2026-04-08T12:04:42.690Z

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Mit der Wormatia in Liga zwei: Horst-Dieter Strich wird 85

Für den VfR Wormatia Worms stand Horst-Dieter Strich einst in Liga zwei zwischen den Pfosten +++ Nun führt er eine Jugendtorwartschule und feiert heute seinen 85. Geburtstag

von Matthias Bähr · Heute, 13:30 Uhr · 0 Leser
Seine Frau Roswitha hilft bei so mancher „Baustelle", aber auch mit 85 Jahren ist der ehemalige Bundesliga-Torwart Horst-Dieter Strich fit genug für den Fußballplatz und die Arbeit in seiner Jugendtorwartschule.   Foto: Christine Dirigo/pakalski-press
Seine Frau Roswitha hilft bei so mancher „Baustelle", aber auch mit 85 Jahren ist der ehemalige Bundesliga-Torwart Horst-Dieter Strich fit genug für den Fußballplatz und die Arbeit in seiner Jugendtorwartschule. Foto: Christine Dirigo/pakalski-press

Worms. An diesem Mittwoch feiert die Wormser Fußballlegende Horst-Dieter Strich seinen 85. Geburtstag. Eine Legende, die noch voll im Saft und in seiner Jugendtorwartschule steht, mit der er jungen Keepern die Kunst des Bällehaltens näherbringt. Somit ist es gesundheitlich gut um ihn bestellt. „Einige Baustellen sind aber nicht wegzuleugnen. Ich bin froh, dass ich bei meiner Frau Roswitha in bester Obhut bin“, schränkt er aber ein wenig ein.

Dieser Text wird euch kostenlos zur Verfügung gestellt von der Allgemeinen Zeitung und Wormser Zeitung.

Von der Nibelungenstadt auf den Betzenberg

Horst-Dieter Strich wurde am 8. April 1941 in Berlin geboren. 1951 ging es nach Rheinhessen, wo sein Vater Hanns-Joachim später Verantwortung in einem Bauprojekt im Liebenauer Feld in Worms übernahm und bald auch der junge Horst-Dieter im Tor des VfR Wormatia zeigen konnte, was er draufhatte. „Fast jeden Tag legte er den langen Weg von der Ludwigstraße zur Alzeyer Straße zurück und noch heute sind ihm die Worte „Bu, soll ich dir doin Pennel oistelle?“, die ihm der damalige Wormatia-Platzwart fast täglich entgegenrief, in bester Erinnerung. Mit diesem in der Höhe verstellbaren Torwart-Pendel gelang es ihm, sein Spiel zwischen den Pfosten zu verbessern und ins Oberliga-Tor der Wormatia und später dann in das des Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern zu gelangen.

Dort bekam er zwar einen sagenumwobenen Acht-Jahresvertrag, doch mit dem gleichaltrigen Wolfgang Schnarr auch einen ebenbürtigen Konkurrenten. Das konnte nicht lange gutgehen. Obwohl sich viele Arbeiter der Kaiserlauterer Pfaff-Werke auf der Straße vor seiner Wohnung offen ihre Sympathie bekundeten, zog es Strich zum niederländischen Traditionsclub PSV Eindhoven. Danach nach Nürnberg, zum traditionsreichen Club und zum FC Bayern Hof, mit dem er immerhin im Jahr 1968 an der Aufstiegsrunde zur Bundesliga teilnahm.

Strich ist mehrfacher Aufstiegstrainer

Im Januar 1981 wurde Strich Trainer bei der Wormatia. Kaum dort angekommen stand das große Derby beim VfR Bürstadt in der Zweiten Liga Süd an. Es schien so, als sei dem gastgebenden VfR nach der frühen Führung durch Karl-Heinz Walter der Sieg nicht mehr zu nehmen. Doch plötzlich witterten die Wormaten um Bernd Nathmann, Heinz Lubanksi und Alfred „Ali“ Oehrlein Morgenluft, sodass Letzterer den Ball zum 1:1 über die Linie drücken konnte. „Dieses Unentschieden hat uns so beflügelt, dass wir letztlich auch den Sprung in die eingleisige Liga packten“, startete Strich mit seinem Heimatverein damals eine Erfolgsserie, mit der der Erhalt der Zweitklassigkeit verbunden war.

In die eingleisige Zweite Liga aufzusteigen, das wurde nun zu Strichs Spezialität. Denn nicht nur mit dem VfR Bürstadt gelang ihm 1984 dieses Kunststück, sondern vier Jahre später auch mit Mainz 05 nach einem unvergessenen 3:2 im Spitzenspiel gegen Eintracht Trier vor 9.000 Zuschauern.

Spielvorbereitung bis ins kleinste Detail

Horst-Dieter Strich war für seine akribischen Spielvorbereitungen bekannt und analysierte die Spielweise der Gegner so, als würde es gegen den FC Bayern München gehen: „Von der Augenfarbe bis zur Schuhgröße habe ich alles über die gegnerischen Spieler gewusst.“ Er kann aber auch die Strenge gegenüber dem eigenen fußballerischen Personal nicht leugnen: „Wer nicht funktionierte, flog aus der Mannschaft.“ Erreicht hat er viel mit seinen Vereinen. Auch mit Hassia Bingen (1995 bis 1997 Oberliga Südwest) und der TSG Pfeddersheim, die er in der Saison 1991/92 sogar mit nur sieben Gegentoren in die Oberliga führte. Damals war das noch die dritte Liga.