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Mit dem Brachelen-Banner zur WM

Alex Bauer ist einer der verrücktesten Fans der deutschen Nationalmannschaft. Der Brachelener hat seit 15 Jahren kein Spiel verpasst. Wie er sich auf die WM vorbereitet hat und an günstige Tickets gekommen ist – und was ihn an der Stimmung in den Stadien stört.

von Mario Emonds · 13.06.2026, 20:00 Uhr · 0 Leser
5,50 Meter in der Länge und 80 Zentimeter in der Breite misst das markante Brachelen-Banner von Alex Bauer (Mitte, in Schwarz). Damit ist der 46-Jährige nun auch bei der WM wieder vor Ort.
5,50 Meter in der Länge und 80 Zentimeter in der Breite misst das markante Brachelen-Banner von Alex Bauer (Mitte, in Schwarz). Damit ist der 46-Jährige nun auch bei der WM wieder vor Ort. – Foto: Alex Bauer

Jedes Fußballspiel, das Alex Bauer vor Ort besucht, trägt er fein säuberlich in sein spezielles Büchlein ein - vom WM-Finale in den ganz großen Stadien bis zum Jugendspiel „seines“ SV Brachelen auf dem heimischen Sportplatz. „Rund 315 Spiele im Jahr kommen so zusammen“, erzählt der 46-Jährige. Im Schnitt schaut der wohl verrückteste Fußballfan des Kreises Heinsberg also ziemlich genau sechs Spiele die Woche.

Aktuell steht er bei 140 Spielen für 2026. Der Brachelener hofft sehr, dass er nach der nun beginnenden Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko bei 148 Partien stehen wird. Denn das würde bedeuten, dass die deutsche Nationalmannschaft die Maximalzahl von acht Begegnungen bestreiten würde, also bis zum Schluss beim Turnier dabei wäre.

Das Brachelen-Banner ist offiziell angemeldet

„Das wäre natürlich klasse“, sagt der Brachelener Lokalpatriot. Wie immer bei den Spielen von Borussia Mönchengladbach und der deutschen Nationalmannschaft, bei denen er bis zum unwichtigsten Einlagespiel keine Partie vor Ort verpasst, wird er auch bei der WM wieder mit seinem markanten Brachelen-Banner in den Stadien sein. „Ich hoffe sehr, dass ich das auch überall aufhängen kann.“ Das sei freilich keine Selbstverständlichkeit. „Sowohl bei der WM 2010 in Südafrika als auch bei der WM 2014 in Brasilien gab es enorme Probleme, ist das Banner von den Ordnern immer wieder entfernt worden.“ Geradezu paradiesische Verhältnisse hätte es dagegen vor zwei Jahren bei der EM im eigenen Land gegeben. „Da war das überhaupt kein Problem“, bekräftigt Bauer, der seit der EM 2004 in Portugal bei allen Welt- und Europameisterschaften dabei war.

Immerhin ist der Brachelener in formell-bürokratischer Hinsicht auf der sicheren Seite: „Ich habe das Banner bei der Fifa offiziell angemeldet, und es ist auch genehmigt worden.“ Was ihm aber vorab ein wenig Kopfzerbrechen bereitet: „Meine Tickets sind alle im mittleren Rang. Ich hoffe, die Ordner lassen mich überhaupt durch, um nach unten zu kommen und dort das Banner aufzuhängen.“

Bauer profitiert vom Fan-Ranking

Apropos Eintrittskarten: Angesichts der horrenden Ticketpreise stellt sich zwangsläufig die Frage, wie Bauer das überhaupt stemmen kann - der reguläre Preis für die günstigsten Finaltickets liegt bei 3750 Euro. Bei dieser Frage kann Bauer allerdings quasi eine Total-Entwarnung geben: „Ich bin in den vergangenen Wochen häufig gefragt worden, wie ich mir das überhaupt leisten kann, ob ich etwa Millionär geworden sei. Was natürlich nicht der Fall ist. Sollte Deutschland bis zum Ende dabei sein, kosten mich die acht Tickets zusammen 414 Euro.“ Wie bitte? „Ja, egal ob Vorrunde oder Finale: Für jede Karte zahle ich 60 Dollar, also etwa 51,80 Euro. Das ist doch wirklich ein fairer Preis, oder? Allein das Finale 2014 in Rio de Janeiro hatte mich 500 Euro gekostet.“

