
Und daran hat sich in der Zwischenzeit offenbar nichts geändert. Deshalb verwundert es zumindest im Nachhinein kaum, dass die Mundwinkel des gebürtigen Kölners direkt nach oben gehen, als er ausgangs seiner ersten Woche als neuer Coach von Zweitligist Fortuna Düsseldorf, auf den Grevenbroicher Stadtteilklub angesprochen wurde. „Das war meine erste Trainerstation“, platzte es aus Anfang heraus.
Der nächste Satz ist sogleich ein Dank an denjenigen, der ihm damals den Start seiner Karriere an der Seitenlinie ermöglicht hat: Jupp Breuer, einstiger, mittlerweile aber verstorbener Lenker des Vereins. „Ich hoffe, ihm geht’s da oben gut“, sagte Anfang und blickte kurz gen Himmel, „er war ein toller Mensch. Er hat mich damals nach Kapellen geholt und mir dort eine Chance gegeben.“ Die aktive Laufbahn des heute 51-Jährigen war gerade vorbei, als das Angebot aus Grevenbroich kam: Seine erste Saison beendeten Anfang und der damals noch fünftklassige Klub in der Niederrheinliga, inzwischen in Oberliga Niederrhein umbenannt, auf dem 13. Platz.
Anschließend ging es kontinuierlich bergauf. In seiner zweiten Spielzeit führte der Coach seine Truppe auf Rang neun, und als er den Klub ein paar Monate später nach insgesamt zweieinhalb Jahren verließ, lag sein Team auf dem zweiten Platz. „Wir waren damals wirklich sehr erfolgreich“, erinnerte sich Anfang. „Ich habe den Verein dann aber leider verlassen müssen, um den nächsten Schritt zu gehen, und bin nach Leverkusen gewechselt.“
Dort arbeitete der Ex-Profi dreieinhalb Jahre lang als Trainer im Nachwuchsbereich, ehe er den Sprung zu Holstein Kiel wagte und mit den „Störchen“ in die Zweite Liga aufstieg. Anschließend arbeitete Anfang beim 1. FC Köln, beim SV Darmstadt 98, bei Werder Bremen und – nach abgesessener Sperre wegen der Verwendung eines gefälschten Impfpasses – vor seiner Rückkehr zu Fortuna, für die er als Spieler zu Bundesliga- und zu Regionalliga-Zeiten aufgelaufen war, noch für Dynamo Dresden und den 1. FC Kaiserslautern. In dieser Zeit hat sich viel verändert, aber nicht alles. „Wir hatten in Kapellen einen sehr engen Austausch mit den Jungs, immer auf Augenhöhe. Das versuche ich nach wie vor so zu halten“, erzählte Anfang.
Dazu gehörte damals – so ist es im Amateurfußball weiterhin gang und gäbe – natürlich auch das eine oder andere gemeinsame Bier. „Und ich würde mit den Jungs auf jeden Fall auch heute noch eins trinken, weiß aber gar nicht, ob sie das überhaupt noch tun“, sagte der neue Fortuna-Trainer und schmunzelte. „Ich werde immer älter und die Jungs sind immer jünger. Die Diskrepanz wird also größer.“ Trotzdem versucht er, die persönliche Nähe zu seinen Schützlingen zu wahren. „Sie dürfen gerne mal einen Spaß über mich machen oder über mich lachen, und umgekehrt sollte es genauso sein“, erzählte der 51-Jährige.
Neben der Tatsache, dass sich Anfang seit dem Beginn seiner Trainerkarriere beim SC Kapellen-Erft freilich inhaltlich weiterentwickelt hat, ist der vielleicht größte Unterschied zu den damaligen Zeiten die immer weiter voranschreitende Professionalisierung des Fußballs. „In Kapellen habe ich gemeinsam mit unserem Betreuer die Trikots und Bälle gepackt, habe das Flutlicht an- und ausgemacht, die Kabine gestrichen – und zwischendurch sogar Kaffee und Kuchen für die Jungs hingestellt, wenn sie von der Arbeit gekommen sind, damit sie einfach Spaß haben“, sagte Anfang.
Spaß haben – dieses Credo ist dem Coach nach wie vor sehr wichtig. „Wir machen etwas, das uns allen Spaß macht“, betonte der 51-Jährige. „Ich bin gerne auf dem Fußballplatz, für die Jungs gilt das genauso. Das sollte im Vordergrund stehen.“ So war es damals in Kapellen, und so ist es noch heute, mittlerweile bei Fortuna.