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Analyse

Millionen-Streit und ein "digitales Vereinsheim"

Boom auf dem Papier, Existenzangst auf dem Platz: Während der DFB historische Rekorde feiert, treiben steigende Kosten und wegbrechende Sponsoren unsere Amateurvereine schleichend in den Ruin.

von Isaija Zecevic · 01.10.2026, 09:47 Uhr · 0 Leser
DFB – und was kommt unten an?
DFB – und was kommt unten an? – Foto: André Nückel

Wer die offiziellen Pressemitteilungen, die aufwendig gestalteten Hochglanzbroschüren und die jährlichen Statistiken des Deutschen Fußball-Bundes aufmerksam studiert, reibt sich beim Blick auf die Realität vor Ort verwundert die Augen. In den Erklärungen der Verbandsspitze in Frankfurt am Main wird der Amateurfußball im ländlichen und städtischen Raum gerne als pulsierendes, stabiles und rundum kerngesundes Fundament der gesamten deutschen Sportlandschaft inszeniert. Die nackten Mitgliederzahlen in den einzelnen Landesverbänden steigen kontinuierlich an und der massive Zulauf an der Basis wird nach den mageren Jahren der Pandemie von DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann regelmäßig als historischer Erfolg gefeiert. Auf dem geduldigen Papier steht der Breitensport glänzend da, ein Rekord folgt dem nächsten, die Kurven der Grafiken zeigen steil nach oben, und die Funktionäre klopfen sich auf den großen Verbandstagen gegenseitig auf die Schultern, während sie sich im Erfolg der glänzenden Statistiken sonnen.

Wer jedoch die echten Vereinsheime in den Kreisen und Bezirken betritt, die unbezahlten Stunden der ehrenamtlichen Vorstände zählt und einen ehrlichen Blick in die Clubkassen wirft, sieht ein völlig anderes, düsteres Bild. Der deutsche Breitensport steckt in einer tiefen Identitätskrise. Er erlebt einen statistischen Boom, aber gleichzeitig einen existenziellen Überlebenskampf an der wirtschaftlichen und personellen Basis.


Während die Sportplätze am Wochenende voll besetzt sind, die Kabinen aus allen Nähten platzen und der Spielbetrieb scheinbar reibungslos rollt, kämpfen die Vereine hinter den Kulissen am nackten Existenzminimum. Es ist das größte Paradoxon des modernen Sports, dass mehr Aktivität und mehr Sportler auf dem Platz nicht zu mehr Wohlstand führen, sondern zu einer immer größeren Belastung für diejenigen werden, die das gesamte System ehrenamtlich tragen. Die Basis blutet schleichend aus, während die Verbandsspitze die Korken knallen lässt.


Der Aufwärtstrend bei den Neuanmeldungen ist schwarz auf weiß dokumentiert und lässt sich nicht wegdiskutieren. Laut der offiziellen DFB-Mitgliederstatistik für die Saison 2025/2026 stieg die Zahl der Mitgliedschaften auf ein Allzeithoch von exakt 8,2 Millionen Menschen. Seit dem Jahr 2022 hat der deutsche Fußball massiv an Gewicht gewonnen und mehr als 1,1 Millionen neue Mitgliedschaften hinzugewonnen. Ein riesiges Plus verzeichnen vor allem die Mädchenmannschaften, deren Gesamtzahl im Vergleich zur Vorsaison signifikant um 630 Teams auf nun 6.662 Mannschaften nach oben geklettert ist – ein Wachstum von mehr als zehn Prozent. Blickt man explizit in den Norden, auf den Schleswig-Holsteinischen Fußballverband (SHFV), verzeichnet dieser mittlerweile rund 177.499 Mitglieder in circa 567 Vereinen, die zusammen 3.743 Mannschaften stellen.

