
Der im Vorfeld favorisierte SV Millingen hat sich im Hinspiel der Relegation um den letzten Platz in der Kreisliga A eine ordentliche Ausgangsposition erarbeitet. Beim spielstarken B-Liga-Dritten 1. FC Lintfort II erkämpfte sich die Mannschaft von Trainer Fabian Scholz ein 2:2 (0:0) und geht damit mit einem kleinen Vorteil ins Rückspiel am Sonntag (15 Uhr). Für die Gastgeber endete der Abend trotz spielerischer Überlegenheit und drei Aluminiumtreffern enttäuschend. Zudem muss Lintfort nach einer Gelb-Roten Karte auf einen wichtigen Defensivspieler verzichten.
Vor 420 Zuschauern auf der Anlage am Volkspark, darunter zahlreiche Anhänger aus Millingen sowie einige Trainer aus dem Moerser Kreis, entwickelte sich von Beginn an eine abwechslungsreiche Begegnung. Auch Lintforts Landesliga-Coach Meik Bodden verfolgte aufmerksam den Auftritt der Reserve, die im Gegensatz zu den B-Liga-Spitzenspielen im April und Mai nicht auf den früheren Oberliga-Kicker Leslie Rume setzen konnte.
Die Gastgeber waren zunächst die klar bessere Mannschaft und hätten bereits zur Pause deutlich führen können. Gleich dreimal rettete das Aluminium für den SVM. Kevin Hippert scheiterte in der 23. Minute sogar innerhalb weniger Sekunden doppelt am Gebälk. Was nicht am Pfosten oder an der Latte abpralle, entschärfte der starke Millinger Schlussmann Philipp Raskopf. „Er ist mit vielen Paraden über sich hinausgewachsen“, lobte Scholz den Sahnetag seines Torhüters.
Trotz der Überlegenheit des Gegners retteten die Rheinberger das torlose Remis in die Pause und steigerten sich nach dem Seitenwechsel deutlich. Domenique Cremers hatte kurz nach Wiederbeginn zwei gute Möglichkeiten zur Führung. Nach einer Flanke von Top-Torjäger Yannick Saunus brachte er den Ball aus kurzer Distanz unter Druck jedoch nicht über die Linie (50.).
Es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Nach einer Stunde setzte sich Leon Haliti stark durch und brachte die Gastgeber verdient in Führung. Die schnelle Antwort der Gäste ließ allerdings nicht lange auf sich warten. Steven Schön verwertete einen punktgenauen langen Ball von Nico Parthum sehenswert zum Ausgleich (65.).
Lintfort blieb dennoch aktiver und lag wenig später wieder vorne. Nach einem Freistoß von Taycan Köksel köpfte Haliti zum 2:1 ein (70.). Dann wurde es turbulent. FC-Innenverteidiger Musa Sidibeh sah direkt nach dem Torjubel Gelb-Rot, nachdem er einen Ball aus einem Millinger Arm geschlagen hatte. Eine unnötige Aktion, die die Gastgeber für das Rückspiel teuer zu stehen kommen könnte.
Zunächst nutzte Millingen die Überzahl nicht. Erst drei Minuten vor Schluss fiel der erneute Ausgleich auf kuriose Weise. Joker Max Pullich wurde von einem Gegenspieler angeschossen, der Ball sprang nach einem Pressschlag unhaltbar ins Netz – ein Billardtor zum 2:2 (87.). In der Schlussphase musste der SVM dennoch noch einmal zittern. Raskopf rettete gegen Köksel in der fünften Minute der Nachspielzeit das Unentschieden und wurde damit endgültig zum Mann des Spiels.
Nach Abpfiff waren sich die Trainer einig, dass die Entscheidung erst im Rückspiel fallen wird. In beiden Mannschaftskreisen gab es viel Applaus. „Eigentlich müssen wir die Partie schon früh für uns entscheiden. Aber Millingen hat einen starken Kader und nicht umsonst eine so gute Rückrunde gespielt. Dass es eng wird, war von Anfang an klar. Wir konnten mehr als mithalten, bauen die Jungs auf und bereiten uns mit einer Extra-Trainingseinheit auf das ungewohnte Geläuf vor“, sagte Lintfort-Trainer Djore Vidoevski, der auch von der „tollen Kulisse“ schwärmte.
Sein Gegenüber Scholz zeigte sich dagegen hochzufrieden mit dem Ergebnis: „In der ersten Halbzeit waren wir komplett nervös und ängstlich. Niemand wollte einen Fehler machen. Das kannte ich von den letzten Spielen gar nicht. Nach der Pause wurde es besser. Auf dem großen Kunstrasen haben wir uns schwergetan und hatten viele Lücken, bei uns auf dem Rasen wird es wieder ein anderes Spiel.“
Übrigens: Die Auswärtstorregel gibt‘s auch im Amateurfußball nicht mehr. Vor dem Rückspiel in Millingen steht die Relegation somit wieder bei null – die Entscheidung um Aufstieg oder Klassenerhalt fällt erst am Sonntag.
Lintfort II: Baaken; Diki, Kobiljar, Luma, Sidibeh, Küney, Tenbruck (46. Ölmez), Haliti, Hippert (72. Atli), Köksel, Öztürk.
Millingen: Raskopf; Goecke, Heinrich (71. Nocon), Manko, T. Parthum (46. Pullich), Zenk, Cremers, Deutz (86. Schaper), N. Parthum (68. Hoffmann), Saunus, Schön (90.+1 Diebels).