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Allgemeines

"Mentalität schlägt Talent": Ein Gespräch mit Axel Bellinghausen

In dem Podcast "Technik vor Taktik" spricht Axel Bellinghausen, Trainer des SC Unterbach, über seinen Job in der Vermarktung bei Fortuna Düsseldorf, seine Vergangenheit als Spieler und auch seine Tätigkeit als Cheftrainer eines A-Ligisten.

von red · 29.11.2025, 21:30 Uhr · 0 Leser
Axel Bellinghausen ist Trainer in Unterbach.
Axel Bellinghausen ist Trainer in Unterbach. – Foto: Profilbild

Im Podcast "Technik vor Taktik" spricht Host Markus Steffen regelmäßig über besondere Werdegänge, Techniken und Trainingsmethoden mit Coaches aus der Region. In der neuesten Folge hat er Axel Bellinghausen, aktuell Trainer des SC Unterbach und langjähriger Spieler bei Fortuna Düsseldorf, zu Gast.

Der 42-Jährige arbeitet im Vermarktungsteam des Zweitligisten. Ein Job, in den er nach seiner aktiven Karriere eher zufällig hineingeraten ist. „Kaltes Wasser und schwimmen“, sagt er über seinen beruflichen Start auf der Geschäftsstelle, bevor er in der Vermarktung seine passende Rolle fand.

Vom Spielfeld ins Business

Bellinghausens Aufgaben bei Fortuna liegen heute vor allem im Vertrieb: „Meine Hauptaufgabe ist es, VIP-Pakete zu verkaufen, also Business-Seats.“ Dazu komme gelegentlich die Vermarktung von Werbeflächen. Seine Mentalität aus der Profi-Zeit hilft ihm dabei: „Wenn jemand Nein sagt, ist das wie ein verlorener Zweikampf. Dann rufe ich den nächsten an.“

Dass er sich im Klub weiter so wohlfühlt, hat viel mit seiner eigenen Fortuna-Geschichte zu tun. Der Verein sei für ihn ein besonderer Ort ,geprägt durch seine Jugendzeit, seine ersten Schritte im Seniorenbereich und die Menschen, mit denen er dort zu tun hatte. Unvergessen bleibt für ihn etwa der Aufstieg 2004: „Ein trostloses 0:0 gegen Leverkusen II.“

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Ein zentrales Thema des Gesprächs ist Bellinghausens Einstellung zu Talent und Einsatzbereitschaft. „Mentalität schlägt immer Talent“, betont er. Er selbst sei mit deutlich weniger Talent gesegnet gewesen, habe aber über Wille und Einstellung seine Karriere aufgebaut. Mentalität beschreibt er als die Bereitschaft, den schmerzhaften Weg zu gehen: „Es ist der Wille, den Dreckslauf in der 89. Minute zu machen.“

Dass er Spieler früher zu hart anging, räumt er offen ein: „Ich war oftmals ungerecht.“ Erst mit Erfahrung habe er gelernt, wie unterschiedlich Spieler ticken und was sie in schwierigen Phasen brauchen.

Neue Welt in Unterbach

Beim SC Unterbach ist Bellinghausen inzwischen Cheftrainer und hat sich schnell an die andere Realität gewöhnt: kleinere Gruppen, unterschiedliche Leistungsniveaus, Spieler mit langen Arbeitstagen. „Du wirst gerechter“, sagt er über seine eigene Entwicklung. Die Erwartungshaltung passe sich der Liga an, ohne dass seine Ansprüche an Einsatz und Lernbereitschaft sinken.

Strukturell musste er im Verein wenig ändern, denn die Organisation sei gut, lobt er. Sein Co-Trainer Sven Flader sei dabei eine „sensationelle Hilfe“. Kleinere sportliche Anpassungen gab es trotzdem, etwa im Pressing oder im Verhalten nach Ballverlust.

Auch taktisch setzt Bellinghausen eigene Akzente, aber immer mit Blick auf die Realität des Amateurfußballs. Manchmal, sagt er, sei nach einem harten Arbeitstag der Spieler das Kleinfeldspiel ohne Begrenzung genau das Richtige. Grundsätzlich möchte er aber einen spielerischen Ansatz vermitteln. Besonders betont er die Rolle des Aufbauspiels: „Meine Innenverteidiger können gewisse Bälle besser spielen als der Torwart, also versuchen wir, ihn im Spielaufbau möglichst zu umgehen.“

Zwischendurch geht es auch um kleine Anekdoten: über das Düsseldorfer Schweinebrötchen bei "Ham Ham", über sein einst berüchtigtes Autokennzeichen oder neugierige Fragen nach Talenten im Verein, die er heute nicht mehr beurteilen könne, weil er zu weit weg sei.

Fernab vom Profifußball schätzt Bellinghausen in seiner neuen Rolle auf der Trainerbank besonders das Miteinander in der Kreisliga und sagt stolz: „Bisher hatten wir jedes Wochenende ein komplett respektvolles Miteinander.“ Seine Mischung aus Anspruch und Realismus scheint im Amateurbereich anzukommen. Und sie wirkt bei ihm selbst ebenso – ob im Fußball, im Vertrieb oder irgendwo dazwischen.