Für die Clubs vor Ort bedeutet dieser Zuwachs jedoch keineswegs eine finanzielle Entlastung oder gar sprudelnde Einnahmen. Im Gegenteil geht die Schere zwischen den laufenden Einnahmen und den realen Ausgaben immer weiter auseinander. Jedes neue Mitglied bringt neue Verpflichtungen und Kosten mit sich, die mit den klassischen Strukturen kaum noch zu bewältigen sind.
Die Frage des Seins: Lohnt es sich noch bei einem Amateurverein tätig zu sein?
Die Frage des Seins: Lohnt es sich noch bei einem Amateurverein tätig zu sein? – Foto: André Nückel
Ein Amateurverein trägt sich im Wesentlichen durch drei Säulen, die alle an ihre Grenzen stoßen. Dazu gehören sozial verträgliche Mitgliedsbeiträge, lokale Sponsoren aus dem Handwerk oder der regionalen Gastronomie sowie der Verkauf von Bratwurst und Getränken am Spielfeldrand bei den Heimspielen. Tritt nun eine neue Jugendmannschaft dem aktiven Spielbetrieb bei, steigen die Kosten für den Verein progressiv an. Es müssen sofort neue Trikotsätze, Trainingsanzüge, Leibchen und Bälle beschafft werden.
Alt. Marode. Und doch nötig, weil man sich besseres nicht leisten kann.
Alt. Marode. Und doch nötig, weil man sich besseres nicht leisten kann. – Foto: Sascha Köppen
Zusätzliche Meldegebühren müssen an den jeweiligen Landesverband entrichtet werden, hinzu kommen die wöchentlichen Kosten für Schiedsrichtergespanne und die Fahrtkosten zu den Auswärtsspielen. Die Mitgliedsbeiträge im Breitensport sind jedoch bewusst so kalkuliert, dass sie für Familien bezahlbar bleiben, wodurch sie die realen Kosten für den laufenden Spielbetrieb schon lange nicht mehr abdecken können. Jedes zusätzliche Kind auf dem Platz sorgt unterm Strich für ein größeres Minus in der Kasse.
Gar nicht mal so einfach: Das Vereine eine verpflichtende Zahl an Schiedsrichtern stellen muss, verursacht einigen Teams Probleme.
Gar nicht mal so einfach: Das Vereine eine verpflichtende Zahl an Schiedsrichtern stellen muss, verursacht einigen Teams Probleme. – Foto: Marcel Eichholz
Gleichzeitig bricht das lokale Sponsoring in vielen Regionen dramatisch weg. Die anhaltende wirtschaftliche Unsicherheit, gestiegene Energiekosten und die ausufernde Bürokratie zwingen viele kleine Betriebe in den Kreisen, ihre Werbebudgets und Spenden drastisch zu streichen. Der Dachdecker, der Autohändler oder der Gastwirt von nebenan, der früher klaglos die Bandenwerbung bezahlt oder einen Trikotsatz gesponsert hat, muss heute selbst jeden Cent dreimal umdrehen. Das bedeutet im Klartext, dass der finanzielle Ertrag pro Mitglied drastisch sinkt, während der logistische und finanzielle Aufwand pro Kopf ansteigt. Mehr Spieler bedeuten heute für viele Vereine schlicht mehr Defizite in der Jahresbilanz, da die Fixkosten die variablen Einnahmen komplett auffressen.

Während der DFB die steigenden Mitgliederzahlen bejubelt, verheimlicht die aktuelle Verbandsstatistik ein tiefgreifendes, strukturelles Problem. Die Gesamtzahl der Vereine unter dem Dach des DFB ist im selben Atemzug auf 23.713 Klubs zurückgegangen – das ist ein schleichender Verlust von 0,65 Prozent allein im Vergleich zum Vorjahr. Zudem ist die Zahl der real aktiven Spielerinnen und Spieler auf dem Platz trotz des Mitgliederbooms um 0,46 Prozent auf 2,34 Millionen Aktive abgesunken. Das bedeutet: Immer mehr Menschen melden sich zwar in den Vereinen an, nutzen die Angebote als passive Konsumenten oder im Seniorenbereich, aber die Zahl derer, die am aktiven, wöchentlichen Spielbetrieb teilnehmen, schrumpft.

Diese Schieflage wird noch absurder, wenn man die Amateurebene mit der Spitze vergleicht. Laut dem aktuellen Wirtschaftsbericht der DFL erwirtschafteten die 36 Profiklubs der Bundesliga und 2. Bundesliga einen historischen Rekordumsatz von sagenhaften 6,33 Milliarden Euro.

Während in den Profiligen also das ganz große Geld fließt und gigantische Gewinne eingefahren werden, fehlt an der Basis das Geld für das Nötigste. Sogar prominente Trainer äußern sich vermehrt kritisch zu dieser Kluft zwischen Reich und Arm. Ein Bundesliga-Trainer, der die Ausbildung an der Basis schätzt, oder gestandene Trainergrößen wie Torsten Lieberknecht machten in der Vergangenheit immer wieder deutlich, dass der Profifußball ohne ein gesundes, finanziell abgesichertes Amateursystem auf Dauer austrocknen wird. Auch Trainer in den Regionalligen spüren den Druck. Wenn die Budgets der Viertligisten aufgrund mangelnder TV-Gelder kollabieren, schlägt das direkt auf die Jugendförderung durch.

