2025-12-03T05:51:34.672Z

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Mirko Boland kickt jetzt in der Oberliga.
Mirko Boland kickt jetzt in der Oberliga. – Foto: Sönke Ehlers

Mirko Boland muss jetzt kleinere Brötchen backen

Mirko Boland gehört zu den wenigen Fußballern aus dem Kreis Kleve, die es zum Profi und Bundesliga-Spieler gebracht haben. Mit 38 Jahren kehrt der Reeser nun zu seinen Wurzeln zurück. Warum er plötzlich „nur noch“ Amateur ist.

Er kann es einfach nicht lassen. Mirko Boland wird auch in der kommenden Saison wieder gegen den Ball treten. Der aus Rees stammende Fußballer ist mittlerweile 38 Jahre alt und wird weiter seiner Passion nachgehen. „Ich bin immer noch mit ganz viel Leidenschaft dabei. Ich brenne für den Sport“, sagt Boland. Doch etwas ist anders. Nach 439 Spielen als Profi tritt Boland künftig „nur noch“ als Amateur an.

Nach dem Abstieg mit seinem Verein, dem SV Todesfelde aus Schleswig-Holstein, aus der Regionalliga Nord gilt es nun im Punktekampf, in der Oberliga zu bestehen. Und der Klub hat sich für die Saison 2025/26 einiges vorgenommen. „Wir haben ein ambitioniertes Ziel und wollen oben mitspielen. Ob es mit der Rückkehr in die Regionalliga klappt, bleibt abzuwarten, da neben der U23 von Holstein Kiel noch drei bis vier weitere Teams um den Titel spielen werden“, sagt Boland. Er weiß genau, wovon er spricht. Schließlich war Boland in seinen neun Jahren bei Eintracht Braunschweig Fanliebling und wurde von den Anhängern als Fußballgott tituliert.

Alles begann beim SV Rees

Für den heute 38-Jährigen fing damals alles beim SV Rees an. Doch schon 2002 wurden die Scouts der Profiklubs auf den schnellen, lauffreudigen und nimmermüden Mikro Boland aufmerksam. Der FC Schalke 04 holte ihn nach Gelsenkirchen. Zwei Jahre blieb er bei den Knappen. Zu seinen Mitspielern gehörte damals auch Manuel Neuer. Der spätere Welttorhüter stand zwar ab und an zwischen den Pfosten, doch auch im Feld unterstrich er sein Talent.

Ein Wiedersehen zwischen Boland und Neuer gab es im Jahr 2011, als Eintracht Braunschweig im Pokalwettbewerb auf Bayern München traf. Zwar gab es für Bolands Team eine 0:3-Niederlage, doch schon vor der Partie gab es zwischen den alten Weggefährten eine herzliche Umarmung. Und nach dem Abpfiff gab es für Boland obenauf noch das Trikot von Deutschlands bestem Torwart.

Noch ein weiteres Spiel wird Mirko Boland immer im Gedächtnis bleiben. Beim 5:5 zwischen Eintracht Braunschweig und Fortuna Düsseldorf gehörte er zu den Protagonisten. „Das war ein ganz wildes Spiel und ist nach wie vor sofort präsent“, sagt Boland. Im Jahr 2009 spielte die Fortuna um den Aufstieg und lag in Braunschweig gleich viermal vorne. Zwei Elfmeter – einen schoss der junge Boland – ließ die Eintracht ungenutzt. In der 62. Minute glich er aber in seiner ersten Spielzeit für die Braunschweiger Löwen zum zwischenzeitlichen 4:4 aus. „Solche Spiele vergisst man nicht. Das ist Gänsehaut pur“, sagt Boland rückblickend.

Erster Profivertrag beim MSV

Drei Jahre blieb er „auf Schalke“, dann war der MSV Duisburg die nächste Station. 2007 unterschrieb er dort seinen ersten Profivertrag. Aber auf einen Einsatz in der ersten Mannschaft wartete er vergeblich. Zwar wurde er von den Trainern Rudi Bommer und Peter Neururer das eine oder andere Mal in den Kader berufen, doch zum Zuge kam das Talent nicht. Im Abstiegskampf setzten die Trainer auf erfahrenere Kräfte.

Aber da Mirko Boland unbedingt spielen wollte, stand ein Wechsel an. Es ging ab in die Dritte Liga. Für den Reeser war das der richtige Schritt, denn bei Eintracht Braunschweig setzte Trainer Torsten Lieberknecht auf junge und hungrige Spieler, die nach Erfolg lechzten. „Die Entscheidung, zur Eintracht zu gehen, war eine der besten meines Lebens. Das war ein absoluter Glücksgriff und eine Zeit, die ich niemals missen möchte“, schwärmt der 38-Jährige.

Mit Meisterleistung in die Bundesliga

Schon sechs Spieltage vor dem Ende der Saison 2010/11 stand die Eintracht als Aufsteiger fest. Im Jahr danach reichte es zu einem Mittelplatz. Aber in der Spielzeit 2012/13 war die Eintracht nicht zu bremsen. 14 Spieltage blieb das Team ungeschlagen, letztlich war nach 28-jähriger Bundesliga-Abstinenz die Rückkehr in die deutsche Elite-Liga in trockenen Tüchern.

„Unbeschreibliche Szenen spielten sich damals ab. Die ganze Stadt stand Kopf“, sagt Boland. „Wir sind zwar sofort wieder abgestiegen, doch wir haben eigentlich gut mitgehalten. Es fehlte etwas an Kaltschnäuzigkeit und einigen wenigen Punkten.“ Drei Jahre blieb der Reeser noch in Braunschweig, dessen auslaufender Vertrag dann aber nicht verlängert wurde.

Es folgten zwei Spielzeiten bei Adelaide United, die sich sehen lassen konnten. Zweimal konnte Boland den australischen Pokalwettbewerb mit seinem Team gewinnen. „Es war ein wundervolles Erlebnis in Down Under. Meine Frau und ich haben tolle Menschen kennengelernt. Außerdem ist die Lebensqualität in Australien sehr hoch“, sagt er.

Zurück in Deutschland ging es zum VfB Lübeck, ehe sich Boland 2024 dem SV Todesfelde anschloss, dem Verein, dem er helfen will, direkt wieder in die Regionalliga aufzusteigen. Das Team steckt schon mitten in der Vorbereitungsphase und hat auch schon einige Testspiele hinter sich gebracht. Mit seiner Routine und seinen Führungsqualitäten will der gebürtige Reeser sein Team auf Kurs bringen. Erfahrung hat er schließlich genug.

Aufrufe: 013.7.2025, 10:00 Uhr
RP / Hans SterbenkAutor