
Geduld mit dem Trainer? Der deutsche Profifußball hatte bei diesem Thema zuletzt eine kurze Zündschnur. Seit März setzten alleine acht Zweitligisten ihre Übungsleiter vor die Tür, einige waren nicht mal ein halbes Jahr im Amt. Im Amateurfußball haben die Vereine oftnoch mehr Geduld mit ihren Trainern. In der Region Mönchengladbach und Viersen hielten sich die Trainerwechsel in der aktuellen Spielzeit von der Oberliga bis zur Kreisliga A in Grenzen. Trotzdem steht nicht überall noch der Trainer an der Seitenlinie, der die Mannschaft vor vielen Monaten in die Saison führte. Aber wurde es mit neuem Übungsleiter besser? Ein Überblick.
Achteinhalb Jahre waren Trainer Andreas Schwan und Union Nettetal eine Einheit. Doch in dieser Spielzeit nahm diese Beziehung ein Ende: Im siebten Jahr der Oberliga-Zugehörigkeit steckte die Mannschaft tief im Tabellenkeller fest. Konsequenz: Schwan, der eigentlich erst im Sommer 2025 gehen wollte, gab bereits zum Jahresende 2024 sein Amt auf.
Für ihn übernahm Kemal Kuc, der in Summe aber ebenso glücklos wie Vorgänger Schwan blieb. Zwar gewann Nettetal zwischenzeitlich drei Spiele in Serie, doch dieser Aufschwung kam zu spät, um den Klassenverbleib noch zu realisieren. Drei Spieltage vor Saisonende beträgt der Rückstand auf den Nichtabstiegsplatz acht Zähler. Kuc hat die Mannschaft zwar stabilisiert, die sportliche Bilanz für Union bleibt in dieser Saison jedoch ernüchternd. Daran hat der Trainerwechsel nichts geändert.
Die Hinrunde des ASV in der Landesliga lief zunächst vielversprechend und endete auf Tabellenplatz vier. In der Rückrunde gab es – auch aufgrund von Verletzungspech – allerdings nur noch neun Punkte unter Trainer Frank Mitschkowski. Ein Teil der Mannschaft sprach sich für einen Trainerwechsel aus, der Verein griff das auf – und Mitschkowski warf hin. Damit endete kurz vor Saisonende seine vierjährige Amtszeit.
Ob diese Entscheidung eine gute war, wird sich erst kommende Saison zeigen. Immerhin zeigte die Entwicklung in Süchteln unter Mitschkowski grundsätzlich nach oben. Ein Nachfolger steht noch nicht fest. Aktuell leitet der vorherige Co-Trainer Volker Hansen die Mannschaft. Ob er den Job auch nach Saisonende weiter ausführt, ist noch offen. Zwei Siege aus drei Spielen haben Hansen zumindest gute Argumente geliefert.
Die Erwartungen waren vor Saisonbeginn niedrig. Mit solch einem Abschneiden dürfte im Verein aber niemand gerechnet haben: Nach 28 Spielen stehen lediglich neun Zähler auf dem Konto. Aufstiegstrainer Fabian Wiegers warf bereits im Winter hin, nachdem es in 17 Spielen nur zwei Punkte gegeben hatte.
Seitdem versuchen Sören Goltz und Martin Stroetges die Saison einigermaßen würdevoll zu Ende zu bringen, sportlich gab es für das Interimsduo ohnehin nichts zu gewinnen. Immerhin gelangen gegen Kapellen (3:1) und Unterrath (5:3) in den vergangenen Wochen die ersten beiden Saisonsiege – mehr als man im Winter erwarten konnte. Ab Sommer übernimmt Björn Feldberg das Traineramt.
Nach neun sieglosen Spielen trennte sich der Verein Anfang April von Reservetrainer Carlos Miguel. Rein von den Ergebnissen war es eine nachvollziehbare Entscheidung. Der Ablauf der Trennung führte jedoch dazu, dass 15 Spieler sich daraufhin vom Verein abmeldeten. Nachfolger Klaus Hammann trat somit keine einfache Aufgabe an, kann aber zumindest auf einige Spieler aus dem Landesliga-Kader zurückgreifen, da der 1. FC Viersen diese Mannschaft vor einigen Wochen zurückgezogen hat.
Hammann hat in sechs Spielen drei Siege und zehn Punkte geholt. Sportlich könnte sich dieser Trainerwechsel mit dem Klassenverbleib also auszahlen. Derzeit rangiert Viersen II auf Platz 13 knapp vor der Abstiegszone.
Gleich zwei Trainerwechsel gab es in dieser Spielzeit beim 1. FC Mönchengladbach. Die Saison startete mit Tim Schmitz, der mit drei Siegen aus den ersten vier Spielen einen vielversprechenden Start hinlegte. Im Anschluss gab er den Job aus zeitlichen Gründen jedoch freiwillig auf. Als Nachfolger beförderte der Verein intern Evgenij Tajlakov.
Aus zwölf Spielen sammelte Tajlakov nur zwei Siege, wodurch der 1. FC nahe an die Abstiegszone rutschte. Nach der Neuordnung des Vorstands Ende Februar mit Timo Wendelen als neuen Vorsitzenden rückte Tajlakov wieder zurück in die Rolle des A-Junioren-Trainers. Seitdem leitet Michael Stegner interimsmäßig die Mannschaft – unterstützt von Ex-Coach Schmitz und Marc Gülzow als Assistenten. Dieser Schritt zahlte sich aus: Fünf Siege holte das neue Trainerteam seitdem und hat den Klassenverbleib gesichert.
Den ersten Trainerwechsel in Odenkirchen gab es bereits im Sommer: Noch bevor Thomas Placzek sein Amt antrat, kam es im Juni zur Trennung. Das Vakuum auf der Trainerstelle füllte zunächst der Sportliche Leiter Damian Schriefers aus, ehe mit Saisonstart Jakob Scheller als Übungsleiter verpflichtet wurde.
Eine Saisonvorbereitung hatte Scheller mit der Mannschaft nicht. Im Ligaalltag wurde dann schnell deutlich, dass die Mannschaft sportlich hinterherläuft: Mit Scheller holte Odenkirchen nur zwei Siege aus zehn Spielen. Der Verein zog die Reißleine und holte Aufstiegstrainer Simon Sommer zurück. Im Anschluss ging es zunehmend aufwärts, in 16 Spielen gab es seitdem 19 Punkte. Für den direkten Klassenverbleib kam der Aufschwung jedoch zu spät. Odenkirchen muss sich womöglich über die Relegation retten.
Der Aufstieg in die Kreisliga A war ein großer Erfolg. Inzwischen ist aber viel Ernüchterung in den Verein eingezogen. Nach gutem Saisonstart führten acht Niederlagen in Serie vor der Winterpause zum Bruch zwischen Aufstiegstrainer Klaus Ernst und dem Verein. Nachfolger Sawwas Panagiotidis trat ohne neue Spieler für die Rückrunde eine schwierige Aufgabe an. Aus 13 Spielen gab es nur einen Sieg. Der Abstieg zurück in die Kreisliga B ist inzwischen besiegelt.