Die Kostenexplosion der vergangenen Jahre hat die ohnehin fragilen Budgets der Amateurvereine schwer erschüttert. Dabei geht es nicht nur um die Ausrüstung der Mannschaften auf dem Feld. Die größten Brocken im Haushaltsplan eines Vereins betreffen die Infrastruktur, die für den normalen Zuschauer oder den Verbandshistoriker unsichtbar bleibt. Die Unterhaltung von Vereinsheimen, die explodierenden Energiekosten für Flutlichtanlagen in den Herbst- und Wintermonaten sowie die intensive Pflege und Instandhaltung von Rasen- und Kunstrasenplätzen fressen die Rücklagen komplett auf. Ein Kunstrasenplatz hält nicht ewig und die Sanierung nach gut einem Jahrzehnt kostet Summen, die ein normaler Kreisklassenverein niemals ansparen kann.

Viele Clubs im ländlichen Raum oder in strukturschwachen städtischen Gebieten agieren völlig ohne jedes finanzielle Sicherheitsnetz. Wenn die Beregnungsanlage im Hochsommer den Geist aufgibt, ein Defekt am vereinseigenen Rasenmäher auftritt - sofern ein Verein einen echten Rasenplatz hat - oder die marode Heizung im Kabinentrakt im Winter ausfällt, stehen die Vorstände vor dem Ruin. Oft müssen dann Sonderbeiträge von den Mitgliedern erhoben oder private Darlehen von den Vorstandsmitgliedern aufgenommen werden, um den Spielbetrieb überhaupt aufrechtzuerhalten. Die öffentliche Hand zieht sich bei der Sportstättenförderung vielerorts immer weiter zurück oder schiebt die Verantwortung durch lange, undurchsichtige bürokratische Antragswege auf die Vereine ab. So wird die Verwaltung des Mangels zur Hauptaufgabe der Vereinsführung, während der Sport und die Talentförderung völlig in den Hintergrund rücken.

Immer weniger Menschen übernehmen Verantwortung

Zu den materiellen Sorgen gesellt sich ein noch viel gravierenderes, strukturelles Problem, welches die Vereine von innen heraus aushöhlt, nämlich die fundamentale Krise des Ehrenamts. Die Bereitschaft der Menschen, sich langfristig, verbindlich und vor allem unentgeltlich in ihrer Freizeit an einen Verein zu binden, nimmt seit Jahren rapide ab. Die Gründe dafür sind vielschichtig und liegen im gesellschaftlichen Wandel begründet. Ein immer stressigerer Berufsalltag, veränderte Lebensentwürfe und eine zunehmende Konsumhaltung im Sport führen dazu, dass immer weniger Menschen Verantwortung übernehmen wollen. Viele Eltern sehen den Sportverein eher als günstigen Dienstleister zur Kinderbetreuung und weniger als Gemeinschaft, in der man selbst die Ärmel hochkrempeln und anpacken muss.

Finden sich keine Freiwilligen mehr, die als Trainer, Jugendleiter, Platzwart, Kassenwart oder Linienrichter fungieren, gerät das gesamte System ins Wanken. Um den Trainings- und Spielbetrieb überhaupt noch irgendwie zu sichern, sehen sich immer mehr Vereinsvorstände gezwungen, feste Aufwandsentschädigungen oder kleine Gehälter zu zahlen. Was früher reine Ehrensache und Leidenschaft für den Club war, ist heute ein handfester, kalkulatorischer Kostenfaktor, der die Kassen weiter belastet. Die Vereine professionalisieren sich gezwungenermaßen auf der Ausgabenseite, während die Einnahmen auf dem Niveau eines reinen Freizeit- und Hobbybetriebs verharren. Das Ehrenamt wird schlicht verheizt, weil die Anforderungen vonseiten der Verbände und Behörden immer komplexer werden und die Haftungsrisiken für die Vorstände steigen.

Inmitten dieses spürbaren Drucks an der Basis setzt der DFB vermehrt auf strategische Großprojekte aus der Frankfurter Zentrale. Ein prominentes Beispiel, das derzeit für viel Gesprächsstoff und erhitzte Gemüter sorgt, ist das groß angelegte Projekt namens Digitales Vereinsheim. Das Ziel des Verbandes klingt auf den ersten Blick modern, fortschrittlich und absolut zeitgemäß. Die Verwaltung der Vereine soll digitalisiert, administrative Abläufe sollen verschlankt und die Clubs über moderne Plattformen besser miteinander vernetzt werden. Digitale Tools sollen den Alltag erleichtern und den Amateurfußball fit für das einundzwanzigste Jahrhundert machen, um die bürokratischen Hürden im Alltag abzubauen.

An der Basis sorgt dieser Vorstoß allerdings für erhebliche Diskussionen und Unverständnis. In den Kreisen und Bezirken wird hinter vorgehaltener Hand, und immer öfter auch lautstark auf den Kreisverbandstagen, kritisiert, dass über solche zentralen Plattformen riesige Datenmengen von Millionen Amateursportlern, Ehrenamtlichen, Eltern und Fans gebündelt werden sollen. Während der Verband in dieser Datenstruktur die Zukunft der Vermarktung und der großen Sponsorengewinnung sieht, geht die Initiative am realen, alltäglichen Bedarf der Clubs meilenweit vorbei. Es wird befürchtet, dass der DFB die Basis als Datenlieferant nutzt, um eigene Großsponsoren zu bedienen, während bei den Vereine vor Ort kein einziger Cent aus diesen Verträgen ankommt.

Falsche Prioritäten

Die Debatte dreht sich um eine völlig falsche Prioritätensetzung zwischen Verband und Basis. Viele Vereinsvertreter betonen, dass eine neue administrative Software oder eine schicke App das Kernproblem der wirtschaftlichen Existenzsicherung nicht im Ansatz löst. Ein digitalisiertes Vereinsheim bringt dem Vorstand absolut gar nichts, wenn das reale Dach des Sportheims undicht ist, der Platz wegen Sanierungsstau gesperrt werden muss oder die Stromrechnung für das Flutlicht nicht mehr bezahlt werden kann. Die Forderung nach unbürokratischen, direkten Finanzhilfen wird in den Kreisen immer lauter. Die Vereine fordern eine drastische Senkung der Verbandsabgaben, den Erlass von Pass- und Meldegebühren oder direkte, zweckgebundene Zuschüsse für die marode Infrastruktur. Es herrscht das lähmende Gefühl vor, dass in den Verbandszentralen teure administrative Luftschlösser gebaut werden, um Daten abzugreifen, während an der Basis das Geld für die einfachsten Dinge des täglichen Spielbetriebs fehlt.

Das Problem geht tiefer als reine Finanzierungsfragen, denn es ist eine spürbare emotionale und strukturelle Entfremdung zwischen der organisierten Verbandsebene und den Menschen auf dem Platz festzustellen. Wenn Regelwerke verschärft werden, Meldefristen im digitalen System minutengenau eingehalten werden müssen und Strafen für kleinste administrative Fehler drohen, verliert der Amateurfußball seine Leichtigkeit und seinen eigentlichen Sinn. Der bürokratische Aufwand für einen Abteilungsleiter in der Kreisklasse gleicht heute streckenweise dem eines Kleinunternehmens, was die Menschen abschreckt. Die Verbände argumentieren oft, dass diese Strukturen nötig seien, um einen fairen und organisierten Spielbetrieb im ganzen Land zu garantieren, doch dabei wird vergessen, dass am anderen Ende des Systems Menschen sitzen, die diesen Job nach Feierabend und am Wochenende unentgeltlich machen. Wenn der Frust über Vorschriften und Kosten die Freude am Sport überwiegt, schmeißen die Ersten hin, und jede Lücke, die entsteht, bleibt oft für immer offen.


Für diesen Artikel wurden mehrere Personen aus dem Fußballumfeld um eine Einschätzung zur finanziellen Situation des Amateurfußballs, zur Rolle des DFB und zu den zunehmenden Belastungen für die Vereine gebeten. Angefragt wurden dabei unter anderem Funktionäre, Vereinsverantwortliche und Personen, die den Amateurfußball regelmäßig aus nächster Nähe erleben. Nicht alle Gesprächspartner standen für eine Stellungnahme zur Verfügung.

"Es muss viel mehr Geld von oben nach unten fließen"

Benjamin Fitzner bedankte sich für die Nachricht und das Interesse, teilte jedoch mit, dass er sich zu den angesprochenen Themen nicht äußern könne. Stattdessen verwies er auf die Presseabteilung des BFV. Eine persönliche inhaltliche Stellungnahme liegt damit nicht vor.

Auch Jannik Kirchner von Delay Sports wurde angefragt. Er teilte zunächst mit, dass er sich die Fragen ansehen werde. Ein paar Tage später wurde dann mitgeteilt, dass man sich enthalten wolle.

Eine ausführliche Einschätzung gab dagegen Florian Schmidt, Gründer von fussballaufreisen. Schmidt ist mit seinem journalistischen Medienprojekt regelmäßig bei Spielen auf Amateur- und Basisebene unterwegs und schildert dabei deutliche Unterschiede zwischen Profifußball und Amateurbasis.

„Es muss viel mehr Geld von oben nach unten fließen“, erklärt Schmidt mit Blick auf die finanzielle Situation der Vereine. Die Basis bilde Spieler aus, stelle Trainer, organisiere den Spielbetrieb und halte den Fußball in der Fläche überhaupt am Leben. „Ohne Amateurfußball gibt es keinen Profifußball. Das muss sich auch finanziell widerspiegeln.“

Bestrafung statt Anreize

Auch das schleichende Vereinsterben sei für Schmidt kein theoretisches Problem. Aus seiner Erfahrung im ländlichen Nordbrandenburg berichtet er davon, dass sich teilweise vier oder fünf Vereine zusammenschließen müssten, damit überhaupt noch genügend Spieler für eine Mannschaft zusammenkommen. Hinzu kämen alte und teilweise heruntergekommene Infrastruktur, abgenutzte Trikots sowie zunehmende Schwierigkeiten, Trainer und weitere Ehrenamtliche zu finden.

Kritisch sieht Schmidt zudem den Umgang mit Vereinen, die Schwierigkeiten bei der Erfüllung von Verbandsanforderungen haben. „Besonders problematisch finde ich, dass von Verbandsseite häufig mit Bestrafung statt mit Anreizen gearbeitet wird.“ Geldstrafen oder Punktabzüge würden am Ende nicht irgendeinen Funktionär treffen, sondern den jeweiligen Verein – und damit möglicherweise genau die Bereiche, in denen ohnehin Geld fehle.

Der Gründer von Fussballaufreisen.
Der Gründer von Fussballaufreisen. – Foto: Privat

Auf die Frage, ob die Bezeichnung „Abzocke“ für das Verhältnis zwischen DFB und Amateurvereinen zutreffend sei, antwortet Schmidt bewusst differenziert: „Abzocke ist vielleicht nicht der Begriff, den ich pauschal verwenden würde. Aber dass die Amateurbasis zu wenig bekommt und zu wenig gehört wird, ist für mich unstrittig.“

Seine zentrale Forderung bleibt dabei klar: Der Fußball müsse stärker dafür sorgen, dass Geld tatsächlich bei den Vereinen ankommt, die die Grundlage für den gesamten Spielbetrieb schaffen.

Der deutsche Amateurfußball leistet einen unschätzbaren, unersetzbaren gesellschaftlichen Beitrag für den Zusammenhalt, die Integration und die Jugendförderung in den Regionen. Er ist das soziale Gewebe, das viele Gemeinden überhaupt erst lebendig hält. Doch die Belastungsgrenze der Vereine und der dort tätigen Menschen ist an vielen Orten im Land erreicht oder bereits überschritten. Steigende Mitgliederzahlen dürfen von der Verbandspolitik nicht länger als Beleg dafür herhalten, dass an der Basis alles gesund und in bester Ordnung ist. Sie erhöhen unter den aktuellen Bedingungen lediglich den Druck auf ein System, das von erschöpften Ehrenamtlichen und leeren Kassen getragen wird.
Wenn der Fußball in der Breite eine Zukunft haben soll, muss sich der Fokus radikal verschieben. Die Landesverbände und der DFB müssen Wege finden, den erwirtschafteten Millionen-Wohlstand der Spitze spürbar, unbürokratisch und direkt an die Basis durchzureichen, statt sie mit neuen Digitalprojekten zu belasten. Es braucht keine neuen Hochglanz-Offensiven, sondern handfeste wirtschaftliche Erleichterungen. Denn eines ist sicher: Wenn das Fundament in den Kreisen und Gebieten wegbricht, wird irgendwann auch an der Spitze kein Geld und kein Talent mehr ankommen.
Es ist der Fußball, den wir lieben - und der darf auch im Amateurbereich vernünftig verwalten werden!
Es ist der Fußball, den wir lieben - und der darf auch im Amateurbereich vernünftig verwalten werden! – Foto: Rinke
Denn der wahre Wert des Fußballs bemisst sich nicht an den Datenströmen in einer App, sondern am Zustand der Kabinen und Plätze in der Region.