Am vergangenen Wochenende wurde der Geschichte des wunderbaren Amateurfußballs ein weiteres, denkwürdiges Kapitel hinzugefügt. Als ob die Wettergötter aller Religionen vorher am runden Tisch die Friedenspfeife geraucht hätten, strahlte die Sonne von einem märchenhaften, weißblauen Himmelzelt herab auf den Mount Queck. Bereits eine Stunde vor Anpfiff kollabierte die Parkplatzsituation und war vergleichbar mit so manchem Hauen und Stechen um die letzten Plätze bei einem Champions League-Kracher. Doch auch in der Arena musste improvisiert werden. So wurden Zusatztribünen in Form von Biertischgarnituren aufgestellt. So manch pfiffig-findiger Ultra kletterte mit Feldstecher auf einen der zahlreichen Bäume, um dem Spielgeschehen besser folgen zu können. Da kamen Erinnerungen auf an die Sechziger Jahre, als selbst bei Bundesligaspielen verwegene Fans hoch oben, im Geäst sitzend, Profifußball schauten.
Gründe für diese Masseneuphorie gab es viele. Immerhin empfing der SV Rot-Weiß Queckenberg mit TuRa Oberdrees II das absolute Monsterschwergewicht der Liga. Außerdem bedeutet diese Paarung auch Derbygroßkampftag, der nur vom ewigen Classico gegen Schwarz-Weiß Merzbach überboten werden kann! Der Gegner reiste mit voller Kapelle an, die schon fast an einen Spielmannszug erinnerte. In dessen Reihen klimperten nicht nur viele altgediente Ex-Profis, sondern auch einige Kicker mit Queckenberger Fußballvergangenheit. Ganz anders, jedoch nicht neu, die Situation bei Leifers Beelzebuben: eigentlich beschlich den Mann mit de Plät bei jeder Partie in der Rückrunde das Gefühl, sich mit dem letzten Aufgebot in die Schlacht zu werfen. Doch diesmal konnten die Queckies da sogar noch einen draufsetzen! Als dreckiges Dutzend (mit Breininger und einem mysteriösen Phantom auf der Bank) stürzte man sich in das nächste Abenteuer. Dabei plagte selbst in der ersten Legion nicht wenige noch das Zipperlein von der letzten rot-weißen Mission.
Trotz dieser aus personeller Sicht absolut ungleich verteilten Rollen zu Gunsten der Gäste staunte man im proppenvollen Rund nicht schlecht über das Spielgeschehen. Denn der (vermeintlich größere) Fußballsach- und -fachverstand hüben wurde von einem gigantischen Kämpferherz drüben nicht nur bravourös niedergekämpft, sondern zuweilen auch spielerisch sehenswert ausradiert. So war es Schütt, immer wieder Schütt, der unnachahmlich die Seinen zu Höchstleistungen antrieb. Unterstützt von wieselflinken Flügelflitzern und mit einem Mannschaftsgeist, wie man ihn 1954 bei dem legendären Wunder von Bern spüren konnte, spielten die Kerle von der Madbach absolut auf Augenhöhe mit den Dreeser Teilzeitprofis. Alle Mannschaftsteile arbeiteten vorbildlich nach hinten und machten den Laden einbruchsicher. Zudem glänzte die Abwehr mit einer hervorragend funktionierenden, weil extrem böse-lisitig justierten Abseitsfalle. Diese schnappte des Öfteren hörbar scheppernd zu und strapazierte empfindlich das ohnehin etwas dünne Nervenkostüm der Gäste. Vorne wirbelte sich Zöpfchen Zimmer die Lunge aus dem Hals und hatte einen Riesen auf dem rechten Vollspann. Leider verfehlte sein Geschoss ebenso das Ziel wie zwei dicke Dinger von Mr. Überall (K)Lasse Schütt. U.a. bei einem Kopfball war der RWQ-Mob jubelbereit. Doch irgendwie wurde das Spielgerät noch kurz vor der Linie geklärt. Natürlich hatte auch die TuRa-Reserve Möglichkeiten, um in Führung zu gehen. Trotzdem war man sich grundsätzlich einig, dass das 0:0 zur Halbzeit doch ein klitzekleinwenig schmeichelhaft war für den Tabellenführer.