Wie das kommt? „Zum einen bin ich Gründungsmitglied des 2003 aus der Taufe gehobenen offiziellen DFB-Fanklubs Nationalmannschaft. Vor allem aber stehe ich im nationalen Fan-Ranking ganz weit oben“, sagt er. Für jedes besuchte Länderspiel gebe es Punkte. „Maßgeblich sind die letzten 15 Spiele. Die habe ich natürlich alle auch besucht - egal, wo die waren. Aktuell stehe ich damit bei 36 Punkten - das ist Bestwert“, sagt Bauer. Neben ihm hätten deutschlandweit nur acht weitere Fans diesen Status. Somit habe er ein Anrecht auf stark vergünstigte Karten.

Urlaubstage werden zur knappen Ressource

Dass er ein Fußball-Junkie in Bezug auf die Nationalmannschaft und da völlig schmerzfrei ist, gibt er frank und frei zu. Beispiel gefällig? Selbstverständlich war Bauer auch schon beim Abschlusstest der deutschen Mannschaft am Samstag in Chicago gegen die USA im Stadion - um danach aber direkt erst mal für ein paar Tage wieder in die Heimat zu fliegen. „Sonst wäre ich mit den Urlaubstagen nicht mehr hingekommen. Da muss ich sparsam mit umgehen - speziell dann, wenn Deutschland weit kommen sollte und ich also lange vor Ort bin.“ Um da ein bisschen mehr Puffer zu haben, habe er zuletzt „Überstunden ohne Ende“ gekloppt. „So habe ich noch Pfingsten durchgearbeitet.“

Die drei deutschen Vorrundenspiele gegen Curacao in Houston, gegen die Elfenbeinküste in Toronto und gegen Ecuador in New York wird Bauer gemeinsam mit drei Brachelener Kumpels besuchen. Danach verabschieden die sich - dann kommt als neuer Begleiter der Kückhovener Lukas Küppers. „Die Hotels haben wir alle schon gebucht.“

Sollte Deutschland wie erwartet Gruppensieger werden, wäre das Sechzehntelfinale in Boston und das Achtelfinale in Philadelphia. Da kommen also dann auch noch einige Inlandsflüge dazu. Auch wenn die Ticketkosten für Bauer erstaunlich gering sind, stellt sich natürlich die Frage, was ihn der gesamte Spaß in etwa kosten wird. „Es wird günstiger, als ich zunächst kalkuliert habe. Mit Tickets, Unterkünften, Verpflegung und Flügen zusammen würden für die fünfeinhalb Wochen rund 10.000 Euro anfallen.“

Selfies statt Stimmung stören den Vielfahrer

Keine großen Hoffnungen mache er sich, viele weitere Spiele neben den deutschen Begegnungen sehen zu können. „Bei England gegen Kroatien und Frankreich gegen den Irak bin ich aber am Stadion. Vielleicht geht ja dann ticketmäßig doch noch was. Meine Schmerzgrenze liegt bei 200 Euro pro Karte. Klappt es nicht, werde ich dann eben von einer Kneipe aus diese Spiele verfolgen.“

Was die Stimmung betrifft, geht er nicht von einer überbordenden Begeisterung in den Stadien aus. „Die USA und Kanada sind ja nicht so die Fußballnationen - und in Mexiko bin ich nicht.“ Und auch bei den deutschen Spielen sind für seinen Geschmack schon seit Längerem zu viele Eventfans im Stadion. „Die sind mehr an Selfies als am Spiel interessiert, sind andauernd mit ihrem Handy beschäftigt. So was regt mich sehr auf. Man geht doch ins Stadion, um die eigene Mannschaft anzufeuern. Eine Stimmung wie im Mönchengladbacher Borussia-Park erwarte ich bei der WM jedenfalls nicht.“

Und weil das so ist, freue er sich im Grunde auch schon weit mehr auf die Europameisterschaft 2028 in Großbritannien und Irland. „Da wird eine weit bessere Stimmung herrschen als bei der WM. Davon bin ich absolut überzeugt.“