
VfB 03 Hilden – SV Sonsbeck 2:1. Der Siegeszug des Titelaspiranten VfB 03 im neuen Jahr geht weiter. Jetzt feierten die Hildener Fußballer im Flutlichtduell gegen den abstiegsgefährdeten SV Sonsbeck den achten Erfolg hintereinander und bleiben damit Spitzenreiter Ratingen 04/19, der im Heimspiel die Sportfreunde Baumberg mit 5:1 vom Platz fegte, punktgleich auf den Fersen.
Neun Spieltage vor dem Saisonende entwickelt sich die Meisterfrage in der Oberliga immer mehr zu einem Zweikampf der beiden im Kreis Mettmann beheimateten Lokalrivalen, denn Drittliga-Absteiger KFC Uerdingen patzte bei der im Mittelfeld platzierten Holzheimer SG, kassierte mit dem 2:3 auf fremder Anlage bereits die siebte Niederlage in dieser Saison und liegt nun sechs Zähler hinter dem Führungsduo.
Allerdings taten sich die Hildener auf dem Kunstrasen an der Hoffeldstraße diesmal etwas schwerer als zuletzt gewohnt. Leon Prokshi hatte zwar die erste Chance der Begegnung auf dem Fuß, scheiterte nach zehn Minuten jedoch am Sonsbecker Torwart Kenan Mehmedovic. In Führung gingen stattdessen die Gäste. Nach einem Ballgewinn in der Hildener Hälfte folgte ein Steilpass zu Klaus Keisers, der kurzerhand noch einen Verteidiger umkurvte und ins kurze Eck zum 1:0 (19.) abschloss. „Es war etwas komplizierter als sonst“, merkte Tim Schneider später mit selbstbewusster Gelassenheit an. Der Chefcoach des VfB 03 konstatierte: „Der Gegner stand tief, wollte mit einer Fünfer-Kette unsere Offensivpower eindämmen und über gutes Umschaltspiel zu Toren kommen.“ Schneider gestand: „Wir hatten nicht damit gerechnet, dass die Sonsbecker auf einmal mit einer Fünfer-Kette agieren und mussten unser Spiel deshalb erst einmal etwas anpassen.“
Den Rückschlag steckte sein Team aber schnell weg. Nils Gatzke, der in den vergangenen Wochen krankheitsbedingt kürzertreten musste, nutzte nach einem weiten Einwurf seine Chance und jagte das Leder nur zwei Minuten später zum Ausgleich in den gegnerischen Kasten. Die Fans des VfB 03 registrierten die prompte Antwort hochzufrieden. Gleichwohl fanden die Hildener bis zur Pause nicht zur im neuen Jahr schon gewohnten Leichtigkeit, zumal die Sonsbecker aus ihrer kompakten Ordnung heraus immer wieder Nadelstiche setzten. Letztlich ging es mit dem Unentschieden in die Kabine.
„In der zweiten Halbzeit lief es deutlich besser, da hatten wir ein kleines Chancenplus und auch in der Abwehr war es okay“, analysierte Tim Schneider. Zugleich stellte er fest: „Es gab vier Situationen, in denen der Schiedsrichter einen Elfmeter für uns hätten pfeifen müssen.“ Doch der Chefcoach des VfB 03 sagte später überraschend unaufgeregt: „Der Schiri war noch jung, hat noch nicht viele Oberliga-Begegnungen geleitet. Und dann so ein Duell zwischen einer gegen den Abstieg kämpfenden Mannschaft gegen ein Team, das um den Aufstieg mitspielt.“
In der letzten halben Stunde neigte sich die Waagschale zugunsten der Platzherren. Die Vorarbeit zur Führung leistete Pascal Weber, der seinen Sturmpartner Mohammed Cissé in Szene setzte – und der ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, sein zwölftes Saisontor zu erzielen. Der flache Schuss zum 2:1 (63.) ins rechte untere Eck kam einem Befreiungsschlag gleich. Nils Gatzke verpasste nur zwei Minuten später die finale Entscheidung. Und auch Etienne Feese wusste eine Riesenmöglichkeit nicht zu nutzen (69.). So blieb es beim knappen Erfolg – mit dem exakt gleichen Ergebnis wie im Hinrundenduell.
„Ich bin total zufrieden mit dem achten Sieg in Folge und muss meiner Truppe ein Riesenkompliment zollen“, bilanzierte Tim Schneider und fügte hinzu: „Auch denen, die hinten dran stehen, auf den Plätzen 24 und 25 sowie den Torhütern zwei und drei.“ Denn eines liegt dem Chefcoach des VfB 03, der seinen Vertrag trotz der starken Leistung seines Teams in dieser Saison nicht verlängert bekommt, besonders am Herzen: „Die Leute, die momentan hinten anstehen, sind am Ende wichtig, damit die anderen auch im Training weiter aufs Gaspedal treten. Die Jungs wissen, dass sie gebraucht werden und nehmen ihre Rolle an – großes Kompliment.“ Auf Nachfrage bestätigt der 44-Jährige: „Das ist definitiv unser Erfolgsrezept. Alle hauen sich rein und die Intensität im Training stimmt. Deshalb widme ich diesen Sieg jenen, die heute draußen saßen.“ Dabei bezog Schneider explizit auch den langzeitverletzten Dominick Wasilewski (Kreuzbandriss) sowie die angeschlagenen Lukas Lier (Muskelfaserriss) und Dominik Rodrigues Figueiredo (Sprunggelenk) mit ein.
Bereits am Gründonnerstag geht es für die Hildener mit der Partie beim Oberliga-Vorletzten SV Biemenhorst weiter. „Die Jungs haben es verdient, dass sie sich zum Meister machen“, liegt Schneiders Fokus auf den letzten neun Spieltagen. Die personellen Entwicklungen im Umfeld lässt der amtierende Chefcoach unkommentiert, nimmt sie aber durchaus interessiert zur Kenntnis. „Ich möchte ja, dass der VfB weiter erfolgreich ist“, betont er und freut sich, dass sein jetziger Partner Philipp Schütz auch in Zukunft im Trainer-Team „eine gute Rolle einnehmen kann und eine gleichberechtigte Position bekommen hat“. Schneider unterstreicht: „Er ist ein Hildener Urgestein, hat sich in seinem ersten Jahr Oberliga-Fußball gut integriert. Was er macht, hat Hand und Fuß – ich hätte ihm das allemal zugetraut, alleiniger Chefcoach zu werden. Er hat sehr klare Vorstellungen, möchte auch die A-Lizenz machen.“