2026-03-13T07:45:35.464Z

Spielbericht

Mitreißendes Derby bleibt ohne Sieger

von Norbert Schifferdecker · Heute, 06:14 Uhr · 0 Leser

Nach dem Grottenkick des vergangenen Spieltags hatten sich die KSV-ler für das Nachbarschaftstreffen einen deutlich besseren Auftritt vorgenommen. Und sie lieferten, vornehmlich in der ersten Hälfte, in der sie sich zur klar überlegenen Mannschaft mauserten und eine verdiente 2:0-Führung herausschossen. Sie versäumten es allerdings, die zahlreicheren Chancen effizienter auszunutzen und kassierten fast mit dem Pausenpfiff stattdessen den unnötigen 2:1-Anschluss des VSV. Im zweiten Abschnitt erzielten beiden Teams innerhalb von drei Minuten jeweils zwei Tore. Aber nicht nur deshalb bekamen die Zuschauer eine bis in die Nachspielzeit spannende, kampfbetonte und dennoch spielerisch ansprechende Partie mit einer souveränen Schiedsrichterin (Chantal Kohl, KSC) zu sehen.

Die Hausherren nahmen von Beginn an das Heft in die Hand und hatten gleich zwei gute Gelegenheiten. VSV-Keeper Giuliano Israel war für Hassan Hout bei einer Dribbeleinlage aber Endstation (4.) und bei der anschließenden Ecke sprang der Kopfball von Robin Schempf von der Lattenunterkante zurück ins Feld (5.). Wenige Augenblicke später sorgte dann ein Freistoß von Hout für die KSV-Führung. Sein Freistoß aus dem Halbfeld fand den Weg an Freund und Feind vorbei und zu aller Überraschung den Weg ins lange Eck zum 1:0 (6.). Die Stumpf-Truppe zeigte nun einige lange nicht gesehene Angriffsaktionen, denen es jedoch an der letzten Konsequenz im Abschluss fehlte. So hielt Israel einen Schuss von Dennis Bäuerle ohne Probleme (9.), ebenso wie die Versuche von Bjarne Waßmuth (16., 17.). Bis dahin hatten die Gäste lediglich von einem Faux-pas in der KSV-Defensive profitiert, wobei Robin Beck eine gute Gelegenheit liegen ließ und am Kasten vorbei zielte (10.). Als Lukas Batke eien feinen Eckball über die Querbalken gesetzt hatte (20.), wurde die Partei ausgeglichener und Spielzüge mit Torszenen blieben nun Mangelware. So war es nicht überraschend, dass das 2:0 aus einer sehenswerten Einzelleistung resultierte. Dennis Bäuerle ließ einige Gegner stehen und ließ in Arjen-Robben-Manier mit einem Flachschuss neben den entfernten Pfosten die Anhänger jubeln (38.). Die Ernüchterung kam wenig später, als eine Co-Produktion der Kanoukov-Entourage kurz vor dem Halbzeitpfiff die Ausgangslage für die Stutenseer verbesserte. Vadim ließ man auf der rechten Seite flanken und im Fünfer reagierte Marcel schneller und bugsierte die Kugel zum 2:1 ins Tor (45.+1). Auf der anderen Seite hatte Lukas Eckert bei einer Hereingabe von Tom Niederer noch eine Gelegenheit, konnte diese per Direktschuss nicht genau genug platzieren (45.+2).

Nach Wiederbeginn gestaltete sich das Match bis in die Schlussviertelstunde weiterhin ausgeglichen. Zunächst war aber die Pfattheicher-Truppe wacher und agiler und schockte die Waldstädter mit zwei Toren innerhalb von drei Minuten. Von der rechten Angriffsseite brachte Christoph Joram eine Rechtsflanke in den Strafraum, wo Kapitän Batke den Ball mit eher gemächlicher Geschwindigkeit aber zielgenau neben dem Pfosten zum Ausgleich ins KSV-Gehäuse beförderte (49.). Nach einem Freistoß näherten sich die KSV-ler mit einem Schulter-“Kopfball“ von Schempf zwar unverzüglich, aber erfolglos dem VSV-Kasten (50.). Praktisch mit dem Gegenzug ließen sie sich dann erneut über die rechte Angriffsseite überrumpeln. Robin Beck brachte ungehindert einen gefühlvollen Flankenball in den 16-er, wo der von der unsortierten Heimabwehr vernachlässigte Vadim Kanoukov ebenso unbehelligt mit einer herrlichen Direktabnahme zum 2:3 Christian Becker wiederum keine Abwehrchance ließ (51.). Die Nordsternler schüttelten sich aber schnell und fanden wieder ins Spiel zurück. Schon der von Eckert gehaltene Versuch in der 53. Minute war ein erstes Anzeichen und zehn Minuten später gelang ihnen ebenfalls ein Doppelpack. Im Verlaufe eines Freistoßes kam Jan Hunfeld im dicht besetzten Strafraum an den zu kurz abgewehrten Ball und hämmerte diesen vehement zum 3.3 in die Maschen (63.). Zwei Minuten später setzte Robin Schempf mit einem weitem Anspiel Hout in Szene, der sich mit einem starken Dribbling in Schussposition brachte. Aus rund 14 Metern finalisierte er dann seinen Auftritt mit einem sehenswerten Schuss in den Torwinkel zum ebenfalls heftig bejubelten 4:3 (65.). Hout schoss kurz darauf noch knapp am Pfosten vorbei (69.) und auch Waßmuth verfehlte um wenige Zentimeter den Kasten (76.). In der Folge erarbeiteten sich die Gäste mehr Spielanteile und drängten auf den Ausgleich. Der lag Sekundenbruchteile auch in der Luft, als Marcel Hemberle stramm und platziert aus 20 Metern abgezogen hatte. Das Erfolgserlebnis wurde nur von Teufelskerl Becker mit einer fantastischen Parade verhindert (87.). Die Rot-Weißen ließen dennoch nicht locker und hatten zwei Minuten später Pech, dass der Ball an der Unterkante des Balkens abgeprallt, aber nicht sicher hinter der Linie aufgekommen war (89.). Das eigentlich Vermeidbare sollte die Gastgeber aber dann doch noch ereilen, und wiederum über die linke Abwehrseite eingeleitet. Diesmal war Piet Moysich der Flankengeber, auf dessen Zuspiel V. Kanoukov erneut flinker reagiert und zum 4:4 eingedrückt hatte (90. +3).

Kurz darauf war Schluss und die Reaktionen waren verständlich sehr unterschiedlicher Art. Die KSV-ler werden etwas länger für die Verarbeitung brauchen. Aber das nächste Spiel steht schon an. Und das ist ja nicht nur der bekannten Fußballweisheit wegen so. Die Einstellung und die gezeigten Leistungen lassen verhaltenen Optimismus zu, vor allem wenn diverse Unzulänglichkeiten minimiert werden können (Hans-Dieter Brumm, Karlsruher SV).