
Mit 92 Toren und einem Last-Minute-Comeback gegen Sindelfingen stieg die SpVgg Holzgerlingen II auf. Trainer Dennis Gallinat blickt auf emotionale Höhepunkte, Abgänge – und eine neue Mission.
Mit dem Aufstieg in die Kreisliga A3 Stuttgart/Böblingen hat die SpVgg Holzgerlingen II ein sportlich starkes Ausrufezeichen gesetzt. Unter der Leitung von Spielertrainer Dennis Gallinat, der die Mannschaft durch eine intensive Saison führte, wurde aus dem Aufstiegstraum Realität. „Vor der Saison war unser Ziel natürlich, uns zu verbessern, was bedeutete, dass wir mindestens Platz zwei anpeilten“, erklärt der 35-Jährige im Gespräch mit FuPa. Dass am Ende die Meisterschaft herausspringen würde, war keinesfalls selbstverständlich – umso höher ist die Leistung des Teams zu bewerten.
„Wir legten vor allem mannschaftlich über die Saison alles in die Waagschale“, so Gallinat weiter. Und das zahlte sich aus: Mit 92 geschossenen Toren stellte die SpVgg II nicht nur die gefährlichste Offensive der Liga, sondern bewies auch Durchhaltevermögen: „Wir haben im gesamten Team verstanden, dass wir die Saison bis zur letzten Minute durchziehen müssen.“
Die Meisterschaft wurde – trotz eines kuriosen Abschlusses – gebührend gefeiert. Denn der letzte Spieltag fiel aufgrund mehrerer Spielabsagen bei den Spitzenteams ins Wasser. Improvisationstalent war gefragt. Gallinat berichtet: „Wir machten ein kleines Einlagenspiel mit allen Spielern aus unserem Kader gegeneinander und konnten dadurch anschließend die Wimpelübergabe auch richtig genießen.“
Danach unterstützte das Team lautstark die Erste Mannschaft in der Relegation, ehe die Feierlichkeiten ihren Höhepunkt erreichten: „Wir fuhren anschließend mit dem Traktor durch Holzgerlingen und blieben dann den Rest vom Wochenende im Vereinsheim und den Kabinen.“ Es war nicht nur eine Meisterschaft für die Geschichtsbücher, sondern auch ein Abschiedsgeschenk für verdiente Kräfte. „Wir hatten viele geplante Abgänge von gestandenen Spielern, unserem Co-Trainer und Spielleiter, sodass diese entsprechend ihrer Karriere den bestmöglichen Abschied erhielten.“
Emotionaler Höhepunkt der Saison war für Gallinat das Topspiel gegen KFIB Sindelfingen in der Rückrunde. Auf dem heimischen Kunstrasen schien das Spiel schon verloren, bis Michael Kober in den letzten zwei Minuten doppelt traf. „Er hatte davor nichts im Spiel hinbekommen und feierte dann den vermutlich wichtigsten Sieg der Saison.“
Dieser Moment wurde zur Initialzündung – für das Team und für Kober selbst, der später Torschützenkönig wurde: „Ab diesem Moment platzte der Knoten.“ Doch Sicherheit brachte dieser Sieg nicht. Die Tabellenführung wurde erst am vorletzten Spieltag erobert, was für ständigen Druck sorgte: „Wir konnten uns nie in Sicherheit wiegen.“

Dass sich Holzgerlingen II in dieser ausgeglichenen Liga behaupten konnte, lag nicht nur am eigenen Können, sondern auch an der Schärfe des Wettbewerbs. Gallinat nennt gleich mehrere Rivalen: „Wir hatten mit KFIB Sindelfingen, KSC Sindelfingen und SpVgg Weil im Schönbuch gleich drei Topteams, die uns versuchten das Leben schwer zu machen.“
Und es war gerade die Pflicht, nicht nur gegen die Großen zu liefern: „Wir wussten, dass wir immer alles geben müssen, vor allem aber auch in den Spielen, die nicht gegen die Topteams gingen.“ Leichte Spiele? Fehlanzeige: „In dieser Saison gab es nur selten Spiele, die leicht gewonnen werden konnten.“
Mit dem Aufstieg geht auch ein spürbarer Umbruch im Kader einher. 16 Spieler verlassen das Team – aus ganz unterschiedlichen Gründen. „Darunter unser Torschützenkönig Michael Kober und unsere Vereinslegende Marc Herzog“, nennt Gallinat zwei prominente Namen. Doch der Verein bleibt seiner Philosophie treu und setzt auf Nachwuchs aus den eigenen Reihen.
„Wir bekommen 10 Spieler aus der eigenen U19 und ehemalige Hotze-Jugendspieler von anderen Vereinen zurück“, erklärt Gallinat. Das macht Mut für die Zukunft: „Wir verfügen fast ausschließlich über Spieler, welche die Hotze-Jugend durchlaufen und ein Teil der Vereinsfamilie sind.“
Die Vorbereitung auf die neue Liga ist bereits in Planung. Der Trainingsauftakt war am 14. Juli, sodass eine siebenwüchige Vorbereitungsphase möglich ist. Einen spezifischen Fitnessplan für die Sommerpause gab es allerdings nicht. Gallinat setzt auf Eigenverantwortung: „Da die Sommerpause nur fünf Wochen beträgt, bin ich froh, wenn alle Verletzungen und Schmerzen in dieser Zeit verheilen und alle gesund in die Vorbereitung starten können.“
Die Mission Klassenerhalt in der Kreisliga A wird kein Selbstläufer. Doch Gallinat weiß, worauf es ankommt: „Zunächst ist Fußball ein Teamsport, in dem eine schwache Leistung durch eine starke Leistung eines anderen ausgeglichen werden kann.“
Gerade diese kollektive Stärke war der Schlüssel zum Aufstieg – und soll es auch in Zukunft sein: „Unsere Priorität liegt ganz klar auf unserer Stärke als Team, weil genau die uns auch in die Kreisliga A brachte.“ Individuelle Qualität ist dennoch vorhanden: „Wir haben einige Kaliber im Kader, auf die ich wirklich gespannt bin, wie diese in der neuen Liga einschlagen werden.“