
Vor rund 200 Zuschauern standen beim 2:0-Erfolg der AllStars aus Hildburghausen gegen die Auswahl aus Sonneberg zwar auch sportliche Leistungen im Mittelpunkt – die eigentliche Hauptrolle spielte jedoch der gute Zweck.
Im Rahmen des 80-jährigen Vereinsjubiläums des Hainaer SV wurde erneut für eine gute Sache gekickt. Ein Teil der Eintrittsgelder kommt der Stiftung Rehabilitationszentrum Thüringer Wald – Haus Sonnenblume in Schleusingen zugute. Dort soll der von Theresa Gehring initiierte „Garten der Sinne“ weiter ausgebaut werden – ein Ort, der den Bewohnerinnen und Bewohnern Erholung, Begegnung und neue Sinneseindrücke ermöglicht. „Wir freuen uns riesig über die Unterstützung. Mit den Spenden können wir den Garten für unsere Mitbewohner weiter verschönern und neue Ideen umsetzen“, sagte Theresa Gehring.
Dass ausgerechnet dieses Projekt unterstützt wurde, hatte einen ganz persönlichen Hintergrund. Offensivspieler Jonas Reichl brachte die Idee für den Spendenzweck ein. Sein Bruder wird im Haus Sonnenblume betreut. Reichl weiß daher aus eigener Erfahrung, wie wichtig die Arbeit der Einrichtung für die Bewohner und deren Familien ist. Entsprechend emotional war dieser Abend auch für ihn.
Nach seiner Einwechslung zur Halbzeit wurde Reichl auch sportlich schnell zu einer der auffälligsten Figuren der Partie. Schon wenige Sekunden nach Wiederbeginn suchte er den Abschluss. Wenig später fehlten nur Zentimeter, als sein Schuss aus zentraler Position knapp über die Latte strich. In der 70. Minute war er nach einem hohen Ball von Aljija frei durch, scheiterte jedoch am stark reagierenden Paul Eichhorn-Nelson. Es waren Momente, in denen man dem Initiator des Spendenzwecks ein eigenes Tor besonders gegönnt hätte.
Sportlich entwickelte sich bei hochsommerlichen Temperaturen ein durchaus ansehnlicher Vergleich. Die Hildburghäuser Auswahl hatte zunächst mehr Spielanteile und ging durch einen von Konrad Schneider verwandelten Foulelfmeter mit 1:0 in Führung. Sonneberg hielt dagegen, traf unter anderem die Latte und hatte mehrere gute Gelegenheiten auf den Ausgleich. Die Entscheidung fiel schließlich knapp zehn Minuten vor dem Ende, als Benedict Strebinger eine Hereingabe von Christopher Hopf zum 2:0 verwertete. Weitere Chancen auf beiden Seiten sorgten dafür, dass die Zuschauer trotz der tropischen Bedingungen bis zum Schlusspfiff unterhalten wurden.
Am Ende geriet das Ergebnis jedoch beinahe zur Nebensache. Natürlich wollten beide Auswahlteams gewinnen, und natürlich wurde mit Ehrgeiz gespielt. Doch wichtiger als Tore und Sieger war die Botschaft dieses Abends: Der regionale Fußball kann Menschen zusammenbringen und dort helfen, wo Unterstützung benötigt wird. Besonders schön: Reichls Bruder war gemeinsam mit sieben weiteren Bewohnern des Reha-Zentrums nach Haina gekommen, um das Spiel live zu verfolgen. In der Halbzeitpause standen die Gäste selbst im Mittelpunkt des Geschehens. Die betreuten Menschen mit Beeinträchtigungen betraten den Rasen, wurden von Spielern und Zuschauern herzlich empfangen und erlebten Momente, die weit über den Fußball hinausgingen. Gemeinsam mit allen Akteuren entstand ein großes Erinnerungsfoto, das den Gedanken dieses Benefizspiels perfekt widerspiegelte: Gemeinschaft, Zusammenhalt und gelebte Inklusion. Und auch abseits des Rasens hatten die Gäste ihren Spaß – besonders die weithin gelobten Hainaer Bratwürste fanden großen Anklang. Und vielleicht war genau das der größte Treffer des Tages – auch wenn Jonas Reichl sein persönliches Tor auf dem Platz verwehrt blieb.