
Über Mohammed Sadki sagt ein Mitschüler am Comenius-Gymansium in Oberkassel: „Mo ist bescheiden und zurückhaltend, überhaupt nicht arrogant.“ Bei unserem Treffen in einem Oberkasseler Café bestätigt sich diese Beschreibung. Der 17-Jährige Mo Sadki ist kein Mann großer Worte. Der offensive Mittelfeldspieler der U19 der Fortuna beschränkt sich auf das Wesentliche, hält den Ball möglichst flach.
Das Aufnahmegerät wird also nicht heiß laufen. Die Zurückhaltung und das freundliche Lächeln machen Mohammed Sadki aber auch ohne lange verbale Ausflüge sympathisch. „Ich bin ein ruhiger Typ, ich höre lieber zu, als selbst zu reden.“
In der türkischen Jugendnationalmannschaft lässt der Sohn einer Türkin und eines Marokkaners lieber Ball und Beine als die Zunge sprechen, auch weil sein Türkisch ausbaufähig ist. Ob bei der Fortuna oder in den Farben des Nationalteams: So sehr sich Sadki neben dem Spielfeld in Bescheidenheit übt, so stürmisch ist die hängende Spitze, die über den Flügel den direkten Weg zum Tor sucht, auf dem Platz. „Meine Stärken liegen im Eins gegen Eins, im Tempodribbling, sowie im Abschluss. Ich liebe es, in riskante Situationen zu gehen. Luft nach oben habe ich in engen Drucksituationen, aber da arbeite ich dran.“
Eine Beschreibung, die in Teilen auch auf einige Stars aus dem hoch bezahlten Fußball zutrifft, etwa Ronaldo, Dembele und Mbappé. Es ist daher kein Zufall, dass die drei Ausnahmekönner zu den Vorbildern des Fortuna-Eigengewächses zählen, das seit der U13 das rot-weiße Trikot trägt.
Vorbild ist auch sein „Bruder“, wie Mo seinen Freund Tevfik Köse nennt. Sadki hat seinen Freund zur Unterstützung mitgebracht. Der 37-jährige Deutsch-Türke spielte für Bayer Leverkusen sowie für türkische Erst- und Zweitliga-Klubs. Er kennt Mohammed Sadki, seitdem dieser zwölf Jahre alt ist, jetzt sind sie in Lörick Nachbarn. „Ich habe den Weg des Profis, den Mo gehen möchte, bereits hinter mir. Ich kenne die Szene und kann ihm bereits im Vorfeld viele Steine aus dem Weg räumen. Ich möchte Mo vor den Fehlern bewahren, die ich gemacht habe.“ Köse hatte Berater - nicht immer zu seinem Vorteil. „Je erfolgreicher Mo wird, desto mehr ,Freunde‘ wird er haben, die letztlich aber vor allem an sich selbst denken.“ Der Ex-Profi glaubt an Sadki, weil er neben seinen fußballerischen Qualitäten auch andere wichtige Voraussetzungen mitbringe: „Mo ist extrem ehrgeizig, sowohl in der Schule als auch im Fußball. Er gibt alles dafür.“
Den Eifer hebt auch Fortunas U19-Trainer Engin Vural bei seinem Schützling hervor. „Er neigt zum Perfektionismus. Ein Schuss mehr Lockerheit täte Mo sicherlich gut.“ Schon vor einem Jahr, als Sadki noch U17-Spieler war, half das Talent in der U19 aus. Und beeindruckte sein Team - und seine Kontrahenten. „Mo ist ein sehr unbequemer Gegenspieler. Er ist immer in Bewegung, hat ein gutes Tempo und sieht bei allem Tordrang auch immer den besser postierten Mitspieler“, urteilt Vural. Sadki sei ein absoluter Teamplayer, sei stets höflich und habe immer ein Lachen auf den Lippen.
Den Perfektionisten nervte die halbjährige Zwangspause, die er aufgrund einer Schambeinentzündung und einer Hüftoperation einlegen musste, aus der Spurt bringen konnte sie ihn nicht. Inzwischen hat Sadki wieder Anschluss gefunden. Die U19 der Fortuna ist auch wegen seiner Treffer nach sechs Siegen in sechs Spielen mit 15:2 Toren Tabellenführer der DFB-Nachwuchsliga B.
Das Gesamtpaket aus Schule, Fortuna und Nationalteam braucht neben Ehrgeiz auch viel Struktur, Disziplin und Organisationstalent. „Von Januar bis März dieses Jahres hatte ich mit der Türkei acht Länderspiele. Ich war oft und lange weg, bis zu zwei Wochen am Stück.“ Und genau in diesem Zeitfenster lag auch die heiße Paukphase. „Ich musste die Klausuren nachschreiben. Während der Nationalmannschaftsphase ist es natürlich sehr schwer, zu lernen. Es war stressig, ich habe es aber in Absprache mit meinen Lehrern unter einen Hut gebracht.“ Die Noten jedenfalls stimmen. „Es ist nicht so, dass ich Fußball und Schule als große Belastung empfinde, beides macht mir Spaß. Insofern ist das eine ein positiver Ausgleich für das andere. Für Freunde und Familie bleibt auch noch Zeit.“
Den Wunsch, Profi zu werden, verfolgt Sadki konsequent. Nach dem Abitur im kommenden Jahr will sich der Rechtsfuß vor allem auf den Fußball konzentrieren - ohne allerdings Ausbildung und Studium als mögliche Alternativen aus dem Blick zu verlieren. Bei allem Talent gibt niemand Sadki eine Garantie, dass er mit Fußball seinen Lebensunterhalt wird bestreiten und Geld auf die hohe Kante wird legen können. „Es ist natürlich der Traum eines jungen Spielers, auf dem höchsten Niveau zu spielen. Dies möchte ich am liebsten bei der Fortuna erreichen.“
Der Haken: Bis der Verein diese Stufe erklommen hat, dürfte noch viel Wasser den Rhein hinunter fließen. Der ehrgeizige Mohammed Sadki wird neben viel Energie und Willen auch Geduld in das Projekt Profifußballer bei der Fortuna stecken müssen.