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„Massive strukturelle Defizite“: Slaven Skeledzic rechnet mit Türkgücü München ab

Abschiedsworte des Ex-Trainers

von Michel Guddat · 11.08.2025, 16:44 Uhr · 0 Leser
Slaven Skeledzic zog selbst den Schlussstrich und verließ Türkgücü München nach drei Spielen.
Slaven Skeledzic zog selbst den Schlussstrich und verließ Türkgücü München nach drei Spielen. – Foto: Privat

Nach drei verlorenen Liga-Spielen und dem Aus im Toto-Pokal verlässt Slaven Skeledzic Türkgücü München. Und hinterlässt eine klare Botschaft.

München – „Wahnsinn“, „das geht gar nicht“, „unfassbare Vorgänge“ – Slaven Skeledzic findet harte Worte, wenn es um sein Ende bei Türkgücü München geht. Er und Türkgücü München haben sich „einvernehmlich“ verständigt, die gemeinsame Zusammenarbeit zu beenden. So zumindest die Pressemitteilung des Vereins. Nach Skeledzics Aussagen war er es jedoch, der den Schlussstrich zog.

Slaven Skeledzic verlässt Türkgücü München

Dass in der Pressemitteilung „einvernehmlich“ stehe, „passt ganz gut zum allgemeinen Chaos“, sagte Skeledzic gegenüber Fussball Vorort/FuPa Oberbayern. Nach drei Niederlagen in der Liga und dem Aus im Toto-Pokal soll Skeledzic selbst das Kapitel Türkgücü nach nur zwei Monaten im Amt ad acta gelegen haben.

Doch nicht nur der sportliche Misserfolg soll der Grund für die Trennung gewesen sein. Rein fußballerisch wusste das blutjunge und neu zusammengestellte Team durchaus zu überzeugen – und das gegen schwere Gegner wie den SV Erlbach, den SV Kirchanschöring oder zuletzt den TSV Landsberg. Stattdessen habe Skeledzic seit seinem Amtsantritt „kein Cent bekommen“ und sei vor dem Spiel gegen Landsberg „angezählt“ worden – Probleme und Umgangsformen, die Skeledzic wohl dazu veranlassten, den Verein frühzeitig zu verlassen.

Das Statement von Slaven Skeledzic im Wortlaut:

Klare Werte, klare Haltung – konsequente Entscheidung

Mein Freund und Sport-Vorstand Serdar Yilmaz, hat mich sehr spät nach dem Regionalliga-Abstieg gebeten ihm zu helfen eine neue, junge Mannschaft im Eiltempo zusammenzustellen. Ziel war es eine ruhige Saison mit aktivem, attraktiven und offensiven Spielstil zu spielen und eine Mannschaft mit Perspektive aufzubauen. Das ist uns sehr gut gelungen. Leider haben wir direkt gegen die Top-Teams der Liga spielen müssen, diese Spiele kamen für meine sehr junge Mannschaft einfach ein paar Wochen zu früh, aber das war nicht das Problem.

Von Beginn meiner Tätigkeit an herrschten im Verein massive strukturelle Defizite: Es gab keine klare Organisation, stattdessen Unordnung, Fehlinformationen sowie ein hohes Maß an Chaos, starke finanzielle Restriktionen und vor allen Dingen kein Miteinander. In diesem Umfeld war professionelles Arbeiten nicht annähernd möglich.

Hinzu kamen tiefgreifende Differenzen mit dem Geschäftsstellenleiter/Sponsor. Ich hatte mehrfach nicht nur den Eindruck, sondern es waren klare Tatsachen, dass meine Arbeit bewusst behindert und sportlich relevante Entscheidungen klar gegen die Interessen der Mannschaft getroffen wurden. Aufgrund von Eigeninteressen wurden (falsche) Entscheidungen getroffen. Eine konstruktive und respektvolle Zusammenarbeit war unter diesen Umständen nicht gegeben.

Ein zusätzlicher Punkt ist es, dass mein vertraglich vereinbartes Gehalt seit Amtsantritt nicht ausgezahlt wurde. Trotz zugesagter Klärung, blieb dieser Zustand unverändert.

Es entspricht nicht meinem Anspruch, unter solchen Bedingungen zu arbeiten. Ich vertrete klare Normen und Werte – dazu gehören Respekt, Fairness und ein Miteinander statt Gegeneinander. Ich verfolge eine klare Linie und handle konsequent, wenn diese Grundprinzipien nicht eingehalten werden.

Ich danke in erster Linie Serdar Yilmaz, der sehr um mich gekämpft hat. Wir haben den Fußball identisch gesehen und wollten zusammen etwas aufbauen. Mein Dank gilt auch allen Spielern, insbesondere den vielen Spielern, die nur meinetwegen den Weg zu Türkgücü gefunden haben. Ein großes Dankeschön geht an meinem Co-Trainer Emre Yilmaz, der unermüdlich viele Sachen erledigt hat und eine große Stütze auf und neben dem Platz war und unserem Torwarttrainer Dragan Kozul, sowie den Fans für ihre Unterstützung. Ich wünsche dem Verein einfach eine bessere Zukunft.