Im zweiten Durchgang nahmen die Madbachelfen ihr Herz weiter in beide Hände, rannten um ihr Leben und zwangen die bisweilen ratlos wirkenden Gäste wie auch schon in Halbzeit eins zu uninspiriertem Ballgeschiebe rund um deren eigenen Sechzehner. In der 53. Minute musste man dann doch die bittere Pille in Form eines Gegentreffers schlucken. Aber die Rot-Weißen schufteten weiterhin für ihren Traum von Toren und Punkten. Dementsprechend motiviert bis in die mitunter nicht mehr vorhandenen Haarspitzen wurde Fußball geackert und gerackert, gekämpft und geklotzt und bisweilen auch extrem augenfreundlich gespielt und gezaubert. Dadurch ergaben sich weitere Chancen, u.a. für Hocke, Watty und abermals Schütt. Doch die vermaledeite Bude sollte oder vielmehr wollte einfach nicht gelingen, auch weil Leifers Treffer aberkannt wurde, weil er mit der linken Brustwarze im Abseits stand (58.). So blieb es weitere 27 Minuten voller rot-weißer Leidenschaft, voller Temperament, glühendem Fußballfieber und gieriger Fußballgeilheit bei der knappen, (un)glücklichen Gästeführung. Das lag aber auch am überragenden und bisweilen katzenartig reagierenden Neff zwischen den RWQ-Pfosten. Wie beflügelt lag der Keeper mehrmals, quer über dem Boden des Fußballtempelbergs schwebend, in den Lüften und entschärfte die wenigen, jedoch immer gefährlichen Geschosse scheinbar mühelos. Mit einem Doppelschlag kurz vor Spielende stellte der Spitzenreiter dann innerhalb von vier Minuten auf 3:0 und gestaltete das Ergebnis aus seiner Sicht noch etwas standesgemäß (85./89.). Dem konnten die Queckies nun nichts mehr entgegensetzen. Platt wie die berühmte Flunder aber auch unheimlich berauscht ließen sie sich nach dem Abpfiff vollkommen zu Recht für diesen Galaauftritt feiern und genossen den donnernden Jubelorkan von den noch immer prall gefüllten Stehtraversen. Auch von den Gegnern, die nun, nach Spielende wieder zu Kumpels wurden, gab es anerkennende und lobende Worte für diesen schweinegeilen Galaauftritt.
Das Derby stand unter der großartigen Leitung des Schiedsrichterurgesteins Manfred Ringelmann. Markus Becker (ja, er hat einen Vornamen) bestritt vor den Augen seiner Tochter, seiner Frau und seines Vaters sein 226. Pflichtspiel. Damit hat er einen Einsatz mehr auf dem Buckel als der sagenhafte Monstereinwerfer Raphael Klemm und ist nun Rekordspieler, seit im Jahre 2011 die Statistiken wieder neu eingeführt wurden. Als kleine Randnotiz, die ausnahmsweise gar nichts mit Fußball zu tun hat, sei ebenfalls erwähnt, dass die Dreeser in der dritten Halbzeit versuchten, den Mount Queck leerzutrinken. Es ist wohl absolut überflüssig zu betonen, dass dieser (wohlgemerkt) Versuch recht eindrucksvoll in das Reich der Fabeln verwiesen werden konnte. Für die Madbachtitanen geht es erst am 12.04. weiter. Dann kämpft man ab 11:00 Uhr beim 1. JFC Brüser Berg IV um Ruhm, Ehre und hoffentlich auch wieder um Punkte. Der RWQ wünscht all seinen fantastischen Fans Frohe Ostern und freut sich auf das nächste Wiedersehen mit EUCH!
Erste Legion: Neffster – Köbes, Becker-Becker, Capitano, Speedy Gonzales – Mr. Reibekuchen, Mann mit de Plät, Mr. Zuverlässig, Mr. Überall, Hockster – Zöpfchen