2026-03-13T07:45:35.464Z

Allgemeines

„Millionen für Olympia, für Fußball-Camps aber Abgaben“

Vereine kritisieren neue Gebühren für Feriencamps – Senat hält dagegen

von far · Heute, 08:45 Uhr · 0 Leser
Hertha 03 Präsident Kamy Niroumand (re)
Hertha 03 Präsident Kamy Niroumand (re) – Foto: Mehmet Dedeoglu Dedepress

Neue Regeln, neue Kosten – und viel Ärger im Berliner Amateurfußball. Vereine sehen den Breitensport belastet, der Senat spricht von Fairness. Es geht um Geld, Prioritäten – und die Zukunft von Ferienangeboten für Kinder und Jugendliche. Vereine und der Senat äussern sich gegenüber FuPa Berlin

Um was geht es genau?

Die neue Regelung ist in den Sportanlagen-Nutzungsvorschriften (SPAN) des Landes Berlin festgelegt. Kern der Änderung: Feriencamps auf öffentlichen Sportanlagen bleiben für Vereine weiterhin kostenlos – solange sie keine Teilnahmegebühren erheben oder die Einnahmen unter 2.500 Euro liegen. Sobald jedoch Teilnahmebeiträge verlangt werden und die Nettoeinnahmen diese Schwelle überschreiten, wird ein Nutzungsentgelt fällig. Dieses beträgt zehn Prozent der gesamten Einnahmen aus dem Camp. Die Vereine müssen ihre Einnahmen nach Abschluss des Camps gegenüber dem Bezirksamt abrechnen. Dabei können bestimmte Ausgaben berücksichtigt werden. In Einzelfällen kann das Nutzungsentgelt reduziert werden, wenn nachgewiesen wird, dass kaum oder kein Überschuss erzielt wurde. Die Regel gilt nicht nur für Feriencamps, sondern auch für Workshops oder ähnliche Angebote außerhalb des regulären Trainingsbetriebs.

Neue Abgabe bringt Vereine auf

Die neue Gebührenregelung für Feriencamps auf öffentlichen Sportanlagen sorgt in Berlin für wachsenden Unmut. Während mehrere Vereine deutliche Kritik üben, hält die Senatsverwaltung für Inneres und Sport an der Änderung fest. Seit November 2025 gilt: Erheben Vereine Teilnahmegebühren für Feriencamps und erzielen mehr als 2.500 Euro Nettoeinnahmen, müssen sie künftig zehn Prozent der Einnahmen an das Land Berlin abführen.

Gerd Thomas (re oben) vom FC Internationale
Gerd Thomas (re oben) vom FC Internationale – Foto: imago images

Hertha 03: Deutliche Kritik – auch politisch

Besonders klar positioniert sich Hertha 03 Zehlendorf. Vereinspräsident Kamyar Niroumand sieht nicht nur eine zusätzliche Belastung für Vereine, sondern stellt die politische Prioritätensetzung infrage.

„Vereine übernehmen hier eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe. Dass ausgerechnet diese Angebote jetzt mit zusätzlichen Gebühren und mehr Bürokratie belastet werden, ist für uns nicht nachvollziehbar“, so Niroumand.

Noch deutlicher wird er mit Blick auf die Sportpolitik insgesamt:
„Während gleichzeitig Millionen für Olympiabewerbungen und große sportpolitische Projekte diskutiert werden, sollen gemeinnützige Vereine nun Abgaben zahlen, wenn sie Ferienangebote für Kinder organisieren. Diese Prioritätensetzung ist aus unserer Sicht schwer verständlich. Die Einnahmen der Vereine werden in die Jungend investiert. Alles gemeinnützig. Ansonsten müssen wieder Beiträge für Mitglieder erhöht werden"

Für viele Clubs sind Feriencamps längst ein zentraler Bestandteil der Nachwuchsarbeit – und eine wichtige Einnahmequelle im Amateurbereich.

Hertha 03 bietet Camps an
Hertha 03 bietet Camps an – Foto: Verein

FC Internationale: „Problem liegt woanders“

Auch beim FC Internationale Berlin stößt die Regelung auf Kritik. Vereinsvertreter Gerd Thomas verweist darauf, dass viele Vereine öffentliche Anlagen bereits mit hohem Aufwand mittragen – organisatorisch und finanziell. Die zusätzliche Abgabe wirkt aus Sicht des Vereins daher wie eine doppelte Belastung. Gleichzeitig sieht Thomas das eigentliche Problem an anderer Stelle: im wachsenden Markt rund um kommerzielle Fußballcamps. Immer mehr externe Anbieter drängen in diesen Bereich. Die entscheidende Frage sei daher, ob Einnahmen weiterhin im gemeinnützigen Sport bleiben – oder zunehmend bei kommerziellen Akteuren landen.

Senat kontert: „Nur faire Beteiligung“

Die Senatsverwaltung für Inneres und Sport weist die Kritik zurück. Feriencamps hätten eine hohe Bedeutung für die Kinder- und Jugendarbeit – daran ändere die neue Regelung nichts. Der zentrale Punkt aus Sicht des Senats: Öffentliche Sportanlagen werden grundsätzlich kostenlos bereitgestellt – aber nur für rein gemeinnützige Nutzung. Sobald Einnahmen erzielt werden, sei eine Beteiligung des Landes gerechtfertigt. Zudem sei mit der neuen Regelung eine bisherige Uneinheitlichkeit in den Bezirken beendet worden. Feriencamps seien zuvor unterschiedlich behandelt worden – das habe man nun vereinheitlicht.

Große Unterschiede zu kommerziellen Anbietern

Der Senat betont außerdem, dass Vereine weiterhin deutlich besser gestellt seien als kommerzielle Anbieter. Während Vereine lediglich zehn Prozent ihrer Einnahmen abgeben, zahlen kommerzielle Anbieter teils deutlich höhere feste Nutzungsentgelte – etwa mehrere tausend Euro für mehrtägige Camps. Auch bei der Vergabe von Sportanlagen genießen Vereine klare Vorteile.

Warum kommt die Regelung jetzt?

Die Regelung schließt laut Senat eine bisherige Lücke: Feriencamps wurden in den Bezirken unterschiedlich gehandhabt. Grundsätzlich gilt: Öffentliche Sportanlagen sind nur bei rein gemeinnütziger Nutzung kostenlos. Sobald Einnahmen erzielt werden, soll das Land beteiligt werden. Zudem haben Feriencamps in den letzten Jahren stark zugenommen – auch mit kommerziellen Anbietern. Für viele Vereine bleibt dennoch der Eindruck, dass erstmals gezielt in eine wichtige Einnahmequelle eingegriffen wird.

Konflikt bleibt

Trotzdem bleibt der Konflikt bestehen. Für die Vereine geht es um mehr als nur zehn Prozent: um Planungssicherheit, um Einnahmen – und um die Frage, wie stark gemeinnütziger Sport künftig belastet wird. Der Senat sieht dagegen eine moderate, faire Regelung im Rahmen der Sportförderung. Ob sich Feriencamps in Berlin künftig verteuern oder seltener werden, dürfte sich erst in den kommenden Jahren zeigen.

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