2026-04-09T03:39:01.720Z

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Mitten im Abstiegskampf: Marvin Haug vom BC Attaching II mit bemerkenwerter Fair-Play-Aktion

Fußball A-Klasse 6

von Manuel Eser · Heute, 17:00 Uhr · 0 Leser
Der Ball war diesmal nicht ihr Freund: Die BCA-Männer – hier eine Spielszene mit (v. l.) Fareed Tourey und Marvin Haug – traten mit leeren Händen die Heimfahrt an.
Der Ball war diesmal nicht ihr Freund: Die BCA-Männer – hier eine Spielszene mit (v. l.) Fareed Tourey und Marvin Haug – traten mit leeren Händen die Heimfahrt an. – Foto: Michalek

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Im Abstiegskampf hat Marvin Haug am Samstag das 1:0 für seinen BC Attaching II erzielt. Doch zum gefeierten Mann des Spiels wurde er wegen einer Aktion, mit der er die Niederlage seines Teams einleitete.

Dieses Spiel wird Marvin Haug für immer in Erinnerung bleiben. Seit über acht Jahren kickt der 34-Jährige beim BC Attaching. Doch die Herausforderung, die ihm am Samstag im A-Klassen-Spiel gegen den SV Oberhaindlfing gestellt wurde, hat der altgediente Recke in seiner langen aktiven Laufbahn noch nie erlebt. Seine Entscheidung hat ihm mehr eingebracht als einen Sieg auf dem Rasen.

Dabei hätte seine Mannschaft Punkte im Abstiegskampf bitter nötig gehabt. Umso größer der Jubel, als Haug, als Defensivkraft eigentlich fürs Verhindern von Toren zuständig, bereits nach vier Minuten das 1:0 für sein Team erzielt. Doch nicht der Treffer machte ihn zum Gewinner des Spiels, sondern der Moment, als beim Stand von 1:1 ein Ball in Richtung Attachinger Tor zusteuerte. „Ich habe gesehen, dass unser Torwart vergeblich versucht, noch an den Ball zu kommen“, berichtet Haug dem Tagblatt. „Ich bin dann eingelaufen und wollte klären. Ich habe den Ball auch noch vor der Linie berührt, konnte aber nicht mehr verhindern, dass er hinter der Linie aufschlägt.“

Zwischen Fairplay und innerem Konflikt

Der Schiedsrichter, der offenbar selbst nicht gesehen hatte, ob der Ball im Tor war, ging zu Haug und fragte nach. „Ich wollte dem Schiedsrichter nicht ins Gesicht lügen“, berichtet er dem Tagblatt. „Ich habe ihm deshalb gesagt, dass ich den Ball deutlich hinter der Linie gesehen habe.“ Mit der außergewöhnlichen Fair-Play-Aktion besiegelte der Attachinger das 1:2 – und letztlich die 1:3-Niederlage seines Teams. Ein innerer Konflikt zwischen Fairness und Loyalität zur Mannschaft folgte: „Ich habe mich in die Kabine gesetzt und mich bei der Mannschaft entschuldigt, weil ich sie mit meiner Entscheidung geschwächt habe. Im Abstiegskampf hätten wir die Punkte gut gebrauchen können.“

Doch die Reaktionen waren alles andere als Vorwürfe. Seine Mitspieler stärkten Haug den Rücken: „Jeder hat gemeint: Das ehrt Dich“, berichtet Haug. Auch Trainer Thomas Stampfl betont: „Es war absolut richtig, was Marvin gemacht hat. Da gibt es keinen Zweifel. Er hat nichts falsch gemacht. Im Gegenteil: Es ist wichtig, fair zu bleiben.“ Für den Coach zählt, dass Ehrlichkeit belohnt wird, auch wenn es auf dem Spielfeld Punkte kostet: „So etwas kriegst du gutgeschrieben. Das gleicht sich im Lauf der Saison aus“, sagt Stampfl.

Auch der Gegner zollt höchsten Respekt

Einige Spieler des BC Attaching kritisierten den Schiedsrichter dafür, dass er Marvin Haug in diese „blöde Situation“ gebracht habe, anstatt die Tor-Entscheidung selbst zu treffen. Doch auch den Referee verteidigt der Defensivspieler: „Ich bin froh, dass wir in den unteren Klassen noch Schiedsrichter haben, die die Zeit aufwenden, um Spiele zu pfeifen – auch wenn sie nicht alles sehen oder nicht alles schnell und sofort richtig entscheiden“, so der 34-Jährige.

Der Respekt erstreckte sich auch auf die gegnerische Seite. Oberhaindlfings Trainer Norbert Vogler zeigte sich beeindruckt: „Das habe ich noch nie erlebt. Er hätte sagen können, dass er es nicht gesehen hat.“ Nach dem Spiel gratulierte er Marvin Haug abseits des Platzes: „Das war die Aktion des Jahrhunderts.“