch Lust, dem Vereinssport wieder nachzugehen?

Tristan Feldtmann, Spieler beim ASC Cranz-Estebrügge IV: „Oh ja! Und wie! Ich kann es kaum erwarten, endlich wieder auf dem Platz zu stehen. Zu kämpfen, Spaß zu haben und mit den Jungs Faxen zu machen"

Eric Schäfer, Spieler beim TSV Buxtehude-Altkloster: „Auf jeden Fall! Eigentlich sollte diese Saison meine letzte aktive sein, aber so kann man ja nicht aufhören! Ich freu mich unglaublich wieder zu kicken und die Jungs zu sehen! Mehr Bedenken habe ich da im Jugendbereich! Ich bin selber noch Trainer einer U13 und habe schon ohne Corona gemerkt, dass es bei vielen Kindern immer schwerer wird, den Fußball attraktiver als die Playstation oder so zu machen. Diese Kinder bei der Stange zu halten und voll motiviert zurück zu holen wird sicherlich bei einigen eine Herausforderung!"

Marcus Lasonczyk, Offensivspieler des TSV Wiepenkathen II aus der 1. Kreisklasse: „Ich bin mit Vereinssport groß geworden, habe dadurch viele Freunde gefunden, vieles fürs Leben gelernt und könnte ohne gar nicht. Das Gefühl morgens aufzustehen, 3 Stunden vorm Treffen und sich fertig zu machen, um natürlich wieder zu spät zu kommen, obwohl man den kürzesten Weg zum Treffpunkt hat, sich direkt das Gelaber der Jungs anzuhören (wie hässlich man ist) und dann das Umziehen in der Kabine, wo erstmal gemeckert wird, warum die Trikots noch nass sind. Und dann Einstimmung auf das Spiel bei geiler Musik auf dem Weg aus der Kabine auf das Spielfeld, das gerade frisch gemäht und nass ist. Heute Topspiel gegen Immenbeck, Michael Brunsch von FuPa ist natürlich am Start und Lasonczyk macht 3 Buden (LACH)! Was gibt es Geileres? Ob ich überhaupt noch Lust habe? Mehr denn je! Und ich denke, den anderen geht es ganz genauso."

Maximilian Puschmann, Spieler beim MTV Hammah II: „Was für eine Frage - selbstverständlich! Jeden Tag fiebert man darauf, dass es endlich wieder heißt „Fußballschuhe an, Bälle raus und ab auf den Platz!“ Man vermisst das Gefühl, was es bedeutet, das Trikot des MTV Hammah zu tragen und auf dem Platz alles für das Team zu geben.

5. Meinst du, dass die Stadien der Profis, wenn es irgendwann wieder erlaubt wird, wieder so voll werden, wie vor Corona oder sitzen doch viele lieber vor dem Fernseher?

Jörg Wichern, Mannschaftsverantwortlicher FC Oste/Oldendorf Altsenioren: „Dieses Jahr glaube ich nicht mehr daran! Vielleicht mit 5000 Zuschauern höchstens! Geisterfußball kotzt einen trotzdem an, aber wenn der HSV aufsteigt, kann ich persönlich damit leben"

Marc-Ole Iwersen, Spielertrainer beim TuS Eiche Bargstedt III: „Gerade dann werden sie wieder voll sein. Ohne Fans im Stadion lohnt es sich sowieso nicht, die Spiele im Fernsehen anzuschauen. Fans sind der Grund für die große Popularität der Bundesliga in Deutschland und weltweit. Die breite Masse regt sich über fehlende Solidarität in Profiligen auf, weil die Spieler frisch rasierte Köpfe haben. Dass aber seit Mai ununterbrochen überhaupt weitergespielt wird, während unterklassige Ligen nicht oder nur kurz gespielt haben, stört niemanden. Auch die Tatsache, dass reihenweise der anfangs knappen Corona-Tests für die Tests der Akteure verschwendet wurden und sich trotzdem immer weniger an das eigene Hygienekonzept gehalten wird, nimmt der ignorante Fußballkonsument einfach hin.“

Nico Wellm, Trainer des MTV Hammah II: „Da ich selbst Dauerkarteninhaber bin und merke, wie man das Stadionfeeling vermisst, gehe ich stark davon aus, dass die Stadien wieder voll werden. Die Emotionen und das ganze Drumherum wird derzeit jedem echten Fußballfan und Stadiongänger fehlen und jeder brennt nur darauf, wieder in die Stadien gehen und seinen Verein zu Supporten."

Kevin Speer, Co-Trainer SV Ahlerstedt/Ottendorf: „Ich denke schon, dass die meisten Fans nach und nach wieder in die Stadien gehen. Ich hoffe jedoch viel mehr, dass die Zuschauer vor Ort ihren Amateurverein unterstützen, die Amateurplätze wieder voll werden und wir endlich wieder unserem geliebten Hobby nachgehen können."

Sven Hubert, Jugendtrainer JSG Altes Land U 16 und Spieler beim ASC Cranz-Estebrügge III: „Sobald es möglich ist, wollen alle wieder Live-Fußball sehen. Aber wichtiger ist es für die Jugendlichen, wieder auf dem Platz zu stehen. Mittlerweile sind einige aber ein bisschen angefressen, dass die großen Stars ohne große Einschränkungen weiterspielen dürfen. Es wird sich wie vor Corona umarmt und gejubelt und die Mädels und Jungs dürfen sich noch nicht mal mit zwei Freuden gleichzeitig treffen. Den Unmut kann ich schon verstehen.“

Die ausführlichen und kompletten Antworten von allen Teilnehmern findet ihr hier bei FuPa:

https://www.fupa.net/berichte/sv-ahlerstedtottendorf-stimmung-auf-dem-nullpunkt-2757064.html

www.fupa.net/berichte/mtv-himmelpforten-der-fussball-wuerde-den-alltag-erleichtern-2757239.html

https://www.fupa.net/berichte/schwinger-sc-viele-spaziergaenge-mit-dem-nachwuchs-2756566.html

https://www.fupa.net/berichte/asc-cranz-estebruegge-endlich-wieder-spass-haben-und-faxen-m-2755544.html

https://www.fupa.net/berichte/tus-harsefeld-fraglich-ob-im-kinderbereich-alle-weitermachen-2755410.html

https://www.fupa.net/berichte/sv-drochtersenassel-kommt-der-nagel-fuer-die-schuhe-wieder-a-2756230.html

https://www.fupa.net/berichte/mtv-hammah-fussball-training-mit-abstand-waere-schoen-2755701.html

https://www.fupa.net/berichte/deinster-sv-gefahr-besteht-bei-den-jugendlichen-2755810.html

https://www.fupa.net/berichte/sv-ahlerstedtottendorf-fans-sollen-amateurvereine-unterstuet-2755812.html

...und viele mehr....

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Aufrufe: 07.3.2021, 18:00 Uhr
Michael BrunschAutor